Augenladen

26 Jan

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Warum nur, frage ich mich, bin ich nicht schon früher die fünf Treppenstufen zu Bernhard Sandforts Produzentengalerie hinaufgegangen und habe die Tür geöffnet? Immerhin hatte ich schon über 30 Jahre lang die Gelegenheit dazu. Lag es an dem kleinen Raum, der mich vielleicht mit einer  zu intimem Situation erwartete, oder an der Möglichkeit, den Meister bei der Arbeit zu stören, was mir unangenehm wäre? Ist der Name AUGENLADEN ein Hinweis, dass es genügen soll, einfach nur durch die Scheiben zu schauen und die Produktionen zu betrachten? Ich könnte diese Fragen in das von Bernhard Sandfort 1977 gegründete Museum der Fragen einbringen, aber ich werde jetzt doch einfach zum ersten Mal hinein gehen und ihn, den mittlerweile über 75 jährigen Künstler persönlich begrüßen. Von außen durch das Schaufenster kann ich ihn sehen, wie er an einem Tisch in der Mitte des Raumes sitzt und offenbar Zeitung liest.

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Einfach hinein gehen… ha, viele gegenseitige Entschuldigungen, er, beim Essen, ich, wollte nicht stören, nein, nein überhaupt nicht, die Tür sei ja offen. Er, sich schließlich wieder setzend, ich dankbar, stehe im Raum und lasse meinen Blick durch den kleinen weiß getünchten Kosmos schweifen, rechts ein psychedelisch wirkendes Bild von 1960, dann nach links, chronologisch wie ich vermute, eine Hängung examplarischer Werke bis hin zu seinen Aktuellsten. „Praktisch mein Lebenswerk“, ruft er vom Tisch herüber, ohne Ironie und steht dann doch wieder auf, zu den Bildern an der Wand hin, um mir Erklärungen zu geben. Die schwarzen vertikalen Balken stehen für die Gesetzmäßigkeit, die bunten schrägen Linien für Zufall. Ich assoziiere laienhaft das Buch der Wandlung und John Cage, er weist hin auf die Möglichkeiten der Aufhängung in alle vier Richtungen, Begrenzung und Unendlichkeit sind die Themen seiner Bilderserien. „Dann haben sie ja unendlich viel zu tun“, scherze ich. „Das Leben ist begrenzt“, stellt er fest und wir kommen ins Plaudern über Mies van der Rohe und dessen Wettbewerbsentwurf für den Nationaltheater-Neubau, den Abriss des Kunsthallen-Anbaus, den Gardasee und das gute Essen in der Pfalz. Schließlich, ich bin ein guter Gast, warum nur musste ich so viel Mut aufbringen, hereinzutreten? „Nun“, beruhigt er mich verständig, „man soll es ja auch nicht zu leicht machen.“

Augenladen
Bernhard Sandfort
Heinrich-Lanz-Straße 21
Mannheim / Schwetzinger Vorstadt

(34) 01.2013

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