Spielabbruch

31 Mai

update: Ultras Mannheim beteiligen sich mit 18.750 € an DFB-Strafe

Nennt mich Feigling, aber die Tatsache, dass ich hier erst nach 309 Artikeln beim SV Waldhof Mannheim 07 antrete, lässt erahnen, wie heiß das Eisen für mich schon immer war. Doch nach diesem Spielabbruch, der aus den Reihen der Ultras99 durch Böller und Raketen bei der Relegation provoziert wurde, half auch alles Schöntrinken nichts mehr und jetzt, wo der Rauch der Pyro verzogen ist, wage ich mich halt mal aufs Spielfeld.

Liebe, Kampf und Leidenschaft, ja klar! Auch Hass und rohe Gewalt gehören schon seit langem dazu. Die Fankultur ist seit Jahren von Gewalt und Einschüchterung mitgeprägt und führte dadurch den Mannheimer Eishockey-Adlern schon viel Publikum zu. Andere Vereine werden zu „Todfeinden“. „Scheiss Hoffenheim“ wird mit Fäkalien überkübelt, „KSC wird geschlachtet“ etc. Eine Grätsche gegen „gute Sitten“, geltende Moral, herrschende Gesetze muss dabei sein. Fussball hat sowohl Wurzeln im alten Kampf Dorf gegen Dorf und dazwischen das Spiefeld, wie auch im privilegiertem Regelspiel, das 1848 in England Studenten der Universitäten gegeneinander austrugen. Es sind eben nicht nur 15 sogenannte Hohlköpfe, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle hatten. Der vorsätzlich herbeigeführte Spielabbruch, eine kalkulierte Machtdemonstration gegen herrschende Ordnung, gegen den DFB, gegen Kommerz, hat viele Sympathisanten.
Kurzer Rückpass: Bei den Landtagswahlen 2016 erreichten die AFD in den Stadtteilen im Norden Mannheims (Waldhof, Sandhofen, Schönau) im Schnitt ein Ergebnis von 27%. Anders als in der offiziellen Darstellung gibt es im Verein bei der Deutungshoheit, wer ein echter Fan ist, ständige Ballverluste. Jedoch droht das anti-bürgerliche Zuspiel mit jedem Aufstieg in eine höhere Spielklasse im Abseits zu landen durch mehr Sponsoren und neuem Publikum, welches den Waldhof möglicherweise zum harmlosen Familienverein ohne Altersbeschränkung mutieren ließe. Die Welt ist aber nicht harmlos. Sie ist ein Schlachtfeld. Sie ist Horror, wie die Choreografie der Ultras schön zeigte. Doch gleichzeitig deuten sie die nicht-bürgerliche, proletarische Geschichte des Vereins radikal um. Mit den Ultras, übrigens dem zahlenmäßig stärksten Fanclub, führt die Geschichte eben nicht zu einer emanzipatorischen Befreiung von (Spiel)klassen durch Solidarität und sportlichen Zusammenhalt, sondern zur Machtergreifung der Stärkeren, zum Ausleben von Chauvinismus und Aggression. Unter dem Treueschwur zum Verein wird leider auch immer wieder rechtsaussen gespielt, wehen die Fahnen von Fangruppen wie the Firm, blau schwarz asozial etc. am Spielfeldrand. Identität stiftende Vereinssymbole sind so längst schleichend vergiftet und zu Zeichen von Dominanz und Intoleranz geworden. Diese haben sich durch Graffits bereits im gesamten Stadtbild ausgebreitet. „Waldhof Buwe“ die krassen „bad boys“, die in der Szene gefeiert werden, schön asozial und bloß nicht hipster. Aus „meine Stadt, mein Verein“ wurde tatsächlich „eine Stadt, ein Verein“ und dies vom Verein selbst vorgetragen, der sich scheinbar durch ständiges Pressing zu solchen Fehlern hinreißen lässt, es nicht versteht, die Gruppen konsequent der Verantwortung zu stellen. Glaubt jemand ernsthaft, unter dem Recht des Stärkeren wird eine Selbstreinigung der Szene gelingen? Abpfiff. Mit jedem weiterem Gedanken wird mir klarer, dass der ehrwürdige Arbeiterverein SV Waldhof dringend Hilfe benötigt, um sich zu befreien. Vor einen Neuanpfiff schlage ich vor, dass alle Fans als kollektives Statement sämliche blau-schwarz bemalten Wände und Verteilerkästen in der Stadt weiß streichen, um für Stadt und Verein neue Projektionsflächen zu schaffen und dann schaun wir mal…

Spielabbruch
(310) 05.2018

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