Kunsthalle, Hector Neubau

25 Jul

Reden wir nicht drumherum, von außen betrachtet ist der Hector Neubau ein Kasten. Ein verhüllter Kasten. Aber haben wir nicht in jedem Wohnzimmer einen Kasten stehen? Wichtig ist wohl, was es drin zu sehen gibt und so lassen wir diese Diskussion rasch hinter uns und gehen halt mal hinein, vom schönen geretteten Friedrichsplatz aus.

Wow, ein große Halle, die sich hoch hinauf bis zur Decke streckt. Der Eintritt zehn Euro ist happig, 8 Euro ermäßigt nicht viel weniger. Aber: Freier Eintritt unter 18 (mit Schülerausweis) und Jahreskarte 30 Euro! Gekauft. Allein die aktuelle Jeff Wall Ausstellung ist so vielschichtig, dass man sie mehrmals schauen kann. Trau mich auch gar nicht, Fotos von den Fotos zu machen.

Verlassen wir den dritten Schauraum von Jeff Wall und streifen nun durch die als Kuben bezeichneten verschiedene Ausstellungsräume.
Im Kubus 1: Nam June Paik, AUSTRALOPITHECUS MAN

Am Eingang zu Kubus 2, in dem Skulpturen von Rodin bis Niki de Saint Phalle mal dicht, mal locker gruppiert sind, erwartet uns ein alter Bekannter: George Segals MAN IN A DECK CHAIR DRINKING. Gut plaziert. In diesem Kubus kommt man auch der Herkunft der, wie Baulärm klingenden, Klopfgeräusche näher, die (wahrscheinlich zum Jammer des Personals) unablässig durchs ganze Haus dringen. REVOLUTION heißt das witzige „behämmerte“ Teil und darf als Leihgabe den schönen frischen Wandputz zerstören.

In Kubus 4 gehts ans Eingemachte. Eine begehbare Installation von Thomas Hirschhorn THE FIRE WAS HERE führt uns ins Reich des Schreckens, der Gewalt und der dunklen Seite unserer Welt.

Beeindruckende Highlights, auch wenn´s weh tut: LA MANTE, GRANDE von Germaine Richier, POPE II von Francis Bacon, ALL MY BAD THOUGHTS, Krištof Kintera,… Henry Moore und und und…

Kubus 5 ist nicht so mein Ding. Etwas zu viel Platz für Kunsthandwerk, allerdings so schön präsentiert wie früher bei Rosenthal.

In Kubus 6 viel Raum für die Großformate von Anselm Kiefer.

Kubus 7 im oberem Stockwerk: Schön anzuschauen Klaus Rinkes MESSINSTRUMENT FÜR ZEITLOSIGKEIT I, im gleichen Raum Richards Longs SPRING CIRCLE, immer noch mit unglaublicher Magie, aber leider wie Mario Merz´s VON GRUNDMAUERN in diesem hellen niedrigen Raum unterm Dach nicht so gut platziert. Spontan vermisse ich die Erdung, aber vielleicht sollte ich ja gerade hier abheben.

Das Schaudepot in Kubus 8 ist eigentlich der Wahnsinn. Hier geht es darum, möglichst viele Bilder und Exponate ohne Rücksicht auf Thema und Zeit einfach nur zu zeigen, wobei der schmale Raum nicht viel Abstand zur Betrachtung lässt und leider recht steile Blickwinkel entstehen. In einer oberen Reihe hängt auch Paul Berger-Bergners schockierendes GASKIND von 1931. Der Maler lebte und arbeitete nach dem 2. Weltkrieg in Mannheim. Vielleicht wäre bei dieser Fülle an Exponaten ein Tausch mit dem größeren Kubus 5 und der Keramik angebracht.

Nun ist zuweilen laute anschwellende Musik zu vernehmen. Sie dringt aus Kubus 8 wo THE REFUSAL OF TIME von Wiliam Kentridge installiert ist. Eine große dynamische Skulptur mit 5-Kanal-Videoprojektion und 8-Kanal Klangkomposition. Hier wird klar, dass solche surreal wirkende Aufführungen nur in speziell für Kunst geschaffene Räume möglich sind, hier erhalten Kunsthallen eben ihre Berechtigung. (Obwohl eine solche Installation in der Deutschen Bank ja eigentlich auch reizvoll wäre.) Jedenfalls sensationell.

Hat jetzt noch jemand den Kopf frei, sich Bilder von Klassikern der Moderen wie Wassliy Kandinskys RUND UND SPITZ, oder Ernst Ludwig Kirchner, Max Beckman, Paul Klee usw. anzuschauen? Wohlgemerkt, wir sind noch im Neubau und haben noch nicht mal die Schwelle zum Jugendstilbau erreicht. Nach zwei Stunden machen wir Schluß und ziehen ein Fazit: Ganz viel Kunst im Kasten und auch schöne Ausblicke nach draussen. Lohnt sich. Um das berühmte Schwirren im Kopf durch zu viele Eindrücke zu vermeiden, empfiehlt sich die Jahreskarte und häppchenweise Besuche. Man kann mit einem Bändchen um den Arm aber auch mal rausgehen und wieder reinkommen. Für alle Tablet- und Smartphone-Benutzer gibt es eine sehr informative App zum kostenlosen Download, die auch als Audioguide im Museum und zu Hause funktioniert.

Kunsthalle Hector-Neubau
Friedrichsplatz 4
68165 Mannheim
Tel.: 0621 2936423

(316) 07.2018

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