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Zum Hühnerstall

30 Jul

Unbeirrt vom stummen Aufschrei meines inneren Veganers überwinde ich die drei Stufen, um im Hühnerstall meine Bestellung aufzugeben. Grillwägen kommen und gehen, der Hühnerstall bleibt bestehen. Drei junge Mädchen vor mir können sich nicht entscheiden, ob sie Pommes geschenkt bekommen wollen. Ein anderer Typ zischt gerade mit einer Tüte ab, nachdem er durch mehrmaliges Antippen auf den Bildschirm, der die fällige Summe überdeutlich ausweist, verstanden hat, was zu zahlen war. „Seit zwanzig Jahren hier und kein Wort Deutsch“ kopfschüttelt die Wirtin. Von wegen Parallelwelt, denke ich, stoßen wohl doch zusammen. Und schon bin ich dran mit meiner Bestellung. Sicher, zwei Halbe gibt´s auch zum Mitnehmen und zwei kühle Eichbaum Pils, oder doch lieber drei…eines für den Durst, eines noch auf den Löbel…
Ich zahle problemlos. Beim Rausgehen grinst mich ein alter Mann zufrieden an, der an einem kleinem Tisch vor einem Teller mit abgenagten Knochen sitzt. Über ihm ein Tapeten-Wandfries mit naiver Malerei vom fröhlichen Landleben. Früher beauftragte man kurz vor Mitternacht einen Taxifahrer seines Vertrauens mit dem Hähnchenabholen. Jetzt freut´s mich grade, dass ich selbst hier bin.

Zum Hühnerstall
Am Meßplatz 5
68169 Mannheim
Telefon: 0621 3362389

(281) 07.2017

Schokinag

27 Jul

Es ist eigentlich völlig dröge, dass ich hier über Mannheims unsichtbares Wahrzeichen schreibe. Selbst Touristenführer haben den Braten schon längst gerochen und erklären die Emissionen der Schokoladenfabrik zum olfaktorischen Highlight Mannheims. Aber, die Konkurrenz schläft nicht: Gerade wurden die türkischen Holzkohle-Grilldämpfe rund um den Marktplatz zum Aufsteiger des Jahres gekürt.

Also mal wieder zufällig mit dem Fahrrad duch die Neckarvorlandstraße. Geruchsmäßig hat sich in den letzten vierzig Jahren nicht viel verändert, trotz der stetig verbesserten Filteranlagen, wie man immer wieder liest. Vielleicht hat sich zum Ausgleich aber auch immer die Produktionsmenge erhöht. Will ich jetzt gar nicht so genau wissen. Man könnte ja ne Führung buchen für die ganzen Details. Und, was rieche ich jetzt?

Tja, es gibt da mindestens zwei Gerüche. Den einen offiziellen Kakaogeruch und einen, der mir in der Holzstraße um die Ecke mit voller Wucht entgegenschlägt, ein Geruch so dumpf und schwer, bei dem man alle Hoffnung aufgibt, dass er jemals gen Himmel steigen wird. Bei uns sagt man: riecht wie oigschloofene Fies. Des is dann für mich des echte Monnem. Bin ja schließlich kein Tourist. Kä Wunner übrigens, dass die Arbeider do in ihrer Paus mol ä ahstännische Zigarrett plotze müsse, odda?

SCHOKINAG-Schokolade-Industrie GmbH
Neckarvorlandstrasse 21-25
68159 Mannheim/Germany

(280) 07.2017

Kiosk am Gartenschach

11 Jul

Besonders an trüben Tagen, wenn sich keine doppelten Schlangen am Kioskschalter bilden, erweist sich der Kiosk mit seinen Sitzgelegenheiten als ein sehr entspannter Ort. Mit ausreichend Muße betrachte ich also das kleine Wandgemälde seitlich am Kiosk, welches Szenen aus dem Parkleben zeigt: Die Duojing-Bahn fährt ohne Fahrgäste, eine Gondoletta gerät in Seenot, Sonnenschirme dienen als Regenschutz.
Die Freiluft-Atmosphäre fordert unweigerlich eine große Rieslingschorle heraus. Zufrieden nehmen wir die geräuschlosen elektrochemischen Prozesse wahr, Korrosion und Rost erweisen sich mit einem Mal als verlässliche Verbündete.

Kiosk am Gartenschach
Luisenpark

(278) 07.2017

Neckarwiese

19 Jun

Vergleicht man die Mannheimer Neckarwiese mit der Heidelberger, wird der essenzielle Unterschied zwischen beiden Städten deutlich. Dort ein kleines Stück kultiviertes Rasengrün mit Blick auf die romantische Schloßruine, Promenade und Bänke, auf denen man sich ohne weiteres über Joseph von Eichendorffs Taugenichts mit japanischen Studentinnen austauscht, oder hier kilometerlang naturbelassene Wiese, die schätzungsweise höchstens zwei mal jährlich eine Mahd erhält, Blick auf Industrieanlagen und Strommasten und wenn´s gut läuft, kannst du hier mit einem Ceylan-Spruch punkten. Dort gepflegte öffentliche Toilettenanlagen und hier .. ähh… Aber mal ehrlich, wenn ich wählen müsste, wo ich meinen Urlaub verbringen sollte, auf dem Rasen oder auf der Wiese, also da kannst du mich auch gleich fragen, ob ich ins Schwimmbad will oder ans Meer. Weeschwie’sch-män?

Neckarwiese

(276) 06.2017

Löbel

12 Jun

update 30.07.2017: Nikolas Löbel zieht seinen Eichbaum-Sixpack aus der Werbung zurück. Eichbaum will politisch neutral bleiben! Löbel klebt weiter fleißig Plakate und Nubes scheint den ungleichen Wettkampf nun zu verlieren. Löbels Strategie: Ich hör erst auf euch zu nerven, wenn ich im Bundestag sitze…

_ _ _

Für Nikolas Löbel, dem aufstrebenden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Mannheimer CDU Gemeinderatsfraktion, gibt es eine Lieblingsverodnung. Sie findet sich als Abschnitt 3 Punkt 14 Teil B im Mannheimer Stadtrecht. Diese erlaubt es politischen Parteien, Wählervereinigungen, Gruppierungen und Einzelkandidaten/Innen, also auf jeden Fall ihm, eigene Werbeträger bis zum Größenformat DIN A0 aufzustellen. In Mannheim eine Sonderregel. Für gewöhnlich darf hier Werbung nur auf Litfaßsäulen oder für eine gehörige Portion Geld auf die berühmten Mannheimer Stimmgabeln gebappt werden.
Amt und Würden verschaffen unserem tapferen Mann nun aber ein Privileg, seinen Namen und sein Konterfei zu jeder (meist selbst geschaffenen) Gelegenheit ins öffentliche Stadtbild zu schieben und er nutzt dieses Privileg zu meinem Leidwesen wie kein anderer grandios aus. Ob ein Fassbieranstich mit Bundestagspräsident Lammert, oder aktuell gerade sein Wunsch auf Grillpartys eingeladen zu werden, kaum ist das eine Plakat entfernt, kommt schon das nächste. Aber mal ehrlich, Bier trinken, grillen… ist das der Stoff, aus dem bei uns Helden gemacht werden? Komm Nikolas, wir gehen mal ein bisschen härter ran. Wie wär’s: Günstige Wohnungen suchen mit Nikolas Löbel, oder gut bezahlte Jobs finden mit Nikolas Löbel? Und wenn dann durch deine volle Aufopferung viele Wunder geschehen sind, dann wirst du zur Legende! Und dann können wir uns auch die doofen Plakate sparen.
A working class hero is something to be… tadadi, tadadi…

Löbel
Mannheimer CDU Politiker, Plakatierer

(274) 06.2017

von Jungfeld

5 Mai

Ja da sind sie ja, die roten Socken, von denen ich´s gerade hatte. Manche machen eben ne schmutzige Kampagne draus, andere eine prima Geschäftsidee und meine Lieblingsteile. Bezüglich der Geschäftdidee war ich anfangs etwas skeptisch, weil mir das Alleinstellungsmerkmal der knalligen Farben etwas einfach gestrickt schien. Aber Tragekomfort und besonders der andersfarbige Innenbund sind toll und so hat sich dieses 2013 gegründete Mannheimer Unternehmen also durchaus seinen Platz in meinem Blog verdient. Ne Menge Kapital steckt mittlerweile in von Jungfeld, immmerhin will das junge Gründer-Duo in wenigen Jahren Europas Nr.1 bei bunten Herrenstrümpfen werden. Jedenfalls haben sie mit einem coolen Marketing-Gemisch aus Dekadenz und Adel bunte Socken in kürzester Zeit salonfähig gemacht. Also in meinem Salon zumindest. Die edlen Teile werden in der gesamten Produktionskette nach Firmeninformation ausschließlich in Deutschland bzw. Europa gefertigt, was entsprechende soziale Standards sichert. Kleiner Wermutstropfen: Online gekaufte Geschenkgutscheine können nicht offline in Läden eingelöst werden. Schade, müsste sich eigentlich doch ändern lassen. Mann hätte das Geld für den Versand gespart und schon wieder ein halbes Paar Socken mehr im Schrank, wenn man den Gutschein in Mannheim zum Beispiel in der Butiq oder bei Engelhorn, Pellegrini oder für Bambinis bei Piccolini einlösen könnte. Aber ich glaub, ich kann eh nicht mehr bis Weihnachten warten, die Dinger machen nämlich süchtig.

von Jungfeld
stilfaser GmbH
Turley-Strasse 8
68167 Mannheim

(271) 05.2017

Mannheim ist rot

1 Mai

Es war auf irgendeiner Brainstorm-Sitzung zur Corporate-Identity Findung. Es ging um nicht Geringeres als um die Neugestaltung des Erscheinungsbildes der Stadt Mannheim, die Sitzung drohte wieder ergebnislos zu versanden, als nach der achten Kanne Kaffee plötzlich jemand aufsprang und an das Flipchart schrieb: Mannheim ist rot. Das muss so ungefähr zur Zeit der „rote Socken“ Kampagne der CDU mit Peter Hinze oder Roland Koch gewesen sein. Jedenfalls war die Tatsache, dass Mannheim SPD regiert war nicht von der Hand zu weisen und die Mehrheit der Anwesenden war von der rot-Idee regelrecht begeistert, nur die CDU ärgerte sich ein bisschen schwarz. Seither wird alles, was irgendwie mit städtischen Institutionen oder Verwaltungen in Zusammenhang zu bringen ist, freudig in roter Farbe kenntlich gemacht. In neuester Zeit kommt aber auch die CDU bei einer Kombi von rot und etwas aschgrau zu ihrem Recht.

Mannheim ist rot

(270) 05.2017

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