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Spielabbruch

31 Mai

Nennt mich Feigling, aber die Tatsache, dass ich hier erst nach 309 Artikeln beim SV Waldhof Mannheim 07 antrete, lässt erahnen, wie heiß das Eisen für mich schon immer war. Doch nach diesem Spielabbruch, der aus den Reihen der Ultras99 durch Böller und Raketen bei der Relegation provoziert wurde, half auch alles Schöntrinken nichts mehr und jetzt, wo der Rauch der Pyro verzogen ist, wage ich mich halt mal aufs Spielfeld.

Liebe, Kampf und Leidenschaft, ja klar! Auch Hass und rohe Gewalt gehören schon seit langem dazu. Die Fankultur ist seit Jahren von Gewalt und Einschüchterung mitgeprägt und führte dadurch den Mannheimer Eishockey-Adlern schon viel Publikum zu. Andere Vereine werden zu „Todfeinden“. „Scheiss Hoffenheim“ wird mit Fäkalien überkübelt, „KSC wird geschlachtet“ etc. Eine Grätsche gegen „gute Sitten“, geltende Moral, herrschende Gesetze muss dabei sein. Fussball hat die Wurzeln im alten Kampf Dorf gegen Dorf und dazwischen das Spiefeld und als Spiel, das 1870 in England die Studenten der Universitäten gegeneinander austrugen. Es sind eben nicht nur 15 sogenannte Hohlköpfe, die ihre Emotionen nicht unter Kontrolle hatten. Der Abbruch, eine kalkulierte Machtdemonstration gegen herrschende Ordnung, gegen den DFB, gegen Kommerz, hat viele Sympathisanten.
Kurzer Rückpass: Bei den Landtagswahlen 2016 erreichten die AFD in den Stadtteilen im Norden Mannheims (Waldhof, Sandhofen, Schönau) im Schnitt ein Ergebnis von 27%. Anders als in der offiziellen Darstellung gibt es im Verein bei der Deutungshoheit, wer ein echter Fan ist, ständige Ballverluste. Jedoch droht das anti-bürgerliches Zuspiel mit jedem Aufstieg in eine höhere Spielklasse im Abseits zu landen durch mehr Sponsoren und neuem Publikum, welches den Waldhof möglicherweise zum harmlosen Familienverein ohne Altersbeschränkung mutieren ließe. Die Welt ist aber nicht harmlos. Sie ist ein Schlachtfeld. Sie ist Horror, wie die Choreografie der Ultras schön zeigte. Doch gleichzeitig deuten sie die nicht-bürgerliche, proletarische Geschichte des Vereins radikal um. Mit den Ultras, übrigens dem zahlenmäßig stärksten Fanclub, führt die Geschichte eben nicht zu einer emanzipatorischen Befreiung von (Spiel)klassen durch Solidarität und sportlichen Zusammenhalt, sondern zur Machtergreifung der Stärkeren, zum Ausleben von Chauvinismus und Aggression. Unter dem Treueschwur zum Verein wird leider auch immer wieder rechtsaussen gespielt, wehen die Fahnen von Fangruppen wie the Firm, blau schwarz asozial etc. am Spielfeldrand. Identität stiftende Vereinssymbole sind so längst schleichend vergiftet und zu Zeichen von Dominanz und Intoleranz geworden. Diese haben sich durch Graffits bereits im gesamten Stadtbild ausgebreitet. „Waldhof Buwe“ die krassen „bad boys“, die in der Szene gefeiert werden, schön asozial und bloß nicht hipster. Aus „meine Stadt, mein Verein“ wurde tatsächlich „eine Stadt, ein Verein“ und dies vom Verein selbst vorgetragen, der sich scheinbar durch ständiges Pressing zu solchen Fehlern hinreißen lässt, es nicht versteht, die Gruppen konsequent der Verantwortung zu stellen. Glaubt jemand ernsthaft, unter dem Recht des Stärkeren wird eine Selbstreinigung der Szene gelingen? Abpfiff. Mit jedem weiterem Gedanken wird mir klarer, dass der ehrwürdige Arbeiterverein SV Waldhof dringend Hilfe benötigt, um sich zu befreien. Vor einen Neuanpfiff schlage ich vor, dass alle Fans als kollektives Statement sämliche blau-schwarz bemalten Wände und Verteilerkästen in der Stadt weiß streichen, um für Stadt und Verein neue Projektionsflächen zu schaffen und dann schaun wir mal…

Spielabbruch
(310) 05.2018

Maimarktbecher

1 Mai

Klarer Sieger heute beim Geschmacks-Wettbewerb Bratwurst gegen Maimarktbecher. Für nicht ganz günstige 4,50 Euro im Handwerkerzelt bei der Bäckerei Zorn zu haben. Eine Zusammenstellung von Sahne, Erdbeeren, Bisquit und Bayerische Creme, die von manchen Besuchern auf dem Maimarkt ahnungslos auch einfach Pudding genannt wird, obenauf etwas Schokoraspel. Die Light-Varianten gab es im Regionalzelt bei Grimminger mit Erdbeere pur. Jedenfalls ein beliebter Klassiker, wie es der Maimarkt ja auch ist. Schön wäre noch ne frische Idee zu den 40.000 Plasikbechern, die hierbei anfallen.

Maimarktbecher
Auf dem Mannheimer Maimarkt
mehrere tausende Kilo Erdbeeren
Xaver-Fuhr-Straße 101, 68163 Mannheim

(308) 05.2018

Mit dem Roller zur Schule

28 Apr

Genialer Start in den Morgen. Die Kids habens drauf und fahren mit dem Roller in die Grundschule. So macht der Schulweg Spaß. Mit eigenem Muskelantrieb, gemeinschaftlich, selbstbestimmt. Die Dinger sollten für Kinder meiner Meinung nach zur bedingungslosen Grundausstattung gehören und breite Gehwege sowieso auch. Übrigens, auch die E-Scooter werden kommen. In San Francisco werden sie schon als Plage diskutiert. Aber mit immer mehr Autos kann´s ja auch nicht weitergehen. Wird Zeit für Zukunft.

Mit dem Roller zur Schule

(307) 04.2018

Nischen

23 Mrz

Wer will schon gerne im Weg stehen. Lieber sein Ding machen, am besten mit Freunden, niemanden stören und nicht gestört werden, quatschen, abhängen. Nicht nur Fledermäuse haben Bedarf an Nischen. Aus Filmen sind uns Bushaltestellen in ländlichen Regionen als Hort des Müßiggangs bekannt, stadteinwärts wird alles glatter, beschleunigter, zielgerichtet. Gemütliche Aufenthalte gehen mit Verzehrzwang einher, während inmitten des Stroms Sitzbänke meist ungenutz dastehen. Wen wundert´s, bieten sie eben im Gegensatz zu Nischen keinen Rückzugsraum. Doch Menschen sind mit ausreichenden Sinnen ausgestattet, um Nischen auch im funktional organisierten Stadraum aufzuspüren. Folgend einige Beispiele:

Parkhaus Dorint/ Rosengarten, Tullastraße
Neben Überwachungskamera Nische mit Ausblick, warme Luftströme von unten. Abstellmöglichkeit für Getränkeflaschen aller Art.

Mall Q7/Q6
Eigentlich Restaurantbetrieben zugeordnet. Nach Ladenschluss bis 22 Uhr aber zugänglich und gerne von Jugendlichen genutzt. Nebenan bei Rewe Gekauftes kann hier verzehrt werden.

Thalia Buchhandlung P7
Ebenfall durch Einzelhandel privat eingerichte Nische. Hier können auch neueste Bücher gelesen werden, Sitze allerdings eher unbequem.

Hauptbahnhof Eingang Parkhausebene.
Trockener, einigermaßen warmer gelegentlicher Treffpunkt für Alk- und Drogenszene.

Commerzbank, P2
Eigentlich ganz anderes Thema: Obdachlose suchen in Nischen Schutz

Reichskanzler-Müller-Straße, unter Fußgängerbrücke
Ohne Worte

Nischen

(306) 03.2018

Das erste Auto und der letzte Crash

3 Mrz

Mal wieder jemand mit dem Auto zu schnell um die Kurve am Friedrichplatz Richtung Augusta-Anlage. Im Hintergrund steht das erste Auto der Welt, der von Carl Benz in Mannheim gebaute Patent Motorwagen Nr.1 als schöne Bronzenachbildung auf einem sicheren Sockel.

Augusta-Anlage, Friedrichsplatz

(304) 03.2018

Stadthaus

24 Feb

Lassen wir beiseite, dass da, wo das Stadthaus steht, einmal ein „altes Kaufhaus“ stand mit der berühmten Mannheimer Symmetrie. Das wurde weggebomt und der Wiederaufbau scheiterte im Bürgerentscheid trotz großer Mehrheit denkbar knapp an einer zu geringen Wahlbeteiligung. Solche Stadthausstreitereien gab es auch in anderen Städten. Nein, was mich vollkommen aufschreckte und aus meiner so arglosen wie selbstzufriedenen Internetsurferei herausriss, waren diese grottenschlechte Google-Bewertungen für das Stadthaus, auf die ich, wie gesagt, rein zufällig stieß. Ich fragte mich sofort, ob die in N1 eingebundene Gastronomie verantwortlich wäre, jemand im East vom all you can eat nicht satt wurde, oder in der N1 Lounge kein Platz frei war, oder der Tequila in der Azteca Mexicana zu Gemüte schlug, doch nichts dergleichen. Auch bei Trip Advisor belegt das Stadthaus in der Rubrik Sehenswürdigkeiten einen schockierenden letzten Platz. Wie konnte das geschehen? Mannheim ist eine moderne Stadt, die üblicherweise keinen Vergleich zu scheuen braucht. Jedenfalls erschien mir die Sache so bedeutend, der Anlaß also groß genug, um mich unverzüglich zu einem Ortstermin einzufinden. Schließlich kann ALLES MANNHEIM die öffentliche Diskussion nicht allein Spießern und Kulturbanausen überlassen. So lautet das Ziel der Aktion: Rettet das Stadthaus!

Schon von der rückwärtigen Ansicht aus erscheint mir das Stadthaus als die gelungenere Version des Centre Pompidou. Bei freiem Eintritt wartet es gleich im Erdgeschoß mit einer atemberaubenden Installation auf, die sich mit der jüngsten Geschichte der Stadt auseinandersetzt. Mit der Nachgestaltung der legendären Borelly Grotte, die ja aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr besichtigt werden kann, provoziert der Durchgang einerseits Erinnerungen, geht aber über das bloße Betrachten hinaus und erzeugt durch geschicktes Wechselspiel von Raum und Licht beim Besucher eine beschleunigte Dynamik seines Bewegungsapparates und lässt ihn somit auch durch körperliche Erfahrung an unserem kollektiven urbanen Gedächtnis teilhaben.

Neugierig strebe ich über eine schöne Außentreppe, die formprägender Teil der Architktur ist, zum Plenum, wo mich nicht zufällig neben dem Ratssaal die Installation Pferd, Flur, Demokratie erwartet, welche die großen politischen Fragen unserer Zeit thematisiert. Die geschickt im Raum angeordneten Rundsäulen verweisen auf Athen als Ursprungsort einer demokratischen Stadtgesellschaft, mahnen aber durch das bunt aufgestellte Pferd an Trojas Schicksal und den Gefahren des Lobbyismus. Stark! Eine leere, verglaste Wandnische mit dem Titel „Zu vermieten“ des Künstlers D&S sollte hier nicht als Kontrast, sondern als wohltuende Ergänzung verstanden werden.

Durch ein Hinweisschild werde ich schließlich noch auf einen kleinen Nebenraum aufmerksam. Glücklicherweise muss ich sagen und wundere mich, dass sich hier keine Schlangen bilden. Fast humorvoll, jedenfalls mit grosser Könnerschaft wird Bezug genommen auf Mannheims Tradition der neuen Sachlichkeit und deren späteren Transformation von Kunst als visuelle oder gar plastische IDEE. Ein Readymade, das mit scheinbarer Leichtigkeit den Bogen von Marcel Duchamp zu Piet Mondrian schlägt und sich dabei unter Einbindung von Quadraten und den Mannheimer Farben als großes Geschenk an Mannheim und seine Bürger entpuppt. Völlig verständlich, dass dieser Raum ständig bewacht werden muss. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Einziger Wermutstropfen die Stadtbücherei im oberen Stock, aber die soll ja bald dort ausziehen. Mein Votum: fünf von fünf Sternen und völliges Unverständnis über jegliches negative Ranking. Wer nach Mannheim ins Stadthaus kommt, sollte wissen, dass er weder repräsentativen Kitsch erwarten kann, wie vielleicht in Zürich, noch dass er es sich umrahmt von gefallsüchtigen Bildern auf Bänken bequem machen kann, statt mühevoll die sogenannte Realität zu entschlüsseln.
Nein, Mannheim ist und bleibt die unbequeme Arbeiterstadt. Aber dass wir uns nicht missverstehen, liebe Freunde und Besucher, die Arbeit, die fängt bei uns manchmal im Kopf an.

Stadthaus
N1
68161 Mannheim

(303) 02.2018

Schachtdeckel

6 Feb

In den Planken …

… schön verzierter Schachtdeckel ohne erkennbare Logo-Werbung bei Engelhorn als eine Sonderform von Streetart. Hergestellt durch die Firma R. Dannhäuser, die es aber nicht mehr gibt. Einen ALLES MANNHEIM Deckel kann ich mir nun bei Atrium bestellen, für meinen persönlichen Walk Of Fame. Wer hingegen nicht tief in die Tasche greifen, sondern tiefer eintauchen möchte in die Welt der Manholes und Gullys, sogenannte drainspotters haben umfangreiche Sammlungen ins Netz gestellt. Zum Beispiel Gullygerds Reisen oder Manholecovers. Eine subversive und zugleich geschäftstüchtige Variante hat die raubdruckerin für sich entdeckt.

Schachtdeckel
Planken

(301) 02.2018

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