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Mannheim ist rot

1 Mai

Es war auf irgendeiner Brainstorm-Sitzung zur Corporate-Identity Findung. Es ging um nicht Geringeres als um die Neugestaltung des Erscheinungsbildes der Stadt Mannheim, die Sitzung drohte wieder ergebnislos zu versanden, als nach der achten Kanne Kaffee plötzlich jemand aufsprang und an das Flipchart schrieb: Mannheim ist rot. Das muss so ungefähr zur Zeit der „rote Socken“ Kampagne der CDU mit Peter Hinze oder Roland Koch gewesen sein. Jedenfalls war die Tatsache, dass Mannheim SPD regiert war nicht von der Hand zu weisen und die Mehrheit der Anwesenden war von der rot-Idee regelrecht begeistert, nur die CDU ärgerte sich ein bisschen schwarz. Seither wird alles, was irgendwie mit städtischen Institutionen oder Verwaltungen in Zusammenhang zu bringen ist, freudig in roter Farbe kenntlich gemacht. In neuester Zeit kommt aber auch die CDU bei einer Kombi von rot und etwas aschgrau zu ihrem Recht.

Mannheim ist rot

(270) 05.2017

Bloomaulorden

5 Mrz

Dieser Artikel kommt ja hinnerher wie die alt Fasnacht. Aber er wird auch wieder top aktuell, denn der Bloomaulorden wird seit 1970 jedes Jahr, immer am Fastnachtsonntag, verliehen. Alla, was solls.

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Für die Pfälzer ist ein Bloomaul einfach än Mannemer. Für Mannemer hingegen ist Bloomaul ein erstrebenswerter, wenn nicht sogar der einzig lebenswerte Zustand. Ein Bloomaul steht mit beiden Beinen auf dem Boden, ist mit sich im Reinen, ist nicht hinnerum, lässt Humor durchblicken und trumpft auch mal gerne auf. All dies eigentlich immer und überall. Bloomäuler haben naturgemäß das Herz am richtige Fleck, die Zunge ist ihnen nicht festgewachsen, sie sind mutig, wissen sich zu helfen und man kann sich auf sie verlassen. Um Bloomaul zu sein ist Herkunft und Dialektbeherrschung nicht entscheidend, wenn auch hilfreich. Vielmehr muss irgendwann der Bloomaulgeist in den Menschen hinein gefahren sein, entweder gleich bei der Geburt oder halt später. Dies geschieht wie durch ein Wunder nur in Mannheim. Deshalb finden wir hier auch die größte Dichte an Bloomäulern, ca 79.000. Weltweit verteilt gibt es geschätzt knapp 324.500. (Stand 2008)

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Kommen wir zu den Bloomaulordenträgern. Diese besitzen die üblichen Bloomauleigenschaften und sie sind auch noch abwechselnd musikalisch, sportlich, geschäftlich erfolgreich, politisch aktiv, dabei net von oben herab und feiern wie alle Bloomäuler auch mol gern. Wenn ein Bloomaul seinen Orden bekommt, lässt es sich natürlich auch feiern. Der Bloomaulorden ist nämlich die höchste Auszeichnung, die ein Bloomaul bekommen kann. Eine drei köpfige Jury um den Mannheimer Morgen herum wählt den oder die Preisträger/in und des kann natürlich nur jemand sein, der sich schon ausreichend bekannt gemacht hat, sonst täten die den ja net kenne, aber des is normal. Die meisten Bloomäuler legen eh kän besonnere Wert uff Orde, wobei ich sage muss, mir gefallt er, von der Gestaltung her, aber er is eher was zum hiestelle als zum um de Hals hänge. Im Gegesatz zum Schicki-Micki Oskar ist er net goldisch glänzend glattpoliert, sondern der Bildhauer Gerd Dehof hat ihn än bissel verkrumpelt und mit Ecke und Kante geformt. Außerdem ist er net vergoldet, sondern glei in Bronze gegosse, damit känner mähnt sage zu müsse, es ist nicht alles Gold was glänzt. Weil des is denne Bloomäuler sowieso schun hinlänglich bekannt.

Bloomaulorden
Mannheims höchste Auszeichnung
(Die Fotos stellte freundlicherweise Bloomaulordenträgerin Helen Heberer zu Verfügung, herzlichen Dank!)

(263) 03.2017

Wassertürm

4 Mrz

Wassertürm? Ist unser liebstes Wahrzeichen jetzt türkisch? Nein, sonst würde man su kulesi sagen, so heißt allgemein ein Wasserturm in der Türkei. Die Rede ist von den vielen kleinen Wassertürmen, die es in Mannheim noch gibt. Das sind nämlich insgesamt, na wer weiß es?… richtig, neunzehn, den allseits bekannten Turm miteingerechnet. Das heißt also, noch 18 weitere stehen im Stadtgebiet verteilt, äner schöner wie der annere. Im Ordnungsamt in K7, heute Bürgerdienst, in neuester Zeit auch Bürgerservice genannt, sind an der Wand hinterm Infoschalter manche der Türme auf großen Bildern zu sehen. Ein Beweis, dass wir auch die Kleinen zu würdigen wissen. Ich spar mir jetzt, euch zu erklären, wie so ein Wasserturm funktioniert, des habt ihr in der Schul gelernt, mit den kommunizierenden Röhren, oder wenn net, gibt’s ja Wikipedia.

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Jedenfalls stellen die Wassertürm heute in den Stadtteilen eine Zierde dar, in Betrieb zur Trinkwasserversorgung sind sie aber nicht mehr. Die meisten sind über hundert Jahre alt und stehen unter Denkmalschutz. Manche, wie der Feudenheimer oder der Straßenheimer sind bewohnt oder werden als Büro genutzt. Mir wäre des zu viele Treppe, aber der Ausblick is natürlich geil. Der Seckenheimer Wasserturm gehört den Lochbühlers, einer Mannheimer Fahrstuhlfirma, die hier ein Aufzugs-Museeum eingerichtet hat. Des macht Sinn. Ich selbst war noch nicht dort, soweit ich weiß sind aber Führungen möglich und werden von Mitarbeitern der Firma ehrenamtlich durchgeführt. Ein Wasserturm neueren Datums steht beim John-Deer-Werk und versorgt dort die Sprinkleranlage mit Wasser zum Brandschutz.
Eine Auflistung aller Mannheimer Wassertürme findet ihr hier bei Wikipedia und der Fotograf Andreas Neumann hat von allen schöne Bilder gemacht. Ich glaub, ich plan mol ä Fahrrad Tour zu de Wassertürm in dieser Saison.

Wassertürm
Wassertürme in Mannheim
(262) 03.2017

Eichamt

25 Feb

Dass uns die Welt immer wieder nötigt, Maß zu nehmen, in ihrem irren Treiben uns zur Selbstkontrolle zwingt und gleichzeitig mit beständiger Reizflutung unseren Kontrollverlust bewirken will. Schrecklich. Dass wir andererseits als Menschen gerade auch die Fähigkeit entwickelt haben, Dinge zu bemessen, vergleichbar zu gestalten und eine verbindliche Ordnung herzustellen.

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Wir erfassen Schnapsmengen, Fiebertemperatur, Geschwindigkeit in Maßeinheiten und tatsächlich ist das Wort EINHEIT von Bedeutung, denn es ist keineswegs selbstverständlich, dass wir in Holland, Frankreich und in Deutschland mit dem gleichen Meterstab messen, gab es doch früher eine Vielzahl an Maßen. Erst vor 150 Jahren fand nach jahrzehnte langem hin und her der Meter mitsamt seinen Zentimetern allgemeine Akzeptanz in Europa. Jedenfalls, die Bestimmung von Maßen und Gewichten war seit jeher ein Hoheitsrecht. Im Mittelalter galten bei Fuß und Elle sogar die Körpermaße des Herrschenden und auch schon im Altertum hielt Justitia eine Waage in der Hand. Diese symbolische Waage befindet sich heute im übrigen nicht wie in der Antike im Gleichgewicht, sondern seit der Neuzeit in Schräglage, wie man an der Statue am alten Mannheimer Rathaus sehen kann. Was ich schade finde, denn der Gedanke des Ausgleichs gefällt mir weitaus besser. Das Eichamt Mannheim hingegen, am Großmarkt, befasst sich mit Problemen der Präzision und Kallibrierung. Festland, vom Ozean der Täuschungen umspült.

Eichamt Mannheim
Fahrlachstraße 46
68165 Mannheim
Telefon: 0621 440060

(260) 02.2017

Baustelle Postareal

15 Dez

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Eine ungewohnte Aussicht bietet sich uns für kurze Zeit in der Reichskanzler-Müller-Straße. Die eingeebnete Fläche des ehemaligen Postareals ermöglicht den Blick auf den Hauptbahnhof und auf die geschwungene Häuserzeile der Heinrich-Lanz-Straße. Im Moment mein „Tempelhofer Feld“. Die Kräne von Diringer und Scheidel, die obenauf mit leuchtenden Tannenbäumen abends das Auge erfreuen, werden tags bereits zur Herstellung des Fundaments des „Kepler-Quartiers“ genutzt. Ein Bauzaun trennt mich von einem verlockenden Erdhügel, der meine Kindheitserinnerungen an manche Baulücken in der Schwetzingerstadt weckt, die uns Kindern Platz für Abenteuer boten. Mit dem Kameraobjektiv durch die Zaunmasche scheint es, als wäre die vordere planierte Fläche so frei wie der blaue Himmel. Sie ist in Besitz der Eyemaxx Real Estate AG, die das Projekt „Postquartier“ hier für ihre Anleger profitabel beackern will. Auf dem gesamten Gelände entstehen also insgesamt zwei sogenannte Quartiere.

Durch ein großangelegtes Verkaufsprogramm der Post gibt es aktuell auch in einigen anderen Städten Bauprojekte mit dem Namen „Postareal„. Bei uns in Mannheim hatte das Postverteilungszentrum nach einer sagenhaften Bauzeit von 16 Jahren nur eine lächerlich kurze Nutzungsdauer. Die Stadt prüfte eine mögliche Weiternutzung, entschied aber für den Abriss, so verschwand nun auch das Beton-Relief „blühende Stationen“ von Hans Hajek, welches die Betonmauer entlang der Reichskanzler-Müller-Straße zierte.

In den Mannheimer Wachstumsjahren um 1890 entstanden im Umfeld des Bahnhofs und in der Schwetzingerstadt 5-geschossige Häuserzeilen durch Investitionen des Bürgertums. Soweit die Häuser noch erhalten sind, bieten sie heute einen abwechslungsreichen Anblick. Der städtische Bebauungsplan nimmt die Blockrandbebauung als Maßgabe auf. Heute erstellen Kapitalgesellschaften die Häuserblocks aus einem Guss. Mag sein, dass sich im geplanten Innenhof die erwünschte Vielfalt einstellen wird, das Exposé zeigt trotz Backsteinfassade und Vorsprüngen einen eher eintönigen Block. Aber wie komme ich eigentlich dazu, an einer viel befahrenen Durchgangstraße unweit der Gleise, zu träumen???

Baustelle Postareal
Reichskanzler-Müller-Straße
68165 Mannheim Schwetzingerstadt

(254) 12.2016

KRONK

30 Nov

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Werbeplakat für die DVD des aktuellen Programms von Bülent Ceylan, gesehen in der Neckarstadt-West. Bülent ist Mannheims mittlerweile berühmtester Comedian, der gerade eine Bambi Auszeichnung in der Kategorie Comedy erhalten hat. Im Merch-shop: MONNEM IS KRONK!

KRONK
Pyramidenstraße
Neckarstadt-West

(250) 11.2016

C-HUB …

26 Nov

… und warum es keine gute Idee ist, das C-HUB „Das Zentrum für Mannheims neue Arbeiterklasse“ zu nennen.

c-hub

Leute, Leute , Leute, bleibt mal auf dem Teppich! Ein Gründerzentrum für die Kreativ-Branche ist schön. Ein Gründerzentrum für die Kreativ-Branche im Jungbusch neben der Pop Akademie und der Stadtgalerie Port 25 ist noch schöner, aber deswegen muss man ja nicht gleich übermütig werden. Es ist eigentlich schon ein dicker Hund, dass wahrscheinlich 99% aller Mannheimer mit dem Begriff C-HUB nichts anfangen können und ich deswegen erstmal Übersetzungsarbeit leiste. C steht wahrscheinlich für die englische Schreibweise von Kreativ also Creative und HUB ist hier nicht der Weg, den der gute alte Kolben im Zylinder zurücklegt, sondern die Bezeichnung des Knotenpunktes eines Netzwerkes, in diesem Fall ist eben das Gebäude der Knotenpunkt und somit ein Zentrum für die Kreativwirtschaft. (Architekten, Designer, Fotografen, Mode, etc.) Soweit, so gut.

Warum aber das C-HUB im offiziellen Slogan das Zentrum für Mannheims neue Arbeiterklasse nennen? Klar, die SPD hat schmerzlich und schockierend bei der Landtagswahl ihr Direktmandat in den klassischen Mannheimer Arbeitervierteln wie Waldhof oder Schönau an die AFD verloren. So könnte es also eine Idee sein, den traditionellen Nenner Arbeiterklasse weiterzutragen und ihn einer neuen Ziel- und Wählergruppe anzuheften. Eine Gruppe, die akademisch gebildet ist, sich als sozial integriert ansehen kann und sich Aufstiegschancen erhofft. So geht anhängen. Was aber ist mit der alten Arbeiterklasse? Die befindet sich in der Unterschicht, oder an deren Rand. Reinigt vielleicht Böden im C-HUB oder putzt die Glasfronten, erfährt nur geringe soziale Anerkennung und hat kaum Aufstiegschancen. So geht abhängen. Dafür können die Kreativen jetzt erstmal nichts, doch nehme ich die Politik in die Pflicht, über diese gesellschaftliche Gräben Brücken zu bauen und wenigstens mit einer vernünftigen Wortwahl zur Verständigung beizutragen und nicht Abgrenzungen zu provozieren. Neu gegen alt. Jedes fünfte Kind in Mannheim gilt als arm und es steht zu befürchten, dass die Armut sich fortsetzt und wächst. Angesichts dessen ist der Slogan von der neuen Arbeiterklasse im C-HUB leider zynisch. Doch es ist eigentlich noch schlimmer, denn würde der Slogan seine kreativen Akteure im Klassenbewusstsein ernst nehmen, wäre nicht die Befreiung und Überwindung der Klassen als Manifestation ungerechter Kapital- und Machtverhältnisse das erstrebenswerte Ziel? Statt dessen versuchen wir, mit einem peinlichen Witz zu punkten? So geht verraten und verkauft. Das haben das C-HUB und die Kreativen in Mannheim nicht verdient. Also lasst euch bitte was neues einfallen.

C-HUB
Kreativwirtschaftszentrum Mannheim
Hafenstraße 25 – 27
68159 Mannheim

(248) 11.2016

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