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Umgraben

4 Aug

Die Idee von Sound- und Audiowalks durch Mannheim ist toll und ich habe ja seit längerem auch schon darüber nachgedacht, für dieses Blog. Aber man hat ja wie üblich keine Zeit… Der Corona-Lockdown hingegen ermöglichte es nun den Profis vom Nationaltheater, sich der Sache anzunehmen und das wiederum weckte in mir freudige Neugierde. Meine Vorfreude war verknüpft mit der starken Hoffnung, dass ein Paukenschlag erklingen möge, der unsere Stadt endlich auf eine zeitgenössische literarische Landkarte bringt, denn dort ist Mannheim bislang noch nirgends zu finden. Einen richtig fetten Flatschen auf der Karte habe ich mir vorgestellt, wie ihn die Krähen von den Bäumen scheißen. Einen Paukenschlag, der trifft, der Mannheim in Schwung bringt. Gerade jetzt, bei Tanzverbot und Kontaktbeschränkungen, wo wir neue Freiheiten brauchen und wir diese Entfesselungskünstler doch so dringend benötigen wegen all der Einschränkungen, damit sie uns Vorbild und Inspiration sind, AutorInnen, die unserer Stadt Freiheit schenken, die uns anpissen…

Ich starre stumm und blicke dumm, nichts habe ich begriffen“ Ok, ein treffenderes Zitat aus einem dieser Tracks ist kaum denkbar, also touché! So ist es jedenfalls nicht dieser dämliche Paukenschlag. Es ist, ja es ist … anders. Tausend Fragen werden mir gestellt, ich komme mir vor wie in der Schule, und es kommen weitere Fragen bei mir hinzu. Ja, es scheint mir nun, als wäre Mannheim die Stadt der Fragen ohne Antworten und das Blut fließt, sicherlich Theaterblut, aber es fließt hinaus, bis alles seltsam blutleer wird. Ob da das Virus schuld ist? Und ich frage mich, ob die Autoren und Autorinnen wegen ihrer prekären Lage schon an zu vielen Orten gewesen sind, um einen hiesigen Ton zu treffen und nein, die Neckarschiffe fahren nicht aufs Meer und ein Caféhaus Fräulein Schiller zu nennen, finde ich nicht interessant, sondern einfach blöd, aber das ein oder andere und der Heldinnen-Track hat mir dann doch ganz gut gefallen, gegen Ende.
 

 
Aber vielleicht geht es weiter. Vielleicht ist dieses Umgraben die notwendige, mühsame Vorbereitung, damit etwas Neues hineinkommen kann, was später frisch herauskommt, später. Dann will ich dem Theater auf jeden Fall jetzt dankeschön sagen. Dankeschön. Bis später. Zieht´s euch mal rein, Leute.

Umgraben
Ein Audiowalk durch Mannheim
Kostenlos auf Soundcloud
Nationaltheater Mannheim

(400) 08.2020

Käfertaler Wald

31 Mrz

Käfertal. Schön langsam gesprochen, Käfertal, klingt schon fast nach fantastischer Poesie.

Kefferthal, wie der Stadtteil früher auch mal hieß, entspricht eher der Mannheimer Mundart und weist Richtung ursprünglicher Bedeutung: Tal der Kiefern.

Im Himmel zeigt der Baum uns sein Gesicht. Im Wind sein schwankendes Gewicht…

Zur Zeit der Kurfürsten für die Jagd genutzt, damals eher Eichen- und Buchenmischwald. Manche der kerzengeraden Wege sind barocken Ursprungs, sogenannte Rundwege eckig.

Lange schon ein Wald der Forstwirtschaft, angelegt für schnell wachsenden Ertrag, gleicht er zuweilen einer Plantage.

Seit 2007 jedoch auch ausgewiesener Erholungswald. Obwohl meistbesuchter stadtnaher Wald Baden-Württembergs viel Platz, nur am Hotspot Karlstern überlaufen. Unsichtbar die Landesgrenze nach Hessen.

Wichtiger Grundwasserspeicher. Trockenheit, Pilze, Borkenkäfer gefährden die Bäume. Die obere Waldbodenschicht, 5 Meter Sand, lässt Wasser schnell versickern. Aufforstung und Suche nach geeigneten Baumarten, welche mit mageren Bedingungen zurechtkommen.

Käfertaler Wald

(386) 03.2020

Novemberspaziergang am Neckardamm

14 Nov

Flußlandschaften, und solche finden wir in Mannheim, zeigen gerade auch an nebligen Novembertagen ihre Reize, wenngleich auf unserem Spaziergang kein Sumpfgelände, sondern der hochgelegene Neckardamm die Perspektive bestimmt.

Unser Spaziergang führt von der Friedrich-Ebert-Brücke Richtung Schleuse Feudenheim. Zu manchen Zeiten lässt sich hier noch ferner Trommellärm und eine an- und abschwellende Erregung aus dem Fussballstadion vernehmen.

Aber eigentlich ist die Simmung eher ruhig und versunken, zieht dir vielleicht ein grünes Loden an und stellt dir einen treuen Jagdhund an die Seite.
Blick nach Osten: Der Odenwald ist verschwunden.

Beim Überqueren der Riedbahnbrücke-Ost schaut ein grüner Geist herauf.

An der Schleuse finden derzeit erhebliche Baumaßnahmen zur Vergrößerung der Kammer statt. Von Hektik aber keine Spur.

Kormorane…

… und seltsame Spiegelungen am Neckarkanal.

Den Anbau verhüllt ein Gerüstnetz, das Collini-Center verhüllen Wolken.

Novemberspaziergang am Neckardamm

(370) 11.2019

Mannheimer Hütte, Eichelbergturm

17 Okt

Ich würde jetzt nicht unbedingt behaupten, der Eichelberg sei der Hausberg von Mannheim, aber immerhin erreichen wir seinen Fuß an der Ursenbacher Höhe in weniger als 30 Autominuten und wir finden an seiner Spitze auf 524,9 m ü. NN einen Turm, gebaut aus dem umliegenden Granitgestein, den man schon seit 1911 Mannheimer Hütte nennt, denn der Odenwaldklub Mannheim erwarb damals das offiziell zu Weinheim Oberflockenbach gehörende Gelände zum Zweck des Baus und der Bewirtschaftung einer Wanderhütte. Die ebenso fantastisch schöne wie sagenumwobene Landschaft des Odenwalds, heute zum Teil UNESCO Geo-Naturpark, ist an Sonntagen neben der linksrheinischen Haardt und dem Pfälzerwald das rituell wiederkehrende Ausflugsziel für die in der Mitte wohnenden Städter und seit Jahrhunderten fest mit unserem kurpfälzischen Selbstverständnis verbunden. Wir entscheiden uns für den Rundweg Nummer 6.

Am Turm ist eine in Stein gemeißelte Gedenktafel angebracht, die uns mahnt, nicht die Helden zu vergessen, die in den beiden Weltkriegen für unser Vaterland starben. Heute erkennen wir leicht den vergangenen Mainstream und die Sprache der zur damaligen Zeit herrschenden „political correctness“, die trotz allen Leids die deutschen Angriffskriege als einen Akt der Selbstverteidigung heroisierte, wie es ja übrigens auch gerade in der Türkei geschieht. Und so gilt es nun insbesondere auch all jenen Menschen zu gedenken, die sich damals widersetzten oder die zum Kriegsdienst einfach nur gezwungen wurden und darin umkamen.

Die wahren Heldinnen und Helden befinden sich heute am improvisierten Ausschank des Turms, wo sie ehrenamtlich den durstigen Wanderern grosse Apfelsaftschorlen für sensationelle zwei Euro und obendrein zur Stärkung Wurst, Suppe und selbstgebackenen Kuchen anbieten. Diese Form treuer Diensterfüllung lassen wir uns gerne und dankbar gefallen. Die Zeiten der Bewirtschaftung sind auf der unten verlinkten Webseite aufgeführt.

Mannheimer Hütte, Eichelbergturm
Weinheim/ Oberflockenbach

(366) 10.2019

Before Sunrise in Mannheim

1 Aug

Der Film Before Sunrise von Richard Linklater aus dem Jahr 1995 ist sicherlich einer der romantischsten Filme überhaupt und ich liebe ihn, aber er spielt in Wien! Während des Films lassen sich die beiden auf der Durchreise befindlichen Hauptdarsteller stundenlang durch Wien treiben, sitzen im Cafe, stöbern in einem Plattenladen, übernachten im Park und derweil sie die ganze Zeit miteinander quatschen, verlieben sie sich. Selbstverständlich bedarf es keines Beweises, dass Mannheim ein ebenso guter Schauplatz für eine grandiose Liebesromanze ist, aber es reizt eben doch, gleich wie in Wien jenen Mannheimer Orten nachzuspüren, die verliebte Paare aufsuchen, als wäre es das natürlichste der Welt.

Bei den Wasserspielen unter den grün berankten Pergolen am Friedrichsplatz.

Am Werderplatz vor und auf den Treppen der Christus-Kirche

Wie im Film: Schallplatten und T-shirts stöbern im Comeback.

Über den Marktplatz in die Filsbach.

Am Neckarufer bei der Kulturtreppe.

Auf der Kurpfalzbrücke, Blick zum Neckar

Nach einem Imbiss im Mémoires d´Indochine

Im Jungbusch hinter der Popakademie am Verbindungskanal.

Auf dem grünen Rasen im Schillerpark.

Im Universitätsgelände über die Pflastersteine des historisch gestalteten Ehrenhofs des Barockschlosses.

Zum Schluss der Klassiker: Abschied am Bahnhof.

…to be continued

Before Sunrise in Mannheim

(319) 08.2018

Radtour in den Käfertaler Wald

21 Mai

update 11.2017: Waldgaststätte Schützenhaus wieder geöffnet!

Diese Radtour bietet sich an sonnigen Wochenenden an und führt auf gewohnt ebener Strecke ungefähr 30 km vorwiegend durch ein grünes Mannheim hinein in den Schatten spendenden Käfertaler Wald.

Vom Wasserturm aus nehmen wir die soeben zur Fahrradstraße umgestaltete Berliner Straße in Richtung Friedrich-Ebert-Brücke und dann, bevor wir den Neckar überqueren, rechts runter den Neckar entlang, vorbei am Fernmeldeturm bis zur Bahnbrücke, wo wir den Neckar überqueren. Die Schleuse Feudenheim lassen wir rechts liegen und nehmen den Weg weiter geradeaus Richtung Käfertal, durchqueren vorbei an Kleingärten die Au bis zu einer Schranke, um dann den Feldweg nach rechts Richtung Feudenheim zu radeln. Jetzt gehts steil den Aubuckel hoch, an der Ampel rüber zum Wingertsbuckel gradaus weiter immer schön auf dem Radweg. Wir behalten die Richtung bei, überqueren eine Straßenbahnlinie und schauen, dass wir, links Pferde – rechts Fußball, zum Vogelstangsee kommen. Hier können wir schon ein Päuschen machen und die Ruhe genießen. Wir sollten uns bei der Weiterfahrt oben halten, ich bevorzuge die rechte Strecke am Feld, den See entlang. Ob rechts oder links, der Rundweg läuft in einem Fahrradweg zusammen, den wir nehmen. Jetzt müssten wir an der Magdeburger Straße sein und von dort aus gut beschildert Richtung Karlstern. So, wenn wir dann durch Unterführung und über Brücke sind, sehen wir schon den Wald. Noch mal kurz Richtung Viernheim, dann aber gleich rechts hinein. Ah endlich…

Jetzt geht es eigentlich immer geradeaus. Lange Allee heißt treffend unser Weg, nicht perfekt asphaltiert aber immerhin befestigt. Wir erreichen das Wasserwerk Käfertal, das seit knapp 130 Jahren Mannheim mit Trinkwasser versorgt und wo wir eine malerische denkmalgeschützte Reihenhaussiedlung erblicken.

Nach nicht allzu langer Fahrt, links die Bisons im Gehege, der Rad- und Fußverkehr wird etwas dichter, sind wir am Karlsternpavillon angelangt, dem zentralen Punkt des Käfertaler Waldes, der ja immerhin Mannheims größtes Waldgebiet ist und zudem das meistbesuchteste in ganz Süddeutschland. Ganz unproblematisch ist es hier für die Bäume nicht. Den überwiegend vorkommenden Kiefern machen zunehmende Trockenheit und Käferschädlinge zu schaffen und ist von seinem Zustand her natürlich nicht mit Bergwäldern zu vergleichen. Dennoch und jedenfalls ist rund um den Karlstern einiges geboten, Spielplatz, Boule, Minigolf und Wildgehege und schließlich auch ein Biergarten, in den wir jetzt oder lieber später einkehren.

Das sternförmige Wegenetz bietet nun verschiedene Gelegenheiten, nach Lorsch, Weinheim, Lampertheim, wir behalten unsere Richtung bei, fahren auf der Ahorn Allee um später nach rechts den Alten Frankfurter Weg einzuschlagen. Eine meiner Lieblingsstellen ist die eigentlich untypische, lichte Birkenallee. Auf der Wiese erkennen wir deutlich Wühlspuren von Borstentieren, die sich offensichtlich hier auch außerhalb des Geheges befinden. Die im Stillen gehegte Hoffnung auf eine kühle Erfrischung im Schützenhaus erhielt einen Dämpfer, die Waldgaststätte war ohne weitere Hinweise geschlossen.

Eine Weiterfahrt nach Lampertheim ersparen wir nun unseren Hintern, sofortige Umkehr zurück und Einkehr in den Biergarten La Locanda am Karlstern. Bei Pizza oder Cappuccino und durchgehend warmer Küche lässt es sich hier gut draußen sitzen. Der Service war aufmerksam, Hunde und Fahrradfahrer sind willkommen.

Bevor wir nun die direkte Rückfahrt antreten, machen wir noch einen kleinen Schlenker am Vogelpark vorbei zum Karlsternweiher. Der idyllische Baggersee entstand 1963 beim Kiesabbau fürs das Autobahnkreuz Viernheim. Es gibt nur einen Zugang zu einer Aussichtsplattform, ansonsten ist er zum Schutz der dort ansässigen Lebewesen vollständig umzäunt. Der Blick lohnt sich, finde ich.

Wenn wir nun nicht den aller gleichen Weg zurückfahren, sondern unsere Tour als Rundfahrt gestalten wollen, müssen wir etwas mehr Stadtverkehr in Kauf nehmen, wenngleich wir aber weiterhin auf Fahrradwegen vorankommen. Wir wählen die Variante über Käfertal, biegen hierzu am Wasserwerk rechts in die Wasserwerkstraße ein. Beim Teufelsberg haben wir dann den Wald verlassen und durchqueren die Baugebiete Offizierssiedlung und Franklin, stoßen auf die Waldstraße, der wir rechts abbiegend hinter einer Lärmschutzmauer bis zur Kreuzung Auf dem Sand folgen. Vom hier ab dürfte der Rückweg klar sein. Links und dann geradeaus bis zum BBC-Buckel, über diesen drüber, die Friedrich-Ebert Straße und vorbei an Turley.

Nun sind etliche Ampelstopps programmiert bis wir gleichsam auf der Zielgeraden unsere Friedrich-Ebert-Brücke erreichen. Auf der Brücke gönnen wir uns noch einen Blick auf den Neckar, die Neckarwiesen und schauen kurz noch auf die mehr oder weniger gelungenen Korbwürfe der Basketballspieler.

Und schließlich: Glücklich zurück.

Radtour in den Käfertaler Wald

(273) 05.2017

Tulpen, Luisenpark

16 Apr

Es gibt sicherlich vieles zu kritisieren am Luisenpark, von den hohen Eintrittspreisen bis zu den immer breiter werdenden gepflasterten Wegen, die an immer größeren Süßigkeitenverkaufsständen vorbeiführen. Auch müssen wir akzeptieren, dass insbesondere ältere Menschen in ihren ebenso unvermeidlichen wie undefinierbaren beigefarbenenen Outdoor-Funktionsjacken sich unter allen Besuchern durch ihr größtes Interesse an der Blumenpracht hervor tun. Vollkommen untadelig jedoch stehen dem gegenüber die Tulpen da. Wie allgemein bekannt ist, ziehen sich schon seit altersher Narcissus und die Tulipan ja auch viel schöner an. Grad eben und besonders im Frühling ein Hingucker.

Tulpen, Luisenpark
Theodor-Heuss-Anlage 2,
68165 Mannheim

(267) 04.2017

Bellenkrappen

9 Apr

Der Blick auf den Bellenkrappen gehört zum Idyllischsten, was Mannheim zu bieten hat. Nichts auf diesem Bild verrät uns , dass an diesem Sonntag bei schönstem Wetter ganz Mannheim draußen auf den Beinen war. Seit Jahrzehnten unverändert, fasziniert der halb geschlossene Altrheinarm zwischen Waldpark und Reißinsel durch seine ruhige und zugleich wilde Ausstrahlung. Neben dem breit asphaltierten Fahrradweg durch den Waldpark führt ein kleiner wunderbar weicher Waldpfad am Bellenkrappen entlang.

Bellenkrappen
Altrheinarm zwischen Waldpark und Reißinsel

(266) 04.2017

Blühender Borretsch

24 Jul

20160724_124343

Ein ganzes Feld mit wild blühendem Borretsch am Ortsrand von Feudenheim. Zahlreichen Bienen und Hummeln freuen sich über das Gurkenkraut. Geschmacklich passt es prima zu Gurkensalat und ist auch eines der sieben Kräuter für die berühmte Fronkforter Grie Soß. Abgesehen davon, dass für die Original-Soße nur Kräuter aus der nächsten Frankfurter Umgebung verwendet werden dürfen, gibt es nun aber einen echten Wermutstropfen, da vor ein paar Jahren herausgefunden wurde, dass Borretsch krebserregende Pflanzenstoffe enthält. Das Institut für Risikobewertung rät vom Verzehr ab.
Bleibt uns leider erstmal nur der ungetrübte optische Genuß. Ma lernt net aus.

Blühender Borretsch
Theodor Storm Straße
Feudenheim
68259 Mannheim

(238) 07.2016

Neckar 02.06.2016

2 Jun

20160602_204658

Was hier wie ein Satellitenbild aussieht, ist der direkte Blick nach unten von der Friedrich-Ebert-Brücke auf die Neckarwiese und auf den Neckar, der nach heftigen Regenfällen und Hochwasser in Heidelberg viel Schlamm mit sich führt und dessen wilde Strudel fantastische Linien formen. Glücklicherweise hielten sich die Unwetter bei uns in Grenzen und verursachten nicht solche verheerende Schäden wie an manchen anderen Orten.

20160602_204811

Neckar 02.06.2016
Friedrich-Ebert Brücke

(233) 06.2016

Eisstadion am Friedrichspark

15 Feb

Orte der Sehnsucht, wie das Eisstadion am Friedrichspark, vereinen meist bestimmte Eigenschaften in sich. Sie sind Schauplatz zahlreicher schöner Geschichten und, um die schmerzliche Komponente zu erfüllen, sind sie entrückt und nur aus der Entfernung zu erfassen, in unserem Fall freilich eine zeitliche. Es ist offensichtlich, dass die in unserem Inneren verzauberten Bilder im krassen Gegensatz zur vorgefunden äußeren Wirklichkeit stehen.

Eisstadion2

Erstaunlicherweise ist das Wort Nostalgia die medizinische Bezeichnung für jene Krankheit, die als Heimweh bekannt ist. Eine Abwehrreaktion auf unangenehmes Dasein und Fremdgefühl bis hin zur Flucht, ja Weltflucht sogar, womit wir beim Eskapismus angelangt sind und bei eben jenem berühmten „Brot und Spiele“, zu dessem Zwecke das Eisstadion ursprünglich ja erbaut und genutzt wurde, bis 2005 die SAP Arena diese Aufgaben übernahm. Ausgenommen von solcherlei Betrachtungen ist freilich das Treiben des Inliner Sport Club Mannheim, der das umgebaute Stadion nun ganz gegenwärtig als Spiel- und Übungsstätte nutzt.

Eisstadion1

Zurück zur Sehnsucht, die uns ja immer irgendwie zurückführen will, womöglich bis hinein in die Unendlichkeit, doch, bleiben wir am Ball, besser am Puck, hier nahe am Schloß und dem Rhein und der geheimnisvollen alten Sternwarte. Aufstieg und Meisterschaft wurden gefeiert, es wurde gezittert, gesiegt, gekämpft und verloren, vor allem aber gebrüllt und gejubelt was die Kehle her gab. Unglaubliche 11.000 Leute fanden hier mal Platz, oder eben auch nicht, vom Spiel richtig viel sehen konnten nur die Großen oder man brachte sich eine Leiter oder einen Getränkekasten zum drauf stellen mit, sofern zur obligatorischen blau-weis-roten MERC-Fahne noch eine Hand frei war. Apropos: Damals waren die Winter noch kalt und das Stadion, wie auch heute noch, von drei Seiten offen und somit den forsch durchziehenden Winden ausgesetzt. Ein berechtigter Anlass, sich in den Drittelpausen mit Glühwein aufzuwärmen.

Eisstadion3

An manchen Sommerabenden jedoch ergab sich ein anderes Bild: da dienten die Wiesen am Stadion einem bunten Volk nicht zahlungskräftiger Zaungäste als willkommene und stilvolle Lagerstätte, um Rock-Konzerte zu verfolgen, die im Stadion stattfanden. Ein schwerer Liebeskummer und in dessen Folge ein Wermutrausch auf eben jener Wiese waren so eindrücklich, dass ich mich heute noch an das Konzert von Cat Stevens erinnere, der hier seine Foreigner-Suite zum Besten gab. …Oh love, sweet blue love, no man can ever get enough…und dann gab es da auch noch die Rolling Stones, Bob Dylan und Led Zeppelin

Eisstadion am Friedrichspark
Bismarckstraße 6
68159 Mannheim

(222) 02.2016

Neckarspitze

29 Dez

Neckarspitze

Am Nullpunkt. Auf der Friesenheimer Insel markiert ein Schild mit einer großen 0 die Mündung des Neckars in den Rhein. Ab hier wird das Neckarufer zum Rheinufer. Gegenüber blicken wir auf die Neckarspitze und auf das Ludwigshafener Rheinufer mit BASF Industriegelände. Wenig Idylle und das Rauschen der Anlagen übertönt den Fluss. Dennoch irgendwie ein Fluchtpunkt.

Neckarspitze2

371 Kilometer schlängelt sich der Neckar von Schwenningen, Tübingen, Stuttgart, Heilbronn schließlich durch den Odenwald über Mosbach, Eberbach und Heidelberg bis nach Mannheim. Seine Mündung lag jedoch nicht immer hier. Vor der Rheinbegradigung 1862  zum Beispiel mündete er schon etwa 2 Kilometer früher  auf der Höhe  der Inselstraße und  er floß auch lange Zeit deutlich südlicher, nämlich  bei Neckarau in den Rhein und wurde so zum Namensgeber dieses Ortes, der heute ein Mannheimer Stadtteil ist.  Vor 14.000 Jahren jedoch suchte sich der Neckar seinen Weg von Ladenburg aus über Viernheim nach  Lorsch, um in wilden Schlangenlinien vorbei an Bensheim schließlich bei Trebur hinter Darmstadt in den Rhein zu fließen. Dieser Weg verlandete aber und so gelang dem Neckar vor rund 9000 Jahren der Durchbruch zu uns nach Mannheim.

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Zurück zur Neckarspitze, die auf der anderen Uferseite im Handelshafen als das spitze Ende eines stumpfwinkligen Dreiecks in Erscheinung tritt. Diese Stelle erreichen wir über die Neckarvorlandstraße vom Jungbusch aus oder über die Werfthallenstraße vom Parkring. Am Ende der Straßen führt von einem LKW-Parkplatz  eine Privatstraße vorbei an hohen Bunkerkesseln  zum letzten Zipfel, der aus Gestein gebildet ist.  Von hier hat man eine sehr schöne Aussicht und kann die Vereinigung von Rhein und Neckar gebührend feiern.

neckarspitze3

Neckarspitze
Werfthallenstraße
Mannheim

(220) 12.2015

Mannheims beliebteste Radstrecke

2 Aug

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Zweifellos ist der Neckardamm auf der Südseite des Neckars die beliebteste Radstrecke Mannheims und zugleich auch Zielgerade der letzten Etappe des Neckartalradwegs. Doch auch Jogger, Skater und sogar Fußgänger nehmen den asphaltierten Weg von 250 cm Beite für sich in Anspruch. Egal ob nach Seckenheim, Heidelberg oder Ladenburg, Schrießheim und hinein in den Odenwald, von der Kurpfalzbrücke aus kommt man ganz ohne Kreuzung und Ampel gut voran. Alte und junge Kastanienbäume säumen den Weg, deren herabfallende Früchte allerdings im Herbst beim Überfahren gefährlich von den Reifen wegspringen. Früher kamen am Neckardamm auch noch vereinzelte Schafe dem Weg sehr nahe, wurden dann von den eifrigen Hunden des Schäfers meist zuverlässig wieder nach unten getrieben, jedoch weidet heute kein einziges Schaf mehr hier.

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Nach einer Abfahrt auf der Höhe des Flughafens verlassen wir den Damm und rollen in rasender Fahrt einem Campingplatz entgegen. Da es hier zu Gefährdungen durch spielende Kinder und seltsame Camper, die möglicherweise den Weg kreuzen, kommen kann, beschloß die Stadt vorsorglich, den Campingplatz ab der nächsten Saison für immer zu schließen. Der durchaus nachvollziehbare Protest der Camper verhallte gleichsam im Fahrtwind.

Neckardamm 2

Hinter dem Campingplatz, der Schotterweg gehört glücklicherweise der Vergangenheit an, geht es unter der Autobahnbrücke A6 abermals eine Abfahrt hinab, wo wir bis zu einer Kurve erneut Fahrt aufnehmen um schließlich unter der beeindruckenden Stromtrasse hindurch nach Seckenheim steuern, was wir aber eigentlich ja schon die ganz Zeit tun.

Stromtrasse

Dem kleinen Maisfeld rechterhand schenke ich nur insoweit Beachtung, alsdass es für mich immer das verschwundene Tabakfeld bleibt, das einen so herrlich eigentümlichen Geruch ausströmte. Doch schon nähern wir uns Spiel- und Bolzplatz und damit bald auch einer engen Wegpassage, die an Alt-Seckenheimer Mauern vorbeiführt. Als wäre der Weg nicht schon schmal genug, wuchert auch noch Dornen behaftetes Gestrüpp und droht uns, die Haut, oder schlimmer noch unsere Kleider zu zerfetzen.

Neckardamm3

Nachdem wir trotz Überholmanöver und heftigen Gegenverkehr ohne Sturz den Engpass durchfahren haben, überrascht uns zum Abschluß dieser Etappe noch ein unerwartet steiler Anstieg, der so manchen Tourenfahrer zum Absteigen zwingt. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen, doch der Anstand gebietet es, ohne Häme oben zu warten. Denn schließlich weitet sich nun ganz versöhnlich der Weg. Auch Landschaft und Aussicht öffnen sich zum herrlichen Panorama. Bequem geht es jetzt über die unsichtbare Stadtgrenze zu den Neckarplatten, an denen die Reifen hoffentlich noch voller Luft sind.

Neckardamm5

Mannheims beliebteste Radstrecke
Neckartalweg zwischen Kurpfalzbrücke und Neckarplatten

(211) 08.2015

Rheinfähre Altrip-Mannheim

12 Jul

faehre

Bauwerft: Neue Germersheimer Schiffswerft,
Baujahr: 1991
Bau-Nr: 853

Länge über alles: 39m / 46m
Länge Rumpf: 27m / 34 m
Länge Klappen: 6m

Breite: 10,57m
Tiefgang: 0,80m
Freibord: 0,65m

Decksladefläche: 189m²
Tragfähigkeit: 45 Tonnen
Transportleistung: 18 / 21 PKW

Antriebsleistung Maschinen: 256KW / ca. 286kw
Antrieb: 2x VPS Voith Schneider Propeller
Geschwindigkeit: ca. 11km/h

Umbaukosten: ca. 1. Million Euro
Umbauzeit: 01.11.2011 – 12.03.2012

Quellen: Binnenschifferforum 

… ganz klar, die Autofähre nach Altrip ist meine Lieblingstrumpfkarte im Mannheimer Verkehrsmittelquartett. Aber nicht nur wegen der Zahlen, im Grunde mag ich sie schon von Kindheit an, da ich ausschließlich Freizeit und Fahrradausflüge mit ihr verbinde. Auf dem offenen Deck weht der Fahrtwind wie Urlaub. Auf der anderen Seite des Rheins geht es wunderschön  den  Hauptdeichweg  weiter, an Wäldern und Baggerseen entlang nach Speyer oder zur Kollerinsel oder, oder… Übrigens auch eine sehr  schöne Strecke für Skater, die allerdings auf Strümpfen übersetzen müssen.

Der Fährverkehr zwischen Neckarau und Altrip hat eine schon  weit über tausend Jahre alte Tradition, wie der Heimatverein Altrip darlegt. Seit über 750 Jahre sind die Fährrechte tatsächlich  nachgewiesen.
Heute wird die Fähre von einer Gesellschaft mit 50% Beteiligung von Mannheim, 20% Altrip und 30% dem Rhein-Pfalz-Kreis betrieben und unter der Woche hauptsächlich von Berufspendlern genutzt, gelegentliche Staus nicht ausgeschlossen.

von Altrip aus

Auf dem Rückweg bietet sich uns abermals ein Perspektivwechsel: vom kleinen idylischen Altrip aus wirkt die Mannheimer Ansicht seltsam bizarr.

Rheinfähre Altrip-Mannheim
68199 Rheinfähre
ganzjähriger Betrieb

(209) 07.2015

Winterlichter – Luisenpark

24 Jan

update 12.02.2017 – auch 2017 gibt es eine Neuauflage der Winterlichter von Sa. 21.1.2017 – So. 26.2.2016

Ich habe keine Ahnung, wieviel Geld diese verbotenen psychotropen Substanzen aktuell auf dem Schwarzmark kosten, der legale Eintritt für die Winterlichter im Luisenpark kostet jedenfalls 4 Euro für Jahreskartenbesitzer. Ein vergleichsweise harmloses und eher dezentens, aber durchaus reizvolles Vergnügen. Passend zur Saison findet man sogar noch einen Glühweinstand.

Lichterpark

Ein Vergnügen gerade auch dann, wenn man es erst einmal geschafft hat, sein fotografisches Aufnahmegerät zu verstauen, welches man bei jeder Lichterscheinung reflexartig zücken will. Erst dann wird man sich der bezaubernden Stimmung hingeben können, welche die Installationen bereiten.

lichterpark3

Jedenfalls, der Park einmal anders. Leuchtende Riesenpilze, ein geisterhafter Tempel, Discokugeln im Bambus, schwebende Leuchtwürfel, geheimnisvolle Klänge. Am See eine Nebelmaschine…oh, der Nebel ist echt…!

Lichterpark2

Kurzum, zum 40 jährigen Gartenschaujubiläum eine Veranstaltung, die sich durchaus zu einen romantischen Abend entwickeln kann, bei dem mit etwas Glück auch noch Mond und Sterne Pate stehen. Wem dies noch zu wenig Licht ist, kann ja zur Abwechslung wieder in sein Smartphone gucken.

Lichterpark4

WINTERLICHTER IM LUISENPARK
ÖFFNUNGSZEITEN
Täglich, So. – Do. 18 – 21 Uhr, Fr. & Sa. 18 – 22 Uhr
Kassenschluss jeweils eine Stunde vorher
EINTRITT
Erw. 6,- €, Begünstigte/Jahreskarteninhaber 4,- €, Kinder 3,-€
EINGÄNGE
Haupteingang Theodor-Heuss-Anlage 2, Eingang Fernmeldeturm
Sa., 23.1.2016 – So., 21.2.2016

(193) 01.2015

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