Archiv | Straßen, Plätze und Quadrate RSS feed for this section

Vom Wasserturm

3 Nov

329 Artikel über Mannheim und nun erst vom Wasserturm, Mannheims Blickfang und Wahrzeichen Nummer 1? So langsam mache ich mich verdächtig und das völlig zu recht. Zeitlebens Mannheimer, den Turm täglich vor Augen, erfasst mich doch immer wieder ein Befremden bei seinem Anblick. Gleichwohl will ich voranstellen, den Wasserturm zu lieben, wie es mir von Kindesbeinen an beigebracht wurde und auch wir haben unseren Kindern gelehrt ihn zu lieben. Es ist wahrscheinlich vielen Mannheimern so, dass sie ihn lieben und wie ich, ihn lieben müssen, obwohl für sich genommen der Mannheimer Wasserturm ganz und gar unerträglich erscheint. Man wird ihn also auch lieben, um seiner Unerträglichkeit zu entkommen.

Nicht seine ehemalig wohltuende Funktion zur städtischen Wasserversorgung ist hier Anlass der Ausführungen, sondern die Fassade, die Hülle, die dieses technische Bauwerk umgibt. Als sich die Stadt Mannheim für den Entwurf des gerade mal 23 jährigen Stuttgarter Architekten Gustav Halmhuber entschied, befasste man sich in Paris mit der kühnen Konstruktion des Eiffelturms. Das Einreichungs-Motto für unseren Turm „ars longa, vita brevis“ („Die Kunst ist lang, das Leben kurz.“) hauchte noch den Atem des studentischen „Gaudeamus igitur“ (lateinisch: Lasst uns also fröhlich sein!), doch nicht jugendlicher Aufbruch in die Avantgarde, sondern Bewunderung für Kaiser und imperiales Machtstreben schien unseren Architekten zu faszinieren und so entwarf er monumental im altrömischen Stil, mit behelmten Sphinxen links und rechts, die den Gedanken an erfolgreiche Eroberungen ferner Länder und Kulturen verkörperten. Schließlich hatte sich zu jener Zeit in Deutschland und auch in Mannheim der Ruf nach einem „Platz an der Sonne“ durchgesetzt, wie die Kolonialpolitik damals euphemistisch beworben wurde. Es war auch diese Überheblichkeit, gepaart mit der Verherrlichung des Militarismus, die geradewegs in den ersten Weltkrieg führte. Herausgekommen ist aber zunächst ein plumpes Bauwerk, das schon damals als runde Grabkapelle kritisiert wurde, in gelben(!) Sandstein. Die Planer der noch zu gestaltenden Friedrichplatz-Anlage waren gewarnt und versuchten zu retten, was kaum zu retten war, verwendeten kontrastreich roten Buntsandstein und versuchten das mißglückte Bauwerk so gut wie möglich einzubinden und aufzuwerten.

Lange habe ich nachgedacht, was genau Ursache für seine Hässlichkeit ist. Es ist das Fehlen jeglicher Dynamik am formprägenden Mittelteil des Turms, keine Verjüngung nach oben, nicht die leiseste Krümmung in der Senkrechten, die etwas Spannung gebracht hätte, die pure Starrheit, die man heute bei Dunkelheit notdürftig durch Licht zu kaschieren versucht, völlig vergeblich dies aber bei Tageslicht, wo er umso beharrlicher seine einfältige Dumpfheit zu verströmen scheint und auch die stumpf kegelförmige Kupferhaube vermag daran nichts zu ändern.
Der Architekt, der inzwischen in Berlin am Reichstag und später an Siegerallee und Kaiser Wilhelm Denkmal mitarbeitete, mag seinen Fehler geahnt haben. Es ist nicht bekannt, dass er zur Einweihung anwesend war. Was tun also, um heute Pein und Fremdscham zu begegnen? Abreißen ist keine Option, wir können ja nicht so tun, als hätte es in der Vergangenheit nie Fehler gegeben und schließlich steht der Turm unter Denkmalschutz, was wir dann auch getrost als Aufforderung wörtlich nehmen sollten: Denk mal! Dies weist uns nun den Weg aus misslicher Lage und nur so können wir frei seine Gestalt hinnehmen als das, was sie wohl ist, die Geschmacklosigkeit eines politisch-historischen Irrwegs und nur so gehe ich nun seine Stufen zum Balkon hinauf und geniesse die bescheidene Weitsicht, die er mir bietet.

Vom Wasserturm
Friedrichsplatz
68161 Mannheim

(330) 11.2018

Alter Messplatz

20 Sep

In diesem endlos erscheinenden Sommer lässt der Alte Messplatz mit seiner aufgekratzten wie entspannten Stimmung den Paradeplatz der Innenstadt absolut langweilig aussehen und offenbart sich im goldenen Licht milder Sommerabende als urbanes Herz Mannheims. Es ist nicht nur der Flair der fünfstöckigen Randbebauung von 1900; umgeben von Kultur, Alte Feuerwache, Einraumhaus, dem Projekt ALTER , Cafe Adria, Capitol, Theater Oliv etc. ist Einkaufen hier kein Thema, ausgenommen beim Lidl nebenan. Aus einer Reihe dünn aufsteigender Fontänen fällt Wasser auf warmen schwarzen Basalt, junge Breakdancer versuchen sich an neuen moves und neuen jumps, mit ihnen und den verstreut umstehenden Zuschauern wird das Bild einer urbanen Idylle perfekt. Es gibt keinen Grund hier ein Denkmal aufzustellen, nur das Lebendige zählt. Die Video- Überwachung-Kameras sehen das auch so.

Alter Messplatz
Neckarstsadt

(325) 09.2018

Siedlung Reiherplatz

14 Sep

Es ist kaum möglich, eine malerische Ansicht des historischen Reiherplatzes herzustellen, die Fahrzeuge der Bewohner drängen sich immer in den Vordergrund. Vielleicht sollte ich meine Vorstellung von pittoresk einfach den Realitäten anpassen. Das bemerkenswerte Gebäudeensemble steht jedenfalls unter Denkmalschutz und ist die erste städtebauliche Maßnahme nach dem Ersten Weltkrieg, welche die Stadt Mannheim im 1897 eingemeindeten Käfertal unternahm, um der Wohnungsnot besonders unter der Arbeiterschaft zu begegnen. Die Eigenheime wurden für sogenannte sesshafte Qualitätsarbeiter erstellt, die angrenzenden gelb gestrichenen Mietshäuser vor den Toren sind in kleine 2-Zimmerwohnungen unterteilt, für freizügige Lohnarbeiter, Prekariat würde man heute sagen und diese Struktur hat sich wohl bis in unsere Tage erhalten, die Unterschiede sind jedenfalls augenfällig. Ich möchte hier niemanden ungefragt zur Schau stellen und mir ist bewusst, dass Neugier Mißtrauen erwecken kann und so mach ich mich jetzt wieder vom Acker.

Siedlung Reiherplatz
Reiherplatz Käfertal
68309 Mannheim

(323) 09.2018

Radfahrerbrücke Ulmenweg Boveristraße

10 Sep

Ich bin hier nicht am Set für einen Rosamunde Pilcher Film, nicht an einer Steiküste von Cornwall, sondern in Monnem, genauer an der Kreuzung Ulmenweg Herzogenriedstraße. Und trotzdem stockte mir kurz der Atem beim Anblick dieser monumentalen Auffahrt zu einer simplen Radfahrer- und Fußgängerbrücke. Bei aller Größe ist sie doch auch sehr reduziert gestaltet. Neutrale Grautöne sorgen in diesem Bild für eine Einheitlichkeit. Auch der Himmel spielt mit. Den Bewohnern des nebenan liegenden neuen Quartiers Centro Verde (Grüne Mitte) wurde hiermit ein kühler urbaner Schauer gegönnt. Die Architektur übersteigert und vermittelt das Vorhandensein einer diffusen übergeordneten Macht. Auf der anderen Seite ist die Auf-(Ab)fahrt deutlich kürzer, allerdings nicht stufenfrei. Sei’s drum. Ich nehm das Ding jetzt und fahre rüber nach Käfertal.

Radfahrerbrücke Ulmenweg Boveristraße
(322) 09.2018

Paradeplatz

31 Aug

Während ich gedankenverloren und mit gesenktem Kopf auf einem niedrigen Bundsandsteinmäuerchen hocke, am Paradeplatz vor dem Brunnen mit der Grupello-Pyramide, zwischen Junkies, Flaschensammlern, Feierabendtrinkern, Kindern, Eltern, einsamen Seelen, Stadtbummlern und dem kommunalen Ordnungsdienst, umgeben vom städtischen Grundrauschen, in das sich Autohupen, Brunnengeplätscher, Rufe und das Quietschen der Strassenbahnen einmischen, fällt mein Blick auf diese kunstvoll ausgeführte Pflasterarbeit, die sich zwischen den Pflanzenrabatten über den gesamten Platz erstreckt und durch ihr zueinanderstrebendes, geschwungenes Muster dem Auge eine fast fließende Beschaffenheit vorspielt und ich denke, wow, da hat sich aber jemand Mühe gegeben.

Paradeplatz
O1, 68161 Mannheim

(320) 08.2018

Das erste Auto und der letzte Crash

3 Mrz

Mal wieder jemand mit dem Auto zu schnell um die Kurve am Friedrichplatz Richtung Augusta-Anlage. Im Hintergrund steht das erste Auto der Welt, der von Carl Benz in Mannheim gebaute Patent Motorwagen Nr.1 als schöne Bronzenachbildung auf einem sicheren Sockel.

Augusta-Anlage, Friedrichsplatz

(304) 03.2018

Friedrich-Karl-Straße

14 Jun

Schräg stehende Platanen bilden eine grünes Dach über der Fahrbahn der Friedrich-Karl-Straße.

Friedrich-Karl-Straße
68165 Mannheim, Schwetzingerstadt

(275) 06.2017

STARTUP MANNHEIM

die Stadt auf meiner Seite

MAWAYOFLIFE

Just another WordPress.com site

Kunstblog-Mannheim.de

Ausstellungen in Mannheim und Umgebung

Düsiblog - Matthias Düsi

die Stadt auf meiner Seite

Urban Hacking

die Stadt auf meiner Seite

KulturQuer QuerKultur Rhein-Neckar e.V.

die Stadt auf meiner Seite

Marchivum

die Stadt auf meiner Seite

FotoBlog:Mannheim

Daheim ist der Himmel blauer...

Monnemerin

die Stadt auf meiner Seite

Mannheimat

die Stadt auf meiner Seite

POLITKALENDER | MANNHEIM

die Stadt auf meiner Seite

Neckarstadt-Blog

die Stadt auf meiner Seite

Neckarstadtblog

Neues aus unserem Quartier

Mannheim Blog

die Stadt auf meiner Seite

Popklub – Das IndiePopZine

die Stadt auf meiner Seite

Mannheim - tactually - Soul Shopping

die Stadt auf meiner Seite

Underpop

die Stadt auf meiner Seite

FuckYeahMannheim!

die Stadt auf meiner Seite