Tag Archives: Friedrichsplatz

Schaufenster 41

9 Dez

Antiquitätenhändler scheinen ganz gut mit Zeit umgehen zu können.

Schaufenster 41
Am Friedrichsplatz
68161 Mannheim

(333) 12.2018

Vom Wasserturm

3 Nov

329 Artikel über Mannheim und nun erst vom Wasserturm, Mannheims Blickfang und Wahrzeichen Nummer 1? So langsam mache ich mich verdächtig und das völlig zu recht. Zeitlebens Mannheimer, den Turm täglich vor Augen, erfasst mich doch immer wieder ein Befremden bei seinem Anblick. Gleichwohl will ich voranstellen, den Wasserturm zu lieben, wie es mir von Kindesbeinen an beigebracht wurde und auch wir haben unseren Kindern gelehrt ihn zu lieben. Es ist wahrscheinlich vielen Mannheimern so, dass sie ihn lieben und wie ich, ihn lieben müssen, obwohl für sich genommen der Mannheimer Wasserturm ganz und gar unerträglich erscheint. Man wird ihn also auch lieben, um seiner Unerträglichkeit zu entkommen.

Nicht seine ehemalig wohltuende Funktion zur städtischen Wasserversorgung ist hier Anlass der Ausführungen, sondern die Fassade, die Hülle, die dieses technische Bauwerk umgibt. Als sich die Stadt Mannheim für den Entwurf des gerade mal 23 jährigen Stuttgarter Architekten Gustav Halmhuber entschied, befasste man sich in Paris mit der kühnen Konstruktion des Eiffelturms. Das Einreichungs-Motto für unseren Turm „ars longa, vita brevis“ („Die Kunst ist lang, das Leben kurz.“) hauchte noch den Atem des studentischen „Gaudeamus igitur“ (lateinisch: Lasst uns also fröhlich sein!), doch nicht jugendlicher Aufbruch in die Avantgarde, sondern Bewunderung für Kaiser und imperiales Machtstreben schien unseren Architekten zu faszinieren und so entwarf er monumental im altrömischen Stil, mit behelmten Sphinxen links und rechts, die den Gedanken an erfolgreiche Eroberungen ferner Länder und Kulturen verkörperten. Schließlich hatte sich zu jener Zeit in Deutschland und auch in Mannheim der Ruf nach einem „Platz an der Sonne“ durchgesetzt, wie die Kolonialpolitik damals euphemistisch beworben wurde. Es war auch diese Überheblichkeit, gepaart mit der Verherrlichung des Militarismus, die geradewegs in den ersten Weltkrieg führte. Herausgekommen ist aber zunächst ein plumpes Bauwerk, das schon damals als runde Grabkapelle kritisiert wurde, in gelben(!) Sandstein. Die Planer der noch zu gestaltenden Friedrichplatz-Anlage waren gewarnt und versuchten zu retten, was kaum zu retten war, verwendeten kontrastreich roten Buntsandstein und versuchten das mißglückte Bauwerk so gut wie möglich einzubinden und aufzuwerten.

Lange habe ich nachgedacht, was genau Ursache für seine Hässlichkeit ist. Es ist das Fehlen jeglicher Dynamik am formprägenden Mittelteil des Turms, keine Verjüngung nach oben, nicht die leiseste Krümmung in der Senkrechten, die etwas Spannung gebracht hätte, die pure Starrheit, die man heute bei Dunkelheit notdürftig durch Licht zu kaschieren versucht, völlig vergeblich dies aber bei Tageslicht, wo er umso beharrlicher seine einfältige Dumpfheit zu verströmen scheint und auch die stumpf kegelförmige Kupferhaube vermag daran nichts zu ändern.
Der Architekt, der inzwischen in Berlin am Reichstag und später an Siegerallee und Kaiser Wilhelm Denkmal mitarbeitete, mag seinen Fehler geahnt haben. Es ist nicht bekannt, dass er zur Einweihung anwesend war. Was tun also, um heute Pein und Fremdscham zu begegnen? Abreißen ist keine Option, wir können ja nicht so tun, als hätte es in der Vergangenheit nie Fehler gegeben und schließlich steht der Turm unter Denkmalschutz, was wir dann auch getrost als Aufforderung wörtlich nehmen sollten: Denk mal! Dies weist uns nun den Weg aus misslicher Lage und nur so können wir frei seine Gestalt hinnehmen als das, was sie wohl ist, die Geschmacklosigkeit eines politisch-historischen Irrwegs und nur so gehe ich nun seine Stufen zum Balkon hinauf und geniesse die bescheidene Weitsicht, die er mir bietet.

Vom Wasserturm
Friedrichsplatz
68161 Mannheim

(330) 11.2018

Picknick am Wasserturm

15 Sep

Beim Durchstöbern meiner Picasa-Ordner stieß ich auf dieses epische, farbenfrohe Bild, das ich mit diesem Artikel nun doch noch nachschiebe. Es zeigt ein großes, fröhliches Picknick auf dem gepflegten grünen Gras beim Wasserturm, das schon Anfang August 2018 stattfand. Eine Veranstaltung mit einer Menge bunt verkleideter, meist junger Menschen. Gewiss, bei dieser Anime-, Manga-, Videospiel-Cosplay Convention ging es natürlich um Sehen und Gesehen werden, es ist ein Ereignis der aufregenden Darstellung, des Fotoshootings, der besonderen Selfies und genau dieser Punkt sollte mich eigentlich auch zu einer strengen inneren Weigerung führen, Bilder zu machen, doch am Ende konnte ich nicht ganz widerstehen. Ich habe es dann mit einer Strategie äußerster Scheuheit getan und vermute, dass ich diese im Alter sicher noch bereuen werde, aber, wenn es gut läuft, lache ich vielleicht auch darüber.
Es war, das fällt mir jetzt wieder ein, auch eine Veranstaltung aufopferungsvoller Eltern, ein Ort heftiger Pubertät und, leider gar nicht so lustig, ebenso eine Verkaufsveranstaltung gigantischer Mengen Plastik.

Picknick am Wasserturm
AnimagiC 2018 · 3.-5. August 2018
Rosengarten

(324) 09.2018

Akademiekonzert

13 Jun

Ich möchte dich jetzt gerne mitnehmen in ein Akademiekonzert, das immerhin eine Mannheimer Institution ist. Dich, der keine klassischen Konzerte und keine Komponisten kennt. Wir gehen in den Rosengarten gleich am Wasserturm, genauer gesagt in den großen Mozartsaal. Viel Holz wirst du dort an den Wänden und Decken sehen, das ist für den Klang und es gibt Konzertsäle, wie die Berliner Philharmonie, da ist der Klang noch viel besser, aber wenigstens haben wir in Mannheim einen Konzertsaal. Früher war hier der Nibelungensaal, der sagenhafte 6000 Leute aufnahm, aber er ging im Krieg kaputt. Der Neubau bietet immerhin 1628 Sitzplätze. Schau: das Konzert ist ausverkauft, Alte und Junge, Frauen und Männer, elegant oder sportlich modern Gekleidete sind da.

Jetzt kommt das Orchester auf die Bühne. Es sind traditionell die Musiker des Mannheimer Nationaltheaters. Sie bekommen gleich Beifall. Sie stimmen eine Weile ihre Instrumente und dann eilt der Dirigent, der hier ein Generalmusikdirektor ist, auf die Bühne und bekommt auch Beifall. Er stellt sich auf ein kleines Podest, alles verstummt und nun beginnt die Musik.

Du hörst Werke von verschiedenen Komponisten aus unterschiedlichen Zeiten, meist instrumental ohne Gesang. Für die Komponisten ist Musik eine andere Art von Sprache. Sie schreiben sie in Notenzeichen auf. Jedes noch so unterschiedliche Instrument im Orchester ist eine eigene Stimme in dieser Sprache und jeder Musiker oder Musikerin spielt auf seinem Instrument genau die ihm zugedachten Noten. So macht der Dirigent mit dem Orchester hörbar, was der Komponist oder die Komponistin ohne Worte aufgeschrieben hat. Manches stammt aus alter Zeit und du hörst die damaligen Regeln und Gesetze, aber vielleicht auch den Glanz, bei neuerer Musik sind manche musikalischen Gedanken viel freier. Bei so einem Konzert bist du kaum abgelenkt, wenn nicht grade mal jemand hustet hören alle zu und folgen aufmerksam der Musik, ohne auf ihr Smartphone zu gucken. Das kann entspannend sein und wenn du am Tag hart gearbeitet hast, musst du vielleicht aufpassen, nicht einzuschlafen und zu schnarchen. Die Töne verklingen, die Musiker hören auf zu spielen. Warte. Nicht als erster Beifall klatschen, vielleicht geht es noch weiter. Doch jetzt klatschen alle und es gibt sogar eine Pause. Wir können im Foyer Getränke kaufen, die nicht ganz billig sind, vertreten uns ein wenig die Beine und schauen aus den großen Glasfenstern nach draußen.
Nach der Pause geht die Aufführung mit Begrüßungsapplaus und einem anderem Stück weiter. Es gibt Komponisten, die gefallen mir gar nicht, andere berühren mich sehr. Am Ende des Konzertes verbeugt sich der Dirigent vor dem Publikum und dieses gebogene Metallrohr auf dem Podest, das den Dirigenten vorm Herunterfallen bewahren soll, wirkt sehr wacklig. Das Orchester erhebt sich immer wieder. Es gibt auch noch Blumen und vielleicht noch eine Zugabe. Die meisten Besucher sind jetzt froh, schimpfen nicht und sind zufrieden. Die Sprache der Musik kennt helle Freude wie auch tiefes Leid. Lautes und Leises. Drohendes und Zartes. Auch wenn du Musik auf CD hören kannst, was ich im Konzert so viel eindrücklicher verspüre ist, dass die tollen Ergebnisse, mit der ganzen Stimmenvielfalt der Instrumente hervorgebracht, nur durch Fleiß, Hingabe, Ernsthaftigkeit und einem vorzüglichen Zusammenspiel aller Musiker auf der Bühne zustande kommen. Deshalb Respekt und Dank, denn ein solches Gelingen zu erleben verleiht Hoffnung, findest du nicht auch? Vielleicht sind auch deshalb die Mannheimer Akademiekonzerte so gut besucht. Sie sind übrigens eine der ältesten Konzertreihen in Deutschland.

Akademiekonzert
Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim

(311) 06.2018

Das erste Auto und der letzte Crash

3 Mrz

Mal wieder jemand mit dem Auto zu schnell um die Kurve am Friedrichplatz Richtung Augusta-Anlage. Im Hintergrund steht das erste Auto der Welt, der von Carl Benz in Mannheim gebaute Patent Motorwagen Nr.1 als schöne Bronzenachbildung auf einem sicheren Sockel.

Augusta-Anlage, Friedrichsplatz

(304) 03.2018

Arkadenfest

22 Okt

Ein letztes mal senkten sich Ende 2001 die schweren Raffgardinen im Gourmet- und Sternerestaurant Blass, verwehrten den Ausblick, wie auch den Einblick, bewahrten so ihrer Bestimmung gemäß die Diskretion. Mit diesem Ende begann ein frischer Wind unter den Arkaden am Friedrichsplatz zu wehen, obwohl jene Zeit als die KRISENJAHRE bezeichnet werden.

Arkadenfest

Im TIMELAPSE-Modus sehen wir die Eröffnung des kleinen Cafe´ Floh, Onyx, Lutter & Wegner, extraprima, die Kommode, den Adler-Fanshop, Theuer und Scherr, die Goldschmiede Pohl, dolceamaro und zweitausendundeins, natürlich dann auch Immobilienmakler und die Fürst Fugger Privatbank KG.

Der vorsichtige Optimismus hat sich seit dem ersten Arkadenfest 2004 zur geballten Crémant- und Sektvertilgung entwickelt. Tausende Menschen strömen an diesem einen Samstag im September an ihren Lieblingsort, wo im Laufe der Jahre unter den Arkaden immer zahlreicher bestuhlt wurde. Man trifft sich, wo man sich kennt und feiert natürlich mit einem schönen Feuerwerk, mit schönen Menschen, am schönsten Platz, bei schönster Stimmung. Kurz, der Verein Friedrichsplatz e.V. hat gute Arbeit geleistet. Mein persönlicher Favorit ist der schon traditionelle Auftritt des Flames-Duos bei La Flamm. C’mon Everybody!

Arkadenfest
Friedrichsplatz
Mannheim

(180) 10.2014

Abriss des Mitzlaff-Baus

29 Sep

Mitzlaff-Bau

Natürlich kommt der Abriss des 30 Jahre alten Mitzlaff-Kunsthallenbaus nicht nur manch Mannheimer Häuslebauer irrwitzig vor. Die Vorstellung, sein mit viel Fleiß und Schweiß erbautes Siedlungshäuschen noch zu Lebzeiten wieder abzureißen, weil die Klimaanlage nicht funktioniert, führt zu Kopfschütteln. Andererseits hat uns auch noch niemand gesagt:“ Horch zu, isch schenk dir 200tausend, du legscht noch 50tausend druff un donn bauschd dir was Neies.“ So ist eigentlich die von Mäzen Hector zugesagte ungeheure Geldspende von 50 Millionen Euro, das Nicht-sichtbare, was hier irrational wirkt. Der eilig angebrachte Slogan „ES PASST“, gerät auf den ersten Blick allerdings zur Steilvorlage für alle Zyniker und Spötter in uns und bestätigt etwas unglücklich jenes bei vielen Mannheimern so beliebte Bild von einer ignoranten, die Wirklichkeit verkennenden Stadtverwaltung. Aber was ist Wirklichkeit? Die Bürgerinitiative, die den Abriss verhindern wollte und mit ihrem Vorhaben deutlich scheiterte, nannte sich „Rettet den Friedrichsplatz!“ Doch der wird nun gerade mal gar nicht abgerissen.
Entschlüsseln wir „ES PASST“ also wohlwollend als eine stark visionäre Aussage, kleinliche Kommentare zum aktuellen Stand weit hinter sich lassend. Diesen können wir übrigens auf den Baustellen-live-Webcams mitverfolgen und am Ende werden wir sehen, ob´s passt.

Abriss des Mitzlaff-Baus
Kunsthalle
Friedrichsplatz, Tattersallstraße
68165 Mannheim

(175) 09.2014

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