Tag Archives: Innenstadt

Weihnachtsmarkt Kapuzinerplanken

5 Dez

Mit dem Slogan „der besondere Weihnachtsmarkt“ war ja gleich mal eine Ansage gemacht, als vor Jahren unser traditioneller Weihnachtsmarkt am Wasserturm eine Konkurrenz auf den Kapuzinerplanken hinzu bekam. Aber im genussfreudigen Mannheim verkraftet man durchaus mehr als einen Weihnachtsmarkt und manche mögen motzig denken, dann sollen doch die besonderen Leute dahin gehen. Ein beliebtes Mannheimer Spiel, hier Schicki-Micki, da das „einfache“ Volk, das natürlich argwöhnisch feststellt, dass das Besondere auch etwas mehr kostet. Na ja, was Besonderes wollen wir wohl alle mal (sein) und wenn es ums Gedränge an den Verpflegungsständen geht, sind die Unterschiede zwischen den Märkten eher von marginaler Bedeutung. Ja gut, höre ich gerade, hier gibt es aber schon auch eine vegane Weihnachtsküche und eben dann doch Sachen, die es am Wasserturm nicht gibt. Na schön. Der Schwerpunkt liegt auf handwerklichen Erzeugnissen und Unikaten vom Filzschuh bis zu Spruchtafeln. Weihnachten ist ja ein traditionelles Fest, Maria´s Josef war immerhin auch Handwerker (Zimmermann), dann passt das schon für die Stimmung und schön beleuchtet ist der Markt schließlich auch noch.

Weihnachtsmarkt Kapuzinerplanken
(bei Engelhorn)
O5, O6
68161 Mannheim

(295) 12.2017

Feldblume

3 Dez

Mit gewöhnlichen Feldblumen hat dieses Floristikgeschäft nichts zu tun, obwohl im hinteren Teil vielleicht manche Gräser den hier äußerst kultiviert blühenden Schnittblumen beigebunden werden. Nein, der Betreiber dieses bunten Ladens heißt dank eines glücklichen Umstands schlichtweg Hans Jürgen Feld. Ansonsten ist es der Wahnsinn. Wenn es je den Beruf eines Weihnachtsbaumgestalters gibt, hier wird er in Perfektion ausgeübt. Ob der Baum mit kleinen rosa Flamingos behängt wird oder mit schwarz-weißen Darth-Vader-Kugeln, mit glitzernden Kopfhörern oder mit klassisch roten Fliegenpilzen, es ist immer die Wucht. Überdekoriert gilt nicht. Der Laden ist ein Statement gegen halbe Sachen, gegen Schmucklosigkeit und für kreativen Überfluss. Also Glanz oder gar nicht? Nicht ganz! Die eherne Tugend der Bescheidenheit wird ja zuweilen ganz schlicht durch die zu Verfügung stehende Geldmenge erzeugt, also galt es, mich mutig zu offenbaren und siehe, nach einer freundlichen Beratung hielt ich einen wunderschön gebundenen, naturnahen Adventskranz in der Hand. Den freudigen Glanz gabs dann in den Augen.

Feldblume
M 4, 4
68161 Mannheim
+49 621 23497

(294) 12.2017

Nietzsche in Mannheim

19 Nov

Nicht vielen ist bekannt, dass Friedrich Nietzsche 1871 wegen einer Wagner Aufführung mehrere Tage in Mannheim weilte. Doch auch hier zeigt sich die Vorzüglichkeit unserer Stadt, dass die Zahl solch herausragender Ereignisse überschaubar ist und auch Kleingeister wie ich davon noch Kenntnis nehmen können. Völlig unerwartet aber meldete sich nun der Meister des Wandels und der Verneinung höchstselbst bei mir und sofort verabredeten wir uns auf eine heiße Schokolade im 1. Stock der traditionsreichen Konditorei Herrdegen.

„Pop ist tot“ eröffnete ich unsere Unterredung ohne Umschweife. Er lächelte mit ungeahnter Milde. „Mein Freund“, hob er an, „wohl sehe ich den Brunnen vor dem sie jämmerlich stehen, weil sie ihr Kind hineingeworfen haben. Ertrank es, weil der Brunnen zu tief ist? Hohl es heraus und siehe, mit Phrasen wurde es gedroschen. Und auch dich höre ich jammern, die Stadt kenne nicht das Meer, die großen Gebirge und die tiefen Täler. Doch schau dir dein eigen Brünnlein an, welches du gegraben hast. Bis zum Knöchel reicht dir seine Tiefe. Ein Labsal wohl für Schnaken und Kröten. Suchst du Erquickung, ist es wahrlich besser, in die Wüste zu gehen.“ Er nahm einen innigen Schluck aus seiner Tasse und fuhr fort. „In Güte will ich zugeben, dass ihr etwas erschaffen habt. Doch, lieber Freund, du kennst meine Meinung zu Gelehrten und Akademien und noch dazu verstopft ihr euch lieber die Ohren mit süßem Gesang, anstatt sie mit dem Geschrei von Yoko Ono zu öffnen.“ Abermals nahm er einen Schluck und fuhr fort: „POP sagtest du? Siehe, schon der dritte Buchstabe ist sein letzter, auch ist der letzte wie der erste, als ob ihm auf dieser kurzen Strecke schon der Atem ausgeht und es muss sich wiederholen, der erste gleich dem letzten und dreht sich in einem fort.“ Während er so sprach umklammerte meine Hand die Kakaotasse immer fester und eine Pause nutzend blickte ich auf und fragte schüchtern: „Ist aber stetige Wiederholung nicht Ewigkeit?“ „Du träumst vom Honig trinken?“ erwiderte er streng. „Nicht einmal den Eintagsfliegen ist die Ewigkeit ein Heil und auch mir das Schwerste und also sage ich dir, POP lebt, so wie er stirbt.“
Ich zahlte und wir erhoben uns. Draußen ward es Nacht. Er begleitete mich noch ein Stückchen durch die Fressgasse. Verwundert hielt er vor einem Parkscheinautomaten inne. „Der Wille zur Macht…“ murmelte er leise vor sich hin.

Nietzsche in Mannheim
(291) 11.2017

KAZZWOO

27 Sep

Was um Himmels Willen versteht man unter Jazz? Und was zum Teufel ist eine Jazz-Bar? Bei Wikipedia steht über Jazz, ursprünglich ein sozial abwertender Begriff, dass er nach Miles Davis eigentlich Great Black Music heißen sollte, also nix für die AFD und tatsächlich für mich in erster Linie schwarz, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Herbie Hancock, Sun Ra, Louis Armstrong, Oscar Peterson, Charlie Parker, … treibend, pulsierend, wie Miles Davis´Fahrstuhl zum Schafott, urban verdichtet, kommunikativ, ebenso kollektiv wie individuell, sodass Programmierer, die perfekte Schachroboter basteln, am Bau einer Jazzmaschine scheitern, weil im Grunde viel zu menschlich, weil vom Körper abhängig, bis sich rauschartig etwas verselbstständigt, sich ablöst, einem befreiendem Höhepunkt zustrebt zur Herrlichkeit, oder manchmal auch gar nicht zustrebt, sondern traumverloren in einem dunklen Blau in irgendeiner Ecke in Einsamkeit, oder mitten auf der Bühne, jedenfalls mit Schweißtropfen im Scheinwerferlicht vor, nach oder um Mitternacht als langgedehnte Note, als letzter Ton vibrierend wie ein Kolibri in der Luft steht und dann sanft in ein Whiskeyglas plumpst. Verdammt, was also ist eine Jazz-Bar? Ja, wahrscheinlich das nicht, aber schau halt mal selbst rein. Beim Atlantis um die Ecke, vielleicht nach´m Kino, dann gibt´s sogar Nachlass.
´
Kazzwoo
Jazz Café Bar
K2, 23
68159 Mannheim
0621 – 4480776

(285) 09.2017

Rosen von Mahmud

29 Aug

Seit mehr als 30 Jahren zieht er durch die Mannheimer Nächte und ja, ich weiß, es passt nicht immer. Doch es genügt schon ein einfaches Kopfschütteln oder eine kleine abwehrende Handbewegung und er bewegt sich weiter zu dem Pärchen am Nebentisch oder verschwindet ohne große Worte wieder durch die Tür nach draußen. Doch, lieber Freund, welch ein Glück bringt er dir, wenn du es zulassen kannst! Wenn du dich nicht belästigt fühlst und der Moment wie ganz selbstverständlich Rosen verlangt. Dann ist Mahmud, als wäre es immer so gewesen, unser geheimnisvoller, ja verschwörerischer Bote jener wunderbaren Magie, die wir Liebe nennen und wir möchten ihn niemals missen.

Rosen von Mahmud
Abends in den Gaststätten der Innenstadt

(283) 08.2017

Schokinag

27 Jul

Es ist eigentlich völlig dröge, dass ich hier über Mannheims unsichtbares Wahrzeichen schreibe. Selbst Touristenführer haben den Braten schon längst gerochen und erklären die Emissionen der Schokoladenfabrik zum olfaktorischen Highlight Mannheims. Aber, die Konkurrenz schläft nicht: Gerade wurden die türkischen Holzkohle-Grilldämpfe rund um den Marktplatz zum Aufsteiger des Jahres gekürt.

Also mal wieder zufällig mit dem Fahrrad duch die Neckarvorlandstraße. Geruchsmäßig hat sich in den letzten vierzig Jahren nicht viel verändert, trotz der stetig verbesserten Filteranlagen, wie man immer wieder liest. Vielleicht hat sich zum Ausgleich aber auch immer die Produktionsmenge erhöht. Will ich jetzt gar nicht so genau wissen. Man könnte ja ne Führung buchen für die ganzen Details. Und, was rieche ich jetzt?

Tja, es gibt da mindestens zwei Gerüche. Den einen offiziellen Kakaogeruch und einen, der mir in der Holzstraße um die Ecke mit voller Wucht entgegenschlägt, ein Geruch so dumpf und schwer, bei dem man alle Hoffnung aufgibt, dass er jemals gen Himmel steigen wird. Bei uns sagt man: riecht wie oigschloofene Fies. Des is dann für mich des echte Monnem. Bin ja schließlich kein Tourist. Kä Wunner übrigens, dass die Arbeider do in ihrer Paus mol ä ahstännische Zigarrett plotze müsse, odda?

SCHOKINAG-Schokolade-Industrie GmbH
Neckarvorlandstrasse 21-25
68159 Mannheim/Germany

(280) 07.2017

Stadt.Wand.Kunst

17 Jul

Um es klar zu sagen: Ich mag den Zeichenstil von Mehrdad Zaeri und habe ihn hier ja auch schon in zwei Beiträgen gewürdigt. Genießen wir also zunächst einmal die liebevollen kleinen Details seines großen Wandgemäldes in B6,4, bevor wir uns dem Unbehagen und den Widersprüchen widmen.

Ich find´s schon toll, wie er die bereits vorhandene braune Fassadenfarbe wie einen Zeichenkarton einsetzt.

Stadt.Wand.Kunst ist eine Kulturinitiative der Alten Feuerwache, der GBG, der Stadt Mannheim und Montana-Cans. Die Idee ist, eine öffentliche Gallerie zu errichten mit freiem Eintritt. Aktuell gibt es glaube ich schon 14 Wandgemälde, manche nur temporär. Nun ist Kunst ein zu großes Wort, als dass ich es hier fassen könnte und auch mit Abhandlungen über die Bedeutung und Aufgaben von Museen und Galerien lassen sich ja Regalwände füllen. Eine übliche Gemäldegalerie hat ja zunächst einmal den Vorteil, dass ich hineingehe um bestimmte Bilder zu sehen und dann auch wieder rausgehe. Das funktioniert im öffentlichen Raum ja so nicht. Und natürlich könnte es in Museen an einem Bürgertag in der Woche für alle Mannheimer freien Eintritt geben bis 22 Uhr und für Kinder und Jugendliche bis 25 Jahren sowieso immer. Warum also Stadt.Wand.Kunst?

Die Stadt der Zukunft ist die Stadt der Kreativen, heißt es. Die Konkurrenz der Städte untereinander erfordert Strategien im Kampf um Attraktivität und Investoren. Kunst ist Mittel zum Zweck und natürlich, bei den großflächigen Wandgemälden, den sogenannten murals ist die Frage nach Kunst als Fassade regelrecht angelegt. Eine beauftragte Kunst mit Schauwert, zum Bestaunen und Erbauen, die bei ihrer Größe auch immer etwas totalitäres für mich mitschwingen lässt.

Die GBG, Mannheims größte Wohnbaugesellschaft, die vor kurzem noch gegen den Widerstand der Bewohner den Abriss eines Wohnblocks durchzog, um ihn durch teurere Wohnbauten zu ersetzen, wirkt hier als großzügiger Partner der Kreativen. Der Rest lässt sich in Handbüchern zur Gentrifizierung nachlesen. Was aber hat Kunst nun mit mir zu tun, während ich so heraufschaue? Werde ich als Teilhaber des öffentlichen Raum wahrgenommen, bin ich Teil des Kreativprozesses? Kann ich vertauen? Wenn ich falle, fangt Ihr mich auf? Sorgt ihr dafür, dass ich nicht falle?

Vielleicht willst du uns, lieber Mehrdad Zaheri, aber diese Geschichte erzählen: Der Käfig, der viel zu klein war, ist nun offen. Die Vögel sind groß, aber keiner weiß zu fliegen…

Stadt.Wand.Kunst
Mannheims begehbares Museum im urbanen Raum

(279) 07.2017

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