Tag Archives: Innenstadt

Nischen

23 Mrz

Wer will schon gerne im Weg stehen. Lieber sein Ding machen, am besten mit Freunden, niemanden stören und nicht gestört werden, quatschen, abhängen. Nicht nur Fledermäuse haben Bedarf an Nischen. Aus Filmen sind uns Bushaltestellen in ländlichen Regionen als Hort des Müßiggangs bekannt, stadteinwärts wird alles glatter, beschleunigter, zielgerichtet. Gemütliche Aufenthalte gehen mit Verzehrzwang einher, während inmitten des Stroms Sitzbänke meist ungenutz dastehen. Wen wundert´s, bieten sie eben im Gegensatz zu Nischen keinen Rückzugsraum. Doch Menschen sind mit ausreichenden Sinnen ausgestattet, um Nischen auch im funktional organisierten Stadraum aufzuspüren. Folgend einige Beispiele:

Parkhaus Dorint/ Rosengarten, Tullastraße
Neben Überwachungskamera Nische mit Ausblick, warme Luftströme von unten. Abstellmöglichkeit für Getränkeflaschen aller Art.

Mall Q7/Q6
Eigentlich Restaurantbetrieben zugeordnet. Nach Ladenschluss bis 22 Uhr aber zugänglich und gerne von Jugendlichen genutzt. Nebenan bei Rewe Gekauftes kann hier verzehrt werden.

Thalia Buchhandlung P7
Ebenfall durch Einzelhandel privat eingerichte Nische. Hier können auch neueste Bücher gelesen werden, Sitze allerdings eher unbequem.

Hauptbahnhof Eingang Parkhausebene.
Trockener, einigermaßen warmer gelegentlicher Treffpunkt für Alk- und Drogenszene.

Commerzbank, P2
Eigentlich ganz anderes Thema: Obdachlose suchen in Nischen Schutz

Reichskanzler-Müller-Straße, unter Fußgängerbrücke
Ohne Worte

Nischen

(306) 03.2018

Stadthaus

24 Feb

Lassen wir beiseite, dass da, wo das Stadthaus steht, einmal ein „altes Kaufhaus“ stand mit der berühmten Mannheimer Symmetrie. Das wurde weggebomt und der Wiederaufbau scheiterte im Bürgerentscheid trotz großer Mehrheit denkbar knapp an einer zu geringen Wahlbeteiligung. Solche Stadthausstreitereien gab es auch in anderen Städten. Nein, was mich vollkommen aufschreckte und aus meiner so arglosen wie selbstzufriedenen Internetsurferei herausriss, waren diese grottenschlechte Google-Bewertungen für das Stadthaus, auf die ich, wie gesagt, rein zufällig stieß. Ich fragte mich sofort, ob die in N1 eingebundene Gastronomie verantwortlich wäre, jemand im East vom all you can eat nicht satt wurde, oder in der N1 Lounge kein Platz frei war, oder der Tequila in der Azteca Mexicana zu Gemüte schlug, doch nichts dergleichen. Auch bei Trip Advisor belegt das Stadthaus in der Rubrik Sehenswürdigkeiten einen schockierenden letzten Platz. Wie konnte das geschehen? Mannheim ist eine moderne Stadt, die üblicherweise keinen Vergleich zu scheuen braucht. Jedenfalls erschien mir die Sache so bedeutend, der Anlaß also groß genug, um mich unverzüglich zu einem Ortstermin einzufinden. Schließlich kann ALLES MANNHEIM die öffentliche Diskussion nicht allein Spießern und Kulturbanausen überlassen. So lautet das Ziel der Aktion: Rettet das Stadthaus!

Schon von der rückwärtigen Ansicht aus erscheint mir das Stadthaus als die gelungenere Version des Centre Pompidou. Bei freiem Eintritt wartet es gleich im Erdgeschoß mit einer atemberaubenden Installation auf, die sich mit der jüngsten Geschichte der Stadt auseinandersetzt. Mit der Nachgestaltung der legendären Borelly Grotte, die ja aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr besichtigt werden kann, provoziert der Durchgang einerseits Erinnerungen, geht aber über das bloße Betrachten hinaus und erzeugt durch geschicktes Wechselspiel von Raum und Licht beim Besucher eine beschleunigte Dynamik seines Bewegungsapparates und lässt ihn somit auch durch körperliche Erfahrung an unserem kollektiven urbanen Gedächtnis teilhaben.

Neugierig strebe ich über eine schöne Außentreppe, die formprägender Teil der Architktur ist, zum Plenum, wo mich nicht zufällig neben dem Ratssaal die Installation Pferd, Flur, Demokratie erwartet, welche die großen politischen Fragen unserer Zeit thematisiert. Die geschickt im Raum angeordneten Rundsäulen verweisen auf Athen als Ursprungsort einer demokratischen Stadtgesellschaft, mahnen aber durch das bunt aufgestellte Pferd an Trojas Schicksal und den Gefahren des Lobbyismus. Stark! Eine leere, verglaste Wandnische mit dem Titel „Zu vermieten“ des Künstlers D&S sollte hier nicht als Kontrast, sondern als wohltuende Ergänzung verstanden werden.

Durch ein Hinweisschild werde ich schließlich noch auf einen kleinen Nebenraum aufmerksam. Glücklicherweise muss ich sagen und wundere mich, dass sich hier keine Schlangen bilden. Fast humorvoll, jedenfalls mit grosser Könnerschaft wird Bezug genommen auf Mannheims Tradition der neuen Sachlichkeit und deren späteren Transformation von Kunst als visuelle oder gar plastische IDEE. Ein Readymade, das mit scheinbarer Leichtigkeit den Bogen von Marcel Duchamp zu Piet Mondrian schlägt und sich dabei unter Einbindung von Quadraten und den Mannheimer Farben als großes Geschenk an Mannheim und seine Bürger entpuppt. Völlig verständlich, dass dieser Raum ständig bewacht werden muss. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Einziger Wermutstropfen die Stadtbücherei im oberen Stock, aber die soll ja bald dort ausziehen. Mein Votum: fünf von fünf Sternen und völliges Unverständnis über jegliches negative Ranking. Wer nach Mannheim ins Stadthaus kommt, sollte wissen, dass er weder repräsentativen Kitsch erwarten kann, wie vielleicht in Zürich, noch dass er es sich umrahmt von gefallsüchtigen Bildern auf Bänken bequem machen kann, statt mühevoll die sogenannte Realität zu entschlüsseln.
Nein, Mannheim ist und bleibt die unbequeme Arbeiterstadt. Aber dass wir uns nicht missverstehen, liebe Freunde und Besucher, die Arbeit, die fängt bei uns manchmal im Kopf an.

Stadthaus
N1
68161 Mannheim

(303) 02.2018

Schachtdeckel

6 Feb

In den Planken …

… schön verzierter Schachtdeckel ohne erkennbare Logo-Werbung bei Engelhorn als eine Sonderform von Streetart. Hergestellt durch die Firma R. Dannhäuser, die es aber nicht mehr gibt. Einen ALLES MANNHEIM Deckel kann ich mir nun bei Atrium bestellen, für meinen persönlichen Walk Of Fame. Wer hingegen nicht tief in die Tasche greifen, sondern tiefer eintauchen möchte in die Welt der Manholes und Gullys, sogenannte drainspotters haben umfangreiche Sammlungen ins Netz gestellt. Zum Beispiel Gullygerds Reisen oder Manholecovers. Eine subversive und zugleich geschäftstüchtige Variante hat die raubdruckerin für sich entdeckt.

Schachtdeckel
Planken

(301) 02.2018

Binokel

4 Feb

Die massiven Bombenabwürfe im 2. Weltkrieg haben in Mannheim nicht viel Gemütlichkeit übrig gelassen, wenn sie denn überhaupt einst in den bürgerlichen Cafes anzutreffen war und es vielleicht nicht doch nur stocksteif zuging in Gebäuden, die nach dem herrschendem Zeitgeist im Stil des Historismus erbaut waren. Hinsichtlich dieser Historie finden wir in O1 eine Einkehr mit Alleinstellungsmerkmal in der Innenstadt. Belle Époque nennen wir jedenfalls etwas schmeichlerisch die damalige Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts und sogleich stehen uns die 2011 zum Weltkulturerbe erhobenen Wiener Kaffeehäuser vor Augen, aber natürlich auch Pariser Bistros. Also geht’s hinein ins Binokel an den Kapuzinerplanken, das uns tatsächlich mit dieser nostalgisch romantischen Atmosphäre empfängt, als hätte es Kriege nie gegeben und uns Platz nehmen lässt auf dunklen Kaffeehausstühlen, hier große Spiegel, da ein verspieltes Deckenfresko, ein Sandsteintor an hoher Wand und alles mit einer gehörigen Portion Patina, damit wir nicht unnötig fremdeln, sondern uns sogleich heimisch fühlen und eigentlich könnten wir noch den Lärm des Mannheimer Bierkrawalls vernehmen, als 1873 eine deftige Bierpreiserhöhung die Mannheimer Proletarier auf die Straßen trieb gegen die Ungerechtigkeit des Großkapitals , oder uns in Erinnerung rufen, dass auch die Wiener erst durch die Türken zum Kaffee kamen. Doch schon blättere ich in der Karte (im Nachhinein betrachtet müsste ein Croque Monsieur drinstehen), ein Spiegelei bitte, jedenfalls froh, asiatischem street food entkommen zu sein, das ich eigentlich mag wenn´s gut gemacht ist, doch dabei insbesondere den Umstand vermieden, hinter einer großen Glasscheibe zu sitzen, präsent am Platz, als wäre die Stadt ein Großraumbüro und somit zufrieden, hier ein kleines Versteck gefunden zu haben. Aber ich merke schon, ihr müsst weiter und ich schweife aus, ich schweife ab, auch wenn dies sicher ganz im Sinne des Binokels ist, das uns mit seinen grade mal ein paarunddreißig Jahren sehr angenehm irgendeinen Charme der letzten 150 Jahre vorspielt. Abschweifen ist schließlich ein Vorrecht der Freizeit und die ist hier, während ich ausnahmsweise mal zur Mittagszeit frühstücke, doch einigermaßen gut verbracht. Also, wenn ihr gehen wollt, ich bleib noch.

Bistro Binokel
Café – Bistro – Bar
O7, 1
68161 Mannheim
Fon: 0621-23074
Fax: 0621-1289686

(300) 02.2018

Søstrene Grene

13 Jan

Interessantes Shop-Konzept seit Kurzem in der Mall in Q6/7. Søstrene Grene, im ersten Moment ein Mini-Ikea mit kleinem Rundgang. Ikea, weil erkennbar skandinavisch, allerdings hier fast ohne Möbel, sondern Kleinsortiment Nähe Ausgang. Viel Fichte natur, warme Erd- oder monochrome Pastellfarben vermitteln den Eindruck von Bio und Natürlichkeit, unterstützt von hölzernen Streichinstrumenten aus Lautsprecherboxen. Das Ambiente wäre als Vorbild für einen tollen Unverpackt-Laden geeignet und tatsächlich finden wir auch gläserne verschließbare Behälter für die Plastik freie Bevorratung. Der Schwerpunkt des Angebots geht auf Dekoration, Schenken, Utensilien und es gibt Süssigkeiten zu moderaten Preisen. Die Ratschläge der Gründer-Schwestern ziehen sich wie ein roter Faden durchs Geschäft, sehr stark auch der letzte Hinweis auf der Homepage:“Schauen Sie sich um, doch bitte denken Sie daran: Kaufen Sie immer nur das, was Sie wirklich brauchen!“ Ein Mehr an Notwendigem wäre geschäftsfördernd und möglicherweise ist das nachhaltigste Produkt jenes, das nicht produziert wurde. So geht das Konzept trotz allem Anschein viel zu zaghaft in Richtung sozial-ökologischen Wandel, dennoch besticht der Laden durch eine sinnlich angenehme Ausstrahlung.

Søstrene Grene
Q6,1
68165 Mannheim

(298) 01.2018

Weihnachtsmarkt Kapuzinerplanken

5 Dez

Mit dem Slogan „der besondere Weihnachtsmarkt“ war ja gleich mal eine Ansage gemacht, als vor Jahren unser traditioneller Weihnachtsmarkt am Wasserturm eine Konkurrenz auf den Kapuzinerplanken hinzu bekam. Aber im genussfreudigen Mannheim verkraftet man durchaus mehr als einen Weihnachtsmarkt und manche mögen motzig denken, dann sollen doch die besonderen Leute dahin gehen. Ein beliebtes Mannheimer Spiel, hier Schicki-Micki, da das „einfache“ Volk, das natürlich argwöhnisch feststellt, dass das Besondere auch etwas mehr kostet. Na ja, was Besonderes wollen wir wohl alle mal (sein) und wenn es ums Gedränge an den Verpflegungsständen geht, sind die Unterschiede zwischen den Märkten eher von marginaler Bedeutung. Ja gut, höre ich gerade, hier gibt es aber schon auch eine vegane Weihnachtsküche und eben dann doch Sachen, die es am Wasserturm nicht gibt. Na schön. Der Schwerpunkt liegt auf handwerklichen Erzeugnissen und Unikaten vom Filzschuh bis zu Spruchtafeln. Weihnachten ist ja ein traditionelles Fest, Maria´s Josef war immerhin auch Handwerker (Zimmermann), dann passt das schon für die Stimmung und schön beleuchtet ist der Markt schließlich auch noch.

Weihnachtsmarkt Kapuzinerplanken
(bei Engelhorn)
O5, O6
68161 Mannheim

(295) 12.2017

Feldblume

3 Dez

Mit gewöhnlichen Feldblumen hat dieses Floristikgeschäft nichts zu tun, obwohl im hinteren Teil vielleicht manche Gräser den hier äußerst kultiviert blühenden Schnittblumen beigebunden werden. Nein, der Betreiber dieses bunten Ladens heißt dank eines glücklichen Umstands schlichtweg Hans Jürgen Feld. Ansonsten ist es der Wahnsinn. Wenn es je den Beruf eines Weihnachtsbaumgestalters gibt, hier wird er in Perfektion ausgeübt. Ob der Baum mit kleinen rosa Flamingos behängt wird oder mit schwarz-weißen Darth-Vader-Kugeln, mit glitzernden Kopfhörern oder mit klassisch roten Fliegenpilzen, es ist immer die Wucht. Überdekoriert gilt nicht. Der Laden ist ein Statement gegen halbe Sachen, gegen Schmucklosigkeit und für kreativen Überfluss. Also Glanz oder gar nicht? Nicht ganz! Die eherne Tugend der Bescheidenheit wird ja zuweilen ganz schlicht durch die zu Verfügung stehende Geldmenge erzeugt, also galt es, mich mutig zu offenbaren und siehe, nach einer freundlichen Beratung hielt ich einen wunderschön gebundenen, naturnahen Adventskranz in der Hand. Den freudigen Glanz gabs dann in den Augen.

Feldblume
M 4, 4
68161 Mannheim
+49 621 23497

(294) 12.2017

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