Tag Archives: Musik

Hans Reffert

19 Jul

Keine coole Stadt ohne einen coolen Gitarristen. Ich meine einen Gitarristen, der nicht erst nach Feierabend zu den Saiten greift, sondern eine Person, die sich hingibt für Rock´n Roll, für Blues, jemand, für den ein Leben nach bürgerlichen Maßstäben keine Option ist. Einer, dessen Gitarre zur foxy lady wird, einer, der sich schlecht verkauft und häufig verschenkt, einer der in Erscheinung tritt. Als ich Hans Reffert 1977 mit Zauberfinger sah, war er schon der Mannheimer Gitarrist und ihn umgab ein mir damals unerklärlicher Nimbus. Ich hatte auch keine Ahnung, dass er schon in der Beat-Ära 1965 mit der Band The Adventures in den GI-Clubs unterwegs war. Das erste mal sah ich ihn wohl 1975 zwischen Räucherstäbchen spielen bei einer Matinee im Kunstverein als Flute and Voice. Damals verdiente er sein Geld auch als Gitarrenlehrer bei Werner Pöhlert und fixte seine Schüler mit Jimi Hendrix an.
Umso erstaunlicher ist es, dass er ausgerechnet in Mannheims Punk und New Wave Zeit der frühen 80er, zu einer Zeit also, da alle virtuosen Gitarrengötter verbannt wurden und auch danach mit Barbara Lahr’s Sanfte Liebe, deren sperriger Sound eigentlich schon P.J. Harvey vorwegnahm, auf der Höhe der Zeit war. Spätestens zu diesem Zeitpunkt definierte sich sein Spiel durch Auslassen, durch Unterlassen, durch die (harmonischen) Riffs, die er nicht spielte. Wenn cool sein bedeutet, sich nicht ungewollt verführen zu lassen, wenn Verweigerung aktiver Widerstand ist und eine kontrollierte Strategie der Coolness darstellt, dann war Hans Reffert der größte und coolste Gitarrist, den Mannheim je erlebt hat. In diesem Sinne war sein Wirken auch immer politisch, landete folgerichtig bei Bernd Köhlers EWO Projekt mit Arbeiterliedern und schließlich bei den völlig befreiten Guru Guru.
Nach seinem Tod 2016 kann Mannheim leider nicht mehr ganz so cool sein.

Dieser Artikel erscheint anläßlich Hans Refferts 72. Geburtstag. Einen Überblick über seine unzähligen Projektbeteiligungen könnt ihr euch bei Wikipedia oder bei Discogs verschaffen.

Hans Reffert
Mannheimer Gitarrist und Musiker
19. Juli 1946 – 21. Februar 2016

(315) 07.2018

Akademiekonzert

13 Jun

Ich möchte dich jetzt gerne mitnehmen in ein Akademiekonzert, das immerhin eine Mannheimer Institution ist. Dich, der keine klassischen Konzerte und keine Komponisten kennt. Wir gehen in den Rosengarten gleich am Wasserturm, genauer gesagt in den großen Mozartsaal. Viel Holz wirst du dort an den Wänden und Decken sehen, das ist für den Klang und es gibt Konzertsäle, wie die Berliner Philharmonie, da ist der Klang noch viel besser, aber wenigstens haben wir in Mannheim einen Konzertsaal. Früher war hier der Nibelungensaal, der sagenhafte 6000 Leute aufnahm, aber er ging im Krieg kaputt. Der Neubau bietet immerhin 1628 Sitzplätze. Schau: das Konzert ist ausverkauft, Alte und Junge, Frauen und Männer, elegant oder sportlich modern Gekleidete sind da.

Jetzt kommt das Orchester auf die Bühne. Es sind traditionell die Musiker des Mannheimer Nationaltheaters. Sie bekommen gleich Beifall. Sie stimmen eine Weile ihre Instrumente und dann eilt der Dirigent, der hier ein Generalmusikdirektor ist, auf die Bühne und bekommt auch Beifall. Er stellt sich auf ein kleines Podest, alles verstummt und nun beginnt die Musik.

Du hörst Werke von verschiedenen Komponisten aus unterschiedlichen Zeiten, meist instrumental ohne Gesang. Für die Komponisten ist Musik eine andere Art von Sprache. Sie schreiben sie in Notenzeichen auf. Jedes noch so unterschiedliche Instrument im Orchester ist eine eigene Stimme in dieser Sprache und jeder Musiker oder Musikerin spielt auf seinem Instrument genau die ihm zugedachten Noten. So macht der Dirigent mit dem Orchester hörbar, was der Komponist oder die Komponistin ohne Worte aufgeschrieben hat. Manches stammt aus alter Zeit und du hörst die damaligen Regeln und Gesetze, aber vielleicht auch den Glanz, bei neuerer Musik sind manche musikalischen Gedanken viel freier. Bei so einem Konzert bist du kaum abgelenkt, wenn nicht grade mal jemand hustet hören alle zu und folgen aufmerksam der Musik, ohne auf ihr Smartphone zu gucken. Das kann entspannend sein und wenn du am Tag hart gearbeitet hast, musst du vielleicht aufpassen, nicht einzuschlafen und zu schnarchen. Die Töne verklingen, die Musiker hören auf zu spielen. Warte. Nicht als erster Beifall klatschen, vielleicht geht es noch weiter. Doch jetzt klatschen alle und es gibt sogar eine Pause. Wir können im Foyer Getränke kaufen, die nicht ganz billig sind, vertreten uns ein wenig die Beine und schauen aus den großen Glasfenstern nach draußen.
Nach der Pause geht die Aufführung mit Begrüßungsapplaus und einem anderem Stück weiter. Es gibt Komponisten, die gefallen mir gar nicht, andere berühren mich sehr. Am Ende des Konzertes verbeugt sich der Dirigent vor dem Publikum und dieses gebogene Metallrohr auf dem Podest, das den Dirigenten vorm Herunterfallen bewahren soll, wirkt sehr wacklig. Das Orchester erhebt sich immer wieder. Es gibt auch noch Blumen und vielleicht noch eine Zugabe. Die meisten Besucher sind jetzt froh, schimpfen nicht und sind zufrieden. Die Sprache der Musik kennt helle Freude wie auch tiefes Leid. Lautes und Leises. Drohendes und Zartes. Auch wenn du Musik auf CD hören kannst, was ich im Konzert so viel eindrücklicher verspüre ist, dass die tollen Ergebnisse, mit der ganzen Stimmenvielfalt der Instrumente hervorgebracht, nur durch Fleiß, Hingabe, Ernsthaftigkeit und einem vorzüglichen Zusammenspiel aller Musiker auf der Bühne zustande kommen. Deshalb Respekt und Dank, denn ein solches Gelingen zu erleben verleiht Hoffnung, findest du nicht auch? Vielleicht sind auch deshalb die Mannheimer Akademiekonzerte so gut besucht. Sie sind übrigens eine der ältesten Konzertreihen in Deutschland.

Akademiekonzert
Musikalische Akademie des Nationaltheater-Orchesters Mannheim

(311) 06.2018

Euternase

12 Mai

Es ist der Wahnsinn, dass sich heute wieder Bands mit dem Geist von 1980 infizieren. Aber was soll ich sagen, mich packte ja selbst gerade wieder die Begeisterung, als ich eine alte Kassettenaufnahme von 1980 mit einem Livemitschnitt unserer Band Neue Heimat aus dem Keller kramte und abhörte. Ok, damals wären die Jungs von Euternase kritisch als Langhaarpunks beäugt worden, schließlich bedeuteten kurze Haare, alte Zöpfe abzuschneiden, die geliebten Hippie-Götter zu verbannen, sich selbst zu ermächtigen und auf der Höhe der Zeit zu sein. Auch wäre den Jungs ungeduldig mehr Pogo abverlangt worden. „Schneller!“, so der klassische Zwischennruf aus dem Publikum. Aber auch die Pogo-Verweigerung konnte ja als Provokation gut durchgehen. Insofern haben Euternase bei Ihrer soeben veröffentlichten Debut-LP L´Amour alles richtig gemacht und bei mir zudem für ein gehöriges flashback gesorgt.
Was sich hier abspielt, erscheint mir keineswegs Retro, sondern als eine kreative Reaktion. Nach der überflutenden popdeutschen Redseligkeit ist der nächste notwendige Schritt, das Sprechen wieder mühsam zu erlernen. Das Denken ist verklebt. Die Worte können nur bruchstückhaft herausgerufen werden. Natürlich muss mit der Gitarre zersägt und mit den Drums zerschlagen werden, was uns sonst noch so beengt und bedrückt. Die schrecklichen Folgen mangelnder sportlicher Betätigung im Verein sind hier unüberhörbar. Für die Releaseparty am 18. Mai im Kombinat Mannheim empfehle ich als Beleuchtung übrigens helles Neonlicht, wie damals…

 

Euternase
Mannheimer Band
L’Amour LP (11.05.18) erschienen bei this charming man records

(309) 05.2018

Wer ganz mutig ist kann hier auch noch besagte Aufnahme von NEUE HEIMAT aus dem Jahr 1980 hören (am besten sehr laut) oder auch den Chor der Gefangenen 1982.

Dick in Mannheim

18 Feb

Mannem und Määnz, wie ähns… spottet man im Schwarzwald und das muss ich jetzt erstmal so hinnehmen. Was wohl Martin Büsser dazu gesagt hätte? Der 2010 früh verstorbene Popjournalist, Autor und Mit-Verleger des sehr aktiven Mainzer Ventil-Verlags hatte so seine eigene Meinung von Mannheim, obwohl er von Mainz aus die Welt auch eher vom Rand aus betrachtete. Seine Einschätzung, dass sich Xavier Naidoo nicht weit von der rechte Ecke entfernt befindet, traf er recht weitsichtig schon 2002. Beim Blättern im gerade erst erschienen Sammelband „Für immer in Pop“ entdeckte ich auch, dass Martin Büsser nicht nur sehr reflektierte, nie abgehobene, dafür persönliche Popkritik geübt hatte, sondern auch Texter und Vokalist der Gruppe Pechsaftha war, die den meisten hier wahrscheinlich auch völlig unbekannt ist. Ihr 2007 erschienenes Album Dick in Frisco endet mit einem nahezu epischen Noise-Song namens Mannheim Mitte, den ich den geneigten Lesern des Blogs ALLES MANNHEIM natürlich unmöglich vorenthalten kann. Als Martin Büsser 2009 an der Mannheimer Popakademie einen Vortrag zur neueren Geschichte der Popmusik zwischen PopKomm, Rechtsrock und Deutschquote hielt, war das Lied jedenfalls schon draußen. Das Treiben auf dem Mannheimer Marktplatz morgens um 4 Uhr muss ihn damals sehr beeindruckt haben, was ich nur zu gut verstehe. Gut möglich, dass sie zuvor die Nacht im Blau verbracht hatten. Mannheim Mitte, Melonenstadt.


Dick in Mannheim
Mannheim Mitte
Song von Martin Büsser, Pechsaftha 2007

(302) 02.2018

Nine Days Wonder

3 Okt

Aus aktuellem Anlass, weil ich gerade zum Genesis-Artikel in einem Kommentar das gesamte Live-Programm des Clubs aus den Jahren 1971 – 1974 gesendet bekam, hier mal ein Erinnerungs- und Würdigungsbeitrag für unsere noch nicht Pop-akademisierten Alt-Vorderen, die, wie ich denke, einen mächtigen Einfluss in unserer Mannheimer Musikszene hatten. Nine Days Wonder, eine Mannheimer Band, die sich vom Beat-Talentschuppen bis zur German-Kraut-Prog-Rock-Band entwickelt hatte. Die Bandfotos auf der Homepage sind wahrhaft Ehrfurcht einflößend. Da ich, etwas jüngeren Jahrgangs, die Gruppe selbst nicht erlebt habe, bin ich auf Anektoden 2. Hand angewiesen, von denen eine ist, dass die Band wegen eines „unmusikalischen Solos“ bei einem Beatband-Wettbewerb 1967 im Rosengarten(!) disqualifiziert wurde und fortan als härteste Band in Mannheim galt. Es war eine Coverversion von My Friend Jack. Na also. Nachzulesen in einem netten Artikel bei Krautrock-Musikzirkus. Die Band veröffentlichte mehrere Alben, wechselte auch mehrmals die Besetzung, hatte einen grottenschlechten Plattenvertrag und ist nun Legende. Der Band-Gründer Walter Seyffer hatte in den frühen 80ern ein Tonstudio im ehemaligen Strebelwerk auf der Friesenheimer Insel, und ich müsste mir eigentlich in den Arsch beißen, dass wir ihm keine Credits hinterlassen hatten, nachdem wir unsere Platte bei ihm aufgenommen hatten. Aber das habe ich jetzt hiermit auch erledigt. Auf Spotify gibt´s übrigens ne Menge zu hören von Nine Days Wonder.
Manche Herren aus der guten alten Zeit sind übrigens heute noch aktiv: Hans Frauenschuh, Michael Bundt und Karl-Heinz Weiler formen die Band Retrodelix, Freddy Münster die RhineStream Jazzband.

Nine Days Wonder
Mannheimer Band
1967 – 1975

(286) 10.2017

Eisstadion am Friedrichspark

15 Feb

Orte der Sehnsucht, wie das Eisstadion am Friedrichspark, vereinen meist bestimmte Eigenschaften in sich. Sie sind Schauplatz zahlreicher schöner Geschichten und, um die schmerzliche Komponente zu erfüllen, sind sie entrückt und nur aus der Entfernung zu erfassen, in unserem Fall freilich eine zeitliche. Es ist offensichtlich, dass die in unserem Inneren verzauberten Bilder im krassen Gegensatz zur vorgefunden äußeren Wirklichkeit stehen.

Eisstadion2

Erstaunlicherweise ist das Wort Nostalgia die medizinische Bezeichnung für jene Krankheit, die als Heimweh bekannt ist. Eine Abwehrreaktion auf unangenehmes Dasein und Fremdgefühl bis hin zur Flucht, ja Weltflucht sogar, womit wir beim Eskapismus angelangt sind und bei eben jenem berühmten „Brot und Spiele“, zu dessem Zwecke das Eisstadion ursprünglich ja erbaut und genutzt wurde, bis 2005 die SAP Arena diese Aufgaben übernahm. Ausgenommen von solcherlei Betrachtungen ist freilich das Treiben des Inliner Sport Club Mannheim, der das umgebaute Stadion nun ganz gegenwärtig als Spiel- und Übungsstätte nutzt.

Eisstadion1

Zurück zur Sehnsucht, die uns ja immer irgendwie zurückführen will, womöglich bis hinein in die Unendlichkeit, doch, bleiben wir am Ball, besser am Puck, hier nahe am Schloß und dem Rhein und der geheimnisvollen alten Sternwarte. Aufstieg und Meisterschaft wurden gefeiert, es wurde gezittert, gesiegt, gekämpft und verloren, vor allem aber gebrüllt und gejubelt was die Kehle her gab. Unglaubliche 11.000 Leute fanden hier mal Platz, oder eben auch nicht, vom Spiel richtig viel sehen konnten nur die Großen oder man brachte sich eine Leiter oder einen Getränkekasten zum drauf stellen mit, sofern zur obligatorischen blau-weis-roten MERC-Fahne noch eine Hand frei war. Apropos: Damals waren die Winter noch kalt und das Stadion, wie auch heute noch, von drei Seiten offen und somit den forsch durchziehenden Winden ausgesetzt. Ein berechtigter Anlass, sich in den Drittelpausen mit Glühwein aufzuwärmen.

Eisstadion3

An manchen Sommerabenden jedoch ergab sich ein anderes Bild: da dienten die Wiesen am Stadion einem bunten Volk nicht zahlungskräftiger Zaungäste als willkommene und stilvolle Lagerstätte, um Rock-Konzerte zu verfolgen, die im Stadion stattfanden. Ein schwerer Liebeskummer und in dessen Folge ein Wermutrausch auf eben jener Wiese waren so eindrücklich, dass ich mich heute noch an das Konzert von Cat Stevens erinnere, der hier seine Foreigner-Suite zum Besten gab. …Oh love, sweet blue love, no man can ever get enough…und dann gab es da auch noch die Rolling Stones, Bob Dylan und Led Zeppelin

Eisstadion am Friedrichspark
Bismarckstraße 6
68159 Mannheim

(222) 02.2016

Tonomat 3000 – Sonne im Park

3 Jul

Lässiges Musik-Video von Tonomat 3000, ihr Erstling, gedreht im Unteren Luisenpark.

Tonomat 3000
Sonne im Park

(AV 01) 07.2013

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