Tag Archives: Politik

Schützenhaus

9 Nov

In letzter Zeit erreichten dieses Blog irritierend viele Suchanfragen zum Schützenhaus, bis es mir endlich dämmerte, dass nicht die im Käfertaler Wald gelegene Einkehr gefragt ist, sondern jenes verlassen wirkende Gebäude an der Feudenheimer Au, das, wenn wir mit den Rädern vorbeikamen, nie einen besonders einladenden Eindruck gemacht hatte und welches ich aus Höflichkeit hier bei Alles Mannheim bisher ignorierte.

Die gesteigerte Aufmerksamkeit für dieses Anwesen erklärt sich dadurch, dass die Afd-Partei hier regelmäßig Veranstaltungen abhält und nun gut, wer Jagd auf die Kanzlerin macht, trifft sich im Schützenhaus. Apropos: Treffen sich zwei Jäger… Im Ernst, diese Partei wäre nichts für mich. Es gibt gute Gründe, unzufrieden zu sein, aber dieses Sammelbecken für Unzufriedene ist durch ihre Wahlerfolge zur geöffneten Büchse der Pandora geworden und keiner ist mehr in der Lage, die Macht- und Gewaltfantasien ihrer Mitglieder und Sympathisanten einzufangen. Ich halte dem Vorstand der Mannheimer Afd allerdings zugute, dass er sich wenigstens zur biederen Partei-Mitte bekennt, die mit folgenden Worten den hochkantigen Rauswurf des Thüringer Parteikollegen Höcke fordert: „Dieser komplett aus den Fugen geratene Größenwahnsinnige verrichtet ein einzigartiges Zerstörungswerk in Deutschland, indem er die Afd […] für breite Wählerschichten unwählbar macht.“ Und weiter: „Eine Höcke-Afd wäre eine rechtsextreme Partei[…] Es ist die Aufgabe eines jeden, der aus der dunkelsten Zeit unserer Geschichte gelernt hat, egal ob innerhalb oder außerhalb der Afd, Flagge zu zeigen und mit aller Kraft dafür zu streiten, dass das niemals geschieht.“ Dieser Forderung komme ich hier gerne nach und besser hätte ich es kaum raushauen können, aber dann schießt eben auch gleich wieder einer quer und hält eben diesen Höcke für das Beste an der ganzen Afd. Nein danke. Übrigens wurde das deutsche Schützenwesen in das UNESCO Verzeichnis immaterielles Weltkulturerbe in Deutschland aufgenommen, wie auch das Singen der Lieder der deutschen Arbeiterbewegung. Aber ich glaube, mit Leitkultur meint die Afd was anderes. Jedenfalls, zur Sonne, zur Freiheit werden uns diese Leute nicht führen. Eher hinters Licht, wo es dann dunkel wird. Demokratie gilt ihnen ja auch nur als Mittel zur Anhäufung von Macht. Und was für einen Sieg kann ich denn erringen, wenn ich nicht gegen ungerechte Kapital- und Besitzverhältnisse, sondern gegen Migranten kämpfe. Lächerlich. Und das Geld wollen sie nach nationalistischen Kriterien verteilen, anstatt die Macht des Geldes zu brechen. So wird das nichts mit der Evolution. Verarschen kann ich mich selber. Aber bevor jetzt die Zeit hier anfängt rückwärts zu laufen, fahr ich mal lieber weiter.

Schützenhaus

(331) 11.2018

Vom Wasserturm

3 Nov

329 Artikel über Mannheim und nun erst vom Wasserturm, Mannheims Blickfang und Wahrzeichen Nummer 1? So langsam mache ich mich verdächtig und das völlig zu recht. Zeitlebens Mannheimer, den Turm täglich vor Augen, erfasst mich doch immer wieder ein Befremden bei seinem Anblick. Gleichwohl will ich voranstellen, den Wasserturm zu lieben, wie es mir von Kindesbeinen an beigebracht wurde und auch wir haben unseren Kindern gelehrt ihn zu lieben. Es ist wahrscheinlich vielen Mannheimern so, dass sie ihn lieben und wie ich, ihn lieben müssen, obwohl für sich genommen der Mannheimer Wasserturm ganz und gar unerträglich erscheint. Man wird ihn also auch lieben, um seiner Unerträglichkeit zu entkommen.

Nicht seine ehemalig wohltuende Funktion zur städtischen Wasserversorgung ist hier Anlass der Ausführungen, sondern die Fassade, die Hülle, die dieses technische Bauwerk umgibt. Als sich die Stadt Mannheim für den Entwurf des gerade mal 23 jährigen Stuttgarter Architekten Gustav Halmhuber entschied, befasste man sich in Paris mit der kühnen Konstruktion des Eiffelturms. Das Einreichungs-Motto für unseren Turm „ars longa, vita brevis“ („Die Kunst ist lang, das Leben kurz.“) hauchte noch den Atem des studentischen „Gaudeamus igitur“ (lateinisch: Lasst uns also fröhlich sein!), doch nicht jugendlicher Aufbruch in die Avantgarde, sondern Bewunderung für Kaiser und imperiales Machtstreben schien unseren Architekten zu faszinieren und so entwarf er monumental im altrömischen Stil, mit behelmten Sphinxen links und rechts, die den Gedanken an erfolgreiche Eroberungen ferner Länder und Kulturen verkörperten. Schließlich hatte sich zu jener Zeit in Deutschland und auch in Mannheim der Ruf nach einem „Platz an der Sonne“ durchgesetzt, wie die Kolonialpolitik damals euphemistisch beworben wurde. Es war auch diese Überheblichkeit, gepaart mit der Verherrlichung des Militarismus, die geradewegs in den ersten Weltkrieg führte. Herausgekommen ist aber zunächst ein plumpes Bauwerk, das schon damals als runde Grabkapelle kritisiert wurde, in gelben(!) Sandstein. Die Planer der noch zu gestaltenden Friedrichplatz-Anlage waren gewarnt und versuchten zu retten, was kaum zu retten war, verwendeten kontrastreich roten Buntsandstein und versuchten das mißglückte Bauwerk so gut wie möglich einzubinden und aufzuwerten.

Lange habe ich nachgedacht, was genau Ursache für seine Hässlichkeit ist. Es ist das Fehlen jeglicher Dynamik am formprägenden Mittelteil des Turms, keine Verjüngung nach oben, nicht die leiseste Krümmung in der Senkrechten, die etwas Spannung gebracht hätte, die pure Starrheit, die man heute bei Dunkelheit notdürftig durch Licht zu kaschieren versucht, völlig vergeblich dies aber bei Tageslicht, wo er umso beharrlicher seine einfältige Dumpfheit zu verströmen scheint und auch die stumpf kegelförmige Kupferhaube vermag daran nichts zu ändern.
Der Architekt, der inzwischen in Berlin am Reichstag und später an Siegerallee und Kaiser Wilhelm Denkmal mitarbeitete, mag seinen Fehler geahnt haben. Es ist nicht bekannt, dass er zur Einweihung anwesend war. Was tun also, um heute Pein und Fremdscham zu begegnen? Abreißen ist keine Option, wir können ja nicht so tun, als hätte es in der Vergangenheit nie Fehler gegeben und schließlich steht der Turm unter Denkmalschutz, was wir dann auch getrost als Aufforderung wörtlich nehmen sollten: Denk mal! Dies weist uns nun den Weg aus misslicher Lage und nur so können wir frei seine Gestalt hinnehmen als das, was sie wohl ist, die Geschmacklosigkeit eines politisch-historischen Irrwegs und nur so gehe ich nun seine Stufen zum Balkon hinauf und geniesse die bescheidene Weitsicht, die er mir bietet.

Vom Wasserturm
Friedrichsplatz
68161 Mannheim

(330) 11.2018

Löbel

12 Jun

update 30.07.2017: Nikolas Löbel zieht seinen Eichbaum-Sixpack aus der Werbung zurück. Eichbaum will politisch neutral bleiben! Löbel klebt weiter fleißig Plakate und Nubes scheint den ungleichen Wettkampf nun zu verlieren. Löbels Strategie: Ich hör erst auf euch zu nerven, wenn ich im Bundestag sitze…

_ _ _

Für Nikolas Löbel, dem aufstrebenden stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Mannheimer CDU Gemeinderatsfraktion, gibt es eine Lieblingsverodnung. Sie findet sich als Abschnitt 3 Punkt 14 Teil B im Mannheimer Stadtrecht. Diese erlaubt es politischen Parteien, Wählervereinigungen, Gruppierungen und Einzelkandidaten/Innen, also auf jeden Fall ihm, eigene Werbeträger bis zum Größenformat DIN A0 aufzustellen. In Mannheim eine Sonderregel. Für gewöhnlich darf hier Werbung nur auf Litfaßsäulen oder für eine gehörige Portion Geld auf die berühmten Mannheimer Stimmgabeln gebappt werden.
Amt und Würden verschaffen unserem tapferen Mann nun aber ein Privileg, seinen Namen und sein Konterfei zu jeder (meist selbst geschaffenen) Gelegenheit ins öffentliche Stadtbild zu schieben und er nutzt dieses Privileg zu meinem Leidwesen wie kein anderer grandios aus. Ob ein Fassbieranstich mit Bundestagspräsident Lammert, oder aktuell gerade sein Wunsch auf Grillpartys eingeladen zu werden, kaum ist das eine Plakat entfernt, kommt schon das nächste. Aber mal ehrlich, Bier trinken, grillen… ist das der Stoff, aus dem bei uns Helden gemacht werden? Komm Nikolas, wir gehen mal ein bisschen härter ran. Wie wär’s: Günstige Wohnungen suchen mit Nikolas Löbel, oder gut bezahlte Jobs finden mit Nikolas Löbel? Und wenn dann durch deine volle Aufopferung viele Wunder geschehen sind, dann wirst du zur Legende! Und dann können wir uns auch die doofen Plakate sparen.
A working class hero is something to be… tadadi, tadadi…

Löbel
Mannheimer CDU Politiker, Plakatierer

(274) 06.2017

 

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