Tag Archives: Bar

Binokel

4 Feb

Die massiven Bombenabwürfe im 2. Weltkrieg haben in Mannheim nicht viel Gemütlichkeit übrig gelassen, wenn sie denn überhaupt einst in den bürgerlichen Cafes anzutreffen war und es vielleicht nicht doch nur stocksteif zuging in Gebäuden, die nach dem herrschendem Zeitgeist im Stil des Historismus erbaut waren. Hinsichtlich dieser Historie finden wir in O1 eine Einkehr mit Alleinstellungsmerkmal in der Innenstadt. Belle Époque nennen wir jedenfalls etwas schmeichlerisch die damalige Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts und sogleich stehen uns die 2011 zum Weltkulturerbe erhobenen Wiener Kaffeehäuser vor Augen, aber natürlich auch Pariser Bistros. Also geht’s hinein ins Binokel an den Kapuzinerplanken, das uns tatsächlich mit dieser nostalgisch romantischen Atmosphäre empfängt, als hätte es Kriege nie gegeben und uns Platz nehmen lässt auf dunklen Kaffeehausstühlen, hier große Spiegel, da ein verspieltes Deckenfresko, ein Sandsteintor an hoher Wand und alles mit einer gehörigen Portion Patina, damit wir nicht unnötig fremdeln, sondern uns sogleich heimisch fühlen und eigentlich könnten wir noch den Lärm des Mannheimer Bierkrawalls vernehmen, als 1873 eine deftige Bierpreiserhöhung die Mannheimer Proletarier auf die Straßen trieb gegen die Ungerechtigkeit des Großkapitals , oder uns in Erinnerung rufen, dass auch die Wiener erst durch die Türken zum Kaffee kamen. Doch schon blättere ich in der Karte (im Nachhinein betrachtet müsste ein Croque Monsieur drinstehen), ein Spiegelei bitte, jedenfalls froh, asiatischem street food entkommen zu sein, das ich eigentlich mag wenn´s gut gemacht ist, doch dabei insbesondere den Umstand vermieden, hinter einer großen Glasscheibe zu sitzen, präsent am Platz, als wäre die Stadt ein Großraumbüro und somit zufrieden, hier ein kleines Versteck gefunden zu haben. Aber ich merke schon, ihr müsst weiter und ich schweife aus, ich schweife ab, auch wenn dies sicher ganz im Sinne des Binokels ist, das uns mit seinen grade mal ein paarunddreißig Jahren sehr angenehm irgendeinen Charme der letzten 150 Jahre vorspielt. Abschweifen ist schließlich ein Vorrecht der Freizeit und die ist hier, während ich ausnahmsweise mal zur Mittagszeit frühstücke, doch einigermaßen gut verbracht. Also, wenn ihr gehen wollt, ich bleib noch.

Bistro Binokel
Café – Bistro – Bar
O7, 1
68161 Mannheim
Fon: 0621-23074
Fax: 0621-1289686

(300) 02.2018

KAZZWOO

27 Sep

Was um Himmels Willen versteht man unter Jazz? Und was zum Teufel ist eine Jazz-Bar? Bei Wikipedia steht über Jazz, ursprünglich ein sozial abwertender Begriff, dass er nach Miles Davis eigentlich Great Black Music heißen sollte, also nix für die AFD und tatsächlich für mich in erster Linie schwarz, Billie Holiday, Ella Fitzgerald, Herbie Hancock, Sun Ra, Louis Armstrong, Oscar Peterson, Charlie Parker, … treibend, pulsierend, wie Miles Davis´Fahrstuhl zum Schafott, urban verdichtet, kommunikativ, ebenso kollektiv wie individuell, sodass Programmierer, die perfekte Schachroboter basteln, am Bau einer Jazzmaschine scheitern, weil im Grunde viel zu menschlich, weil vom Körper abhängig, bis sich rauschartig etwas verselbstständigt, sich ablöst, einem befreiendem Höhepunkt zustrebt zur Herrlichkeit, oder manchmal auch gar nicht zustrebt, sondern traumverloren in einem dunklen Blau in irgendeiner Ecke in Einsamkeit, oder mitten auf der Bühne, jedenfalls mit Schweißtropfen im Scheinwerferlicht vor, nach oder um Mitternacht als langgedehnte Note, als letzter Ton vibrierend wie ein Kolibri in der Luft steht und dann sanft in ein Whiskeyglas plumpst. Verdammt, was also ist eine Jazz-Bar? Ja, wahrscheinlich das nicht, aber schau halt mal selbst rein. Beim Atlantis um die Ecke, vielleicht nach´m Kino, dann gibt´s sogar Nachlass.
´
Kazzwoo
Jazz Café Bar
K2, 23
68159 Mannheim
0621 – 4480776

(285) 09.2017

Hagestolz

16 Aug

Eine Beschreibung des Hagestolz in einem Tonfall überschwänglicher Begeisterung wäre zwar berechtigt, ist aber ebenso unpassend wie eine nüchterne Betrachtungsweise, denn erstens handelt es sich um eine Bar, die zweitens, stolz in ihrem Namen trägt.

Hagestolz

Mit konzentrierter Leidenschaft und gebotener Ernsthaftigkeit arbeiten die drei Jungs hart an der Erzeugung von Genuss und Rausch. Dass beim Mixen der Genussgifte nicht nur die Mengenverhältnisse, sondern auch die Qualität der Mixturen entscheidenden Einfluss auf die Sinne nehmen können, wird wohltuend beherzigt. Angesichts der hier gezeigten Kreativität lasse ich mich nun zu einem kleinen Wortspiel mit den nach handwerklicher Perfektion strebenden Shakern verleiten, denn auch im Ambiente und mit der selbstgebauten Bar beweisen die drei Hagestolze jede Menge Talent und Traditionsbewusstsein, betreiben sie doch in der ehemaligen Schifferbörse das älteste Schanklokal im Jungbusch in ungebrochener Folge und dies zur Freude ihrer zahlreichen Gäste. Hut ab.

Hagestolz
Jungbuschstraße 26
68159 Mannheim

(170) 08.2014

Hotelbar Speicher 7

18 Jan

Speicher7_Bar

Gemütlich ist´s. Drinnen sind die schweren Stoffvorhänge vor den großen Glasfronten zum Rhein wegen der hellen Nachmittags-Sonne teilweise zugezogen, also nichts zu spüren von der Kühle einer Hotellobby aus den Gemälden Edward Hoppers. Sofort bekannte Gesichter getroffen, begrüßt und gemeinsam Platz genommen. Die Ausstattung lässt uns rasch glauben, wir säßen in der Bar eines Hafens an irgendeinem der sieben Weltmeere, statt am Rhein. Nicht geschäftlich, auf Urlaub. Die Athmosphäre im Entschleunigungs-Modus. Manche Mitarbeiter des freundlichen Teams können sich dem nicht entziehen, so dass die, eigentlich heiße, vorzügliche Schokolade bereits wieder in den Erstarrungszustand überzugehen droht, als sie bei uns ankommt. O.k. das war ein Scherz, aber eine Aldi Verkäuferin muss ganz ohne Witz in der gleichen Zeit sämtliche Obstkisten umpacken. Nun, wir fühlen uns hier nicht gedrängt.

Beim Gang zur Toilette erfahre ich durch aufgestellte Faltkarten, dass Hotelbetreiber Jürgen Tekath Analphabet war und nun Unternehmer ist. Ich möchte das nicht schmälern und wollte es auch gar nicht wissen, doch verspüre ich dahinter etwas, das mich gegensteuern lässt, trotzdem es gar keine Kurven zu geben scheint. Der Punkt ist: Ich glaube nicht daran, dass jeder alles erreichen kann und wenn ich weiter nachdenke, bekomme ich Zweifel an der Frage, ob ein Mensch etwas erreichen muss und unbewusst provoziert mich das Bild von Mahatma Gandhi als Interieur und die 7 Todsünden der westlichen Welt neben dem schönen Spülstein. Diese mit viel Zuwendung und Kreativität hergestellte Ästhetik, die Industrie-Utensilien, fernöstliche Gottheiten, Zeichen der Askese und Angesammeltes werfen ein schimmerndes Netz zur kunstvollen Verschleierung. Da ich Verschleierung sage, erahne ich die Existenz einer anderen Wirklichkeit und zu all den Weisheiten, Wahrheiten und Wirklichkeiten kommt nun auch die Täuschung und auch meine Selbst-Täuschung, denn natürlich(?) gebe ich mich gerne Reizen hin, sitze bequem, genieße und verdränge nach Kräften und alles will bezahlt werden und es braucht Kaufkraft, die ich erreichen muss, weil ich vermeiden will, unangenehme Dinge zu erleben und ist es denn so, dass das Bedürfnis nach Entschleunigung durch die beschleunigten Verhältnisse um mich herum entsteht, die aber im Grunde durch unseren Aufenthalt hier gar nicht verändert werden, hat aber doch Gandhi durch seine Bewegung etwas verändert, nicht für sich, sondern für das Volk?

Als ich an unseren Tisch zurückkehre, bemerke ich, dass einige Nachbartische für den Abend schon reserviert sind. Draußen auf dem Deck haben Sonnenfreunde ihren Versammlungsort gefunden. Ich bewundere dort nochmal die Bauholzmöbel und dann ein Blick nach oben zu einem kleinen goldenen Balkon. Keine Frage, ich finde es großartig, dass der Mannheimer Architekt Andreas Schmucker und Jürgen Tekath diese traumhafte Sache mit dem ehemaligen Getreidespeicher verwirklicht haben, statt phantasielose seltsame Investorengruppen mit dem Geld anderer Leute. Den European Hotel Design Award 2013 haben sie gewonnen, Bundespräsident Joachim Gauck war schon da und ja klar, wir halt, jedenfalls in der Bar, eben auch.

Speicher 7
Hotelbar Mannheim
Rheinvorlandstraße 7
68159 Mannheim

Tel +49 621 122668–0
Fax +49 621 122668–99

(118) 01.2014

Lara´s

3 Nov

– update 29.02.2016 – Lara´s hat leider ohne große Vorankündigung nach 11 Jahren zu gemacht. Hm.

Laras2

Und wie isses so daheim? Auch nicht immer super. Und im Lara´s?

Wie Brasserie und Cafe Bar. Notwendig wie ne Ecke. Als wärst du woanders und es ist doch nicht dein Wohnzimmer. Als wären nicht alle Tage gleich. Als würde ein anderer Wind wehen. Als würde gar kein Wind wehen, als könnte man draußen sitzen, in der Lameystraße. Als wäre Sommer,- provenzialische Küche -, Berliner Weiße mit Schuss. Als wäre Winter, Pilze und Salate, als wäre Frühling Kressesuppe. Als wäre Fußball wichtig, wenn´s sein muss Fernseher an. Als wären Gespräche wichtig, Musik nicht zu laut. Als wäre ein Bier frisch: vom Fass. Als würde man sich Kennen, die Bedienung. Als wäre die Theatervorstellung zu Ende, ein Nahziel. Als gäbe es Rendezvous, mit Kerzenlicht. Als könne man wiederkommen, Stammlokal.
Als wäre es so: Als würde ich es lieben.

Lara’s Café-Bar
Lameystraße 15
68165 Mannheim
T: 06 21 – 9 78 40 99
F: 06 21 – 9 78 40 98

(98) 11.2013

Laras

Dolceamaro

7 Mai

dolceamaro

Ein Privileg, so belehrt uns der Duden, ist ein dem Einzelnem oder einer Gruppe vorbehaltenes Recht. In der Tat fühlen wir uns als Gäste des Dolceamaro an diesem vorzüglichem Ort begünstigt, gegenüber den vorbeilaufenden mit Einkaufstüten Beladenen, denen wir freilich nur so lange unser Mitleid gewähren, bis diese sich selbst hier niederlassen. Die Rede ist von der Sonnenseite. Nach Süden gelegen also, in direkter Nachbarschaft zum französisch, kolonialem Cafe´ Flo glänzt das Dolceamaro mit italienisch, römischer Eleganza unter den Arkaden. Große Glasscheiben gewähren einen Blick auf die stilvoll, prächtige Ausstattung im Inneren des Cafes und man möchte zu Unverständnis neigen angesichts der Offerte, den Kaffee einfach auch mitzunehmen, besäße man nicht die Kenntnis, dass auch die Bediensteten der städtischen Abfallwirtschaft gerne und häufig vorbeikommen, um, wenn es ihr hoheitlicher Auftrag schon nicht zuläßt, mit der gebotenen Muße zu verweilen, so doch wenigstens einen guten italienischen Caffee zu genießen. Warum auch sollte la dolce vita nicht zumindest für die Dauer eines Espressos jedem geboten sein?

dolceamaro
Unter den Arkaden
Friedrichsplatz 13
68165 Mannheim
T. 0621 72492020

(53) 05.2013

Blau, Jungbusch

14 Mrz

BlauWenn auf einem handgeschriebenen Etikett Grappa, Grappa, hey! steht, ist die Ansage so klar wie der Inhalt der Flasche da hinter dem Tresen. Wir sind im Blau, im Jungbusch, live! Hier feiert Wreckless Eric …Mänheim… Mänheim.., schüttet Binoculers ihr Herz aus, bekommst du einen great big kiss von Shotgun Party und setzen die Drunken Pilots zur Gitarrenbruchlandung an. Gut möglich, dass ein Gast mit dir anstößt, einfach weil du gerade so rumstehst. Eben hat Seth Faergolzia -Dufus aus New York sein bereits drittes Konzert im Blau beendet. Der Tischkicker ist wieder frei. Nicht mehr lange. Ein paar Hip-Hop Jungs, denen die Shots im Hagestolz  zu teuer sind, amüsieren sich über einen Typen, der sein Glas in zunehmender Schräglage hält, bis er es verschüttet. In der hinteren Ecke verkauft mir Seth im selbstgenähtem Antifolk-Kostüm ein T-Shirt aus seinem knallroten Trolli-shop, neben mir eine interessierte Studentin der Popakademie, wir alle saugen hier Rock´n Roll High-School Luft ein. Schließlich machen sich kostümierte Affen bereit zur shake it wild party. Der Laden wird langsam voll. Unglaublich, dass der Typ mit den nassen Schuhen wieder mit einem frisch Gezapftem dasteht… Lange Zeit bevor Ingo Zielske das Blau eröffnete, waren wir schon Freunde und Weggefährten. Einmal sagte er mir: „Du denkst manchmal zu viel, … zu kompliziert.“ – Mist. – Ja, da mir diese Erkenntnis jetzt wieder in den Sinn kommt, wird es noch schwieriger, seriös zu formulieren über das Netzwerk im Jungbusch, die Leidenschaft, das Nichtkommerzielle oder zu beschreiben, wie klein aber bedeutend das Blau eigentlich ist. Unvermittelt, über den ganzen Trubel hinweg, ruft irgendjemand einfach: „Saugeil!“

BLAU
Jungbuschstraße 14
68159 Mannheim
Tel. 0621-153271

Öffnungszeiten

Mittwoch-Donnerstag
20:00 – 3:00
Freitag + Samstag
20:00 – 3:00

(43) 03.2013

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