Archiv | Kino, Kunst, Kultur RSS feed for this section

Stadthaus

24 Feb

Lassen wir beiseite, dass da, wo das Stadthaus steht, einmal ein „altes Kaufhaus“ stand mit der berühmten Mannheimer Symmetrie. Das wurde weggebomt und der Wiederaufbau scheiterte im Bürgerentscheid trotz großer Mehrheit denkbar knapp an einer zu geringen Wahlbeteiligung. Solche Stadthausstreitereien gab es auch in anderen Städten. Nein, was mich vollkommen aufschreckte und aus meiner so arglosen wie selbstzufriedenen Internetsurferei herausriss, waren diese grottenschlechte Google-Bewertungen für das Stadthaus, auf die ich, wie gesagt, rein zufällig stieß. Ich fragte mich sofort, ob die in N1 eingebundene Gastronomie verantwortlich wäre, jemand im East vom all you can eat nicht satt wurde, oder in der N1 Lounge kein Platz frei war, oder der Tequila in der Azteca Mexicana zu Gemüte schlug, doch nichts dergleichen. Auch bei Trip Advisor belegt das Stadthaus in der Rubrik Sehenswürdigkeiten einen schockierenden letzten Platz. Wie konnte das geschehen? Mannheim ist eine moderne Stadt, die üblicherweise keinen Vergleich zu scheuen braucht. Jedenfalls erschien mir die Sache so bedeutend, der Anlaß also groß genug, um mich unverzüglich zu einem Ortstermin einzufinden. Schließlich kann ALLES MANNHEIM die öffentliche Diskussion nicht allein Spießern und Kulturbanausen überlassen. So lautet das Ziel der Aktion: Rettet das Stadthaus!

Schon von der rückwärtigen Ansicht aus erscheint mir das Stadthaus als die gelungenere Version des Centre Pompidou. Bei freiem Eintritt wartet es gleich im Erdgeschoß mit einer atemberaubenden Installation auf, die sich mit der jüngsten Geschichte der Stadt auseinandersetzt. Mit der Nachgestaltung der legendären Borelly Grotte, die ja aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr besichtigt werden kann, provoziert der Durchgang einerseits Erinnerungen, geht aber über das bloße Betrachten hinaus und erzeugt durch geschicktes Wechselspiel von Raum und Licht beim Besucher eine beschleunigte Dynamik seines Bewegungsapparates und lässt ihn somit auch durch körperliche Erfahrung an unserem kollektiven urbanen Gedächtnis teilhaben.

Neugierig strebe ich über eine schöne Außentreppe, die formprägender Teil der Architktur ist, zum Plenum, wo mich nicht zufällig neben dem Ratssaal die Installation Pferd, Flur, Demokratie erwartet, welche die großen politischen Fragen unserer Zeit thematisiert. Die geschickt im Raum angeordneten Rundsäulen verweisen auf Athen als Ursprungsort einer demokratischen Stadtgesellschaft, mahnen aber durch das bunt aufgestellte Pferd an Trojas Schicksal und den Gefahren des Lobbyismus. Stark! Eine leere, verglaste Wandnische mit dem Titel „Zu vermieten“ des Künstlers D&S sollte hier nicht als Kontrast, sondern als wohltuende Ergänzung verstanden werden.

Durch ein Hinweisschild werde ich schließlich noch auf einen kleinen Nebenraum aufmerksam. Glücklicherweise muss ich sagen und wundere mich, dass sich hier keine Schlangen bilden. Fast humorvoll, jedenfalls mit grosser Könnerschaft wird Bezug genommen auf Mannheims Tradition der neuen Sachlichkeit und deren späteren Transformation von Kunst als visuelle oder gar plastische IDEE. Ein Readymade, das mit scheinbarer Leichtigkeit den Bogen von Marcel Duchamp zu Piet Mondrian schlägt und sich dabei unter Einbindung von Quadraten und den Mannheimer Farben als großes Geschenk an Mannheim und seine Bürger entpuppt. Völlig verständlich, dass dieser Raum ständig bewacht werden muss. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Einziger Wermutstropfen die Stadtbücherei im oberen Stock, aber die soll ja bald dort ausziehen. Mein Votum: fünf von fünf Sternen und völliges Unverständnis über jegliches negative Ranking. Wer nach Mannheim ins Stadthaus kommt, sollte wissen, dass er weder repräsentativen Kitsch erwarten kann, wie vielleicht in Zürich, noch dass er es sich umrahmt von gefallsüchtigen Bildern auf Bänken bequem machen kann, statt mühevoll die sogenannte Realität zu entschlüsseln.
Nein, Mannheim ist und bleibt die unbequeme Arbeiterstadt. Aber dass wir uns nicht missverstehen, liebe Freunde und Besucher, die Arbeit, die fängt bei uns manchmal im Kopf an.

Stadthaus
N1
68161 Mannheim

(303) 02.2018

Stadt.Wand.Kunst

17 Jul

Um es klar zu sagen: Ich mag den Zeichenstil von Mehrdad Zaeri und habe ihn hier ja auch schon in zwei Beiträgen gewürdigt. Genießen wir also zunächst einmal die liebevollen kleinen Details seines großen Wandgemäldes in B6,4, bevor wir uns dem Unbehagen und den Widersprüchen widmen.

Ich find´s schon toll, wie er die bereits vorhandene braune Fassadenfarbe wie einen Zeichenkarton einsetzt.

Stadt.Wand.Kunst ist eine Kulturinitiative der Alten Feuerwache, der GBG, der Stadt Mannheim und Montana-Cans. Die Idee ist, eine öffentliche Gallerie zu errichten mit freiem Eintritt. Aktuell gibt es glaube ich schon 14 Wandgemälde, manche nur temporär. Nun ist Kunst ein zu großes Wort, als dass ich es hier fassen könnte und auch mit Abhandlungen über die Bedeutung und Aufgaben von Museen und Galerien lassen sich ja Regalwände füllen. Eine übliche Gemäldegalerie hat ja zunächst einmal den Vorteil, dass ich hineingehe um bestimmte Bilder zu sehen und dann auch wieder rausgehe. Das funktioniert im öffentlichen Raum ja so nicht. Und natürlich könnte es in Museen an einem Bürgertag in der Woche für alle Mannheimer freien Eintritt geben bis 22 Uhr und für Kinder und Jugendliche bis 25 Jahren sowieso immer. Warum also Stadt.Wand.Kunst?

Die Stadt der Zukunft ist die Stadt der Kreativen, heißt es. Die Konkurrenz der Städte untereinander erfordert Strategien im Kampf um Attraktivität und Investoren. Kunst ist Mittel zum Zweck und natürlich, bei den großflächigen Wandgemälden, den sogenannten murals ist die Frage nach Kunst als Fassade regelrecht angelegt. Eine beauftragte Kunst mit Schauwert, zum Bestaunen und Erbauen, die bei ihrer Größe auch immer etwas totalitäres für mich mitschwingen lässt.

Die GBG, Mannheims größte Wohnbaugesellschaft, die vor kurzem noch gegen den Widerstand der Bewohner den Abriss eines Wohnblocks durchzog, um ihn durch teurere Wohnbauten zu ersetzen, wirkt hier als großzügiger Partner der Kreativen. Der Rest lässt sich in Handbüchern zur Gentrifizierung nachlesen. Was aber hat Kunst nun mit mir zu tun, während ich so heraufschaue? Werde ich als Teilhaber des öffentlichen Raum wahrgenommen, bin ich Teil des Kreativprozesses? Kann ich vertauen? Wenn ich falle, fangt Ihr mich auf? Sorgt ihr dafür, dass ich nicht falle?

Vielleicht willst du uns, lieber Mehrdad Zaheri, aber diese Geschichte erzählen: Der Käfig, der viel zu klein war, ist nun offen. Die Vögel sind groß, aber keiner weiß zu fliegen…

Stadt.Wand.Kunst
Mannheims begehbares Museum im urbanen Raum

(279) 07.2017

Schaufenster 40

4 Jul

Köpfe von Ingo Lehnhof, ausgestellt im Schaufenster des Blumenfressersalons der Künstlerin Ana Laibach.

Schaufenster 40
Blumenfressersalon Ana Laibach
R7, 40
68161 Mannheim

(277) 07.2017

Bloomaulorden

5 Mrz

Dieser Artikel kommt ja hinnerher wie die alt Fasnacht. Aber er wird auch wieder top aktuell, denn der Bloomaulorden wird seit 1970 jedes Jahr, immer am Fastnachtsonntag, verliehen. Alla, was solls.

img_1542

Für die Pfälzer ist ein Bloomaul einfach än Mannemer. Für Mannemer hingegen ist Bloomaul ein erstrebenswerter, wenn nicht sogar der einzig lebenswerte Zustand. Ein Bloomaul steht mit beiden Beinen auf dem Boden, ist mit sich im Reinen, ist nicht hinnerum, lässt Humor durchblicken und trumpft auch mal gerne auf. All dies eigentlich immer und überall. Bloomäuler haben naturgemäß das Herz am richtige Fleck, die Zunge ist ihnen nicht festgewachsen, sie sind mutig, wissen sich zu helfen und man kann sich auf sie verlassen. Um Bloomaul zu sein ist Herkunft und Dialektbeherrschung nicht entscheidend, wenn auch hilfreich. Vielmehr muss irgendwann der Bloomaulgeist in den Menschen hinein gefahren sein, entweder gleich bei der Geburt oder halt später. Dies geschieht wie durch ein Wunder nur in Mannheim. Deshalb finden wir hier auch die größte Dichte an Bloomäulern, ca 79.000. Weltweit verteilt gibt es geschätzt knapp 324.500. (Stand 2008)

img_1543

Kommen wir zu den Bloomaulordenträgern. Diese besitzen die üblichen Bloomauleigenschaften und sie sind auch noch abwechselnd musikalisch, sportlich, geschäftlich erfolgreich, politisch aktiv, dabei net von oben herab und feiern wie alle Bloomäuler auch mol gern. Wenn ein Bloomaul seinen Orden bekommt, lässt es sich natürlich auch feiern. Der Bloomaulorden ist nämlich die höchste Auszeichnung, die ein Bloomaul bekommen kann. Eine drei köpfige Jury um den Mannheimer Morgen herum wählt den oder die Preisträger/in und des kann natürlich nur jemand sein, der sich schon ausreichend bekannt gemacht hat, sonst täten die den ja net kenne, aber des is normal. Die meisten Bloomäuler legen eh kän besonnere Wert uff Orde, wobei ich sage muss, mir gefallt er, von der Gestaltung her, aber er is eher was zum hiestelle als zum um de Hals hänge. Im Gegesatz zum Schicki-Micki Oskar ist er net goldisch glänzend glattpoliert, sondern der Bildhauer Gerd Dehof hat ihn än bissel verkrumpelt und mit Ecke und Kante geformt. Außerdem ist er net vergoldet, sondern glei in Bronze gegosse, damit känner mähnt sage zu müsse, es ist nicht alles Gold was glänzt. Weil des is denne Bloomäuler sowieso schun hinlänglich bekannt.

Bloomaulorden
Mannheims höchste Auszeichnung
(Die Fotos stellte freundlicherweise Bloomaulordenträgerin Helen Heberer zu Verfügung, herzlichen Dank!)

(263) 03.2017

Monnembike

6 Feb

20170204_152327

Liegt der besondere Reiz Mannheims nicht auch in seinen Widersprüchen? Und wie wird man sich einig als Stadt der Erfindungen, wo so Vieles seinen Anfang nahm? Das Auto, der Traktor und das Fahrrad. Feiern, feiern feiern. Alles feiern, auch wenn´s im Alltag nicht immer gut zusammengeht. Doch wir arbeiten daran. Immerhin haben wir ja auch schon seit langem erfolgreich unsere Fußgängerzone und die Straßenbahnlinie zusammengeführt.
Gut, ein schmalziges Video der Söhne Mannheims zum 200. Jubiläumsjahr von Karl Drais´ Laufmaschine hätte jetzt nicht sein müssen. Ich persönlich stehe ja immer immer noch auf den durchgedrehten Bike-Song von Pink Floyd. Aber schaut euch doch nur mal dieses göttliche Bonanza-Rad an, das in der Sonderausstellung im Technoseum steht. Da bekommt man doch Lust, die Quadrate so richtig rund zu machen. 2017 gibt es jedenfalls unter dem Begriff Monnem-Bike eine Menge Gelegenheiten dazu. Vom abgefahrenen Fahrradkino bis zur großen Geburtstagsparty im Juni.
Also, haut rein in die Pedale und gebt bitte acht!

Monnembike
Jubiläumsjahr 2017 anlässlich der Erfindung der Laufmaschine durch Freiherr von Drais in Mannheim

(257) 02.2017

Zeughaus

21 Jan

20161230_160306

Das Zeughaus gab es ja schon zu meiner Kindheit, na ja, eigentlich stammt es sogar aus der spät kurfürstlichen Zeit und war ursprünglich eine Kaserne. Draußen der Exerzierplatz und drinnen die ganzen Waffen und das Rüstzeug, Zeugs eben. Jedenfalls glaubte ich als Kind, das Zeughaus hieß so, weil es etwas bezeugt, also Zeugnis von etwas gibt und dachte gar nicht an Waffen, sondern es war klar das Museum. Ich wußte damals nicht genau, was ich von Museen halten sollte. Im obersten Stock stand eine Indianerfigur mit Kopfschmuck, in einer Vitrine glaub ich, und der Federschmuck wirkte irgendwie so alt, das mochte ich nicht, obwohl ich Indianer eigentlich ja schon ziemlich gut fand. Dann gab es einen Schrumpfkopf, der war gruselig, den mochte meine Mutter nicht, ich mochte ihn dann auch nicht. Viel viel später fand eine große Schädelausstellung statt, da bin ich aber nicht hineingegangen. Jetzt sind sie glaub ich alle weg, in Kisten verpackt und lagern in irgendwelchen Kellern und Archiven. Wie Kinder heutzutage wohl diese Augen finden? Sie schauen so übergroß aus den Fenstern. Es sind Abbilder der Augen einer Schaufensterpuppe, also die können ohnehin nicht sehen, aber schauen. Es geht ja auch um Schau, könnte man sagen. Zum Beispiel die Barockschau, die ich trotz der furchtbaren Werbung eigentlich ziemlich gut fand. Schon erstaunlich, wie Erfindungen damals die Welt, den Alltag und die Mode verändert hatten und Handelskriege gab es auch schon. Und auch erfundene Länder und Reiseberichte in diese Länder. Gullivers Reisen war so eine Fake-Geschichte. Schon sehr interessant. Wirklich.

Zeughaus
C 5
61569 Mannheim

(256) 01.2017

Erzengel Michael

4 Dez

dsc01545

Da steht er auf der Kuppellaterne der Christuskirche, vergoldet, nach Süden gewendet und bläst wahrscheinlich mit einer Chazozra, eine Art Trompete aus altbiblischer Zeit, die Gemeinde zum Gebet herbei, oder zum jüngsten Gericht, wer weiß. Die Figur überragt übrigens den nahen Wasserturm und anders als beim Friedensengel oder auf Friedhöfen ist ihr ein Schwert in die Hand gegeben. Wie auch immer, in 65 Meter Höhe zeigt sie eine große Strahlkraft und noch dazu eine Engelsgeduld, wenn sich auf ihr eine Rabenkrähe mal eine Rast gönnt. Den Erzengel Michael wie auch weitere Figuren an der Christuskirche gestaltete der Bildhauer Wilhelm Gerstel in den Jahren 1907/ 1908. Die Kirche selbst wurde nach einer Bauzeit von viereinhalb Jahren am 1. Oktober 1911 eingeweiht.

Erzengel Michael
Christuskirche, Werderplatz
68161 Mannheim, Oststadt

(252) 12.2016

STARTUP MANNHEIM

die Stadt auf meiner Seite

MAWAYOFLIFE

Just another WordPress.com site

Kunstblog-Mannheim.de

Ausstellungen in Mannheim und Umgebung

Düsiblog - Matthias Düsi

die Stadt auf meiner Seite

http://urbanhack.tumblr.com/

die Stadt auf meiner Seite

KulturQuer QuerKultur Rhein-Neckar e.V.

die Stadt auf meiner Seite

Marchivum

die Stadt auf meiner Seite

FotoBlog:Mannheim

Daheim ist der Himmel blauer...

Monnemerin

die Stadt auf meiner Seite

Mannheimat

die Stadt auf meiner Seite

POLITKALENDER | MANNHEIM

die Stadt auf meiner Seite

Neckarstadt-Blog

die Stadt auf meiner Seite

Neckarstadtblog

Neues aus unserem Quartier

Mannheim Blog

die Stadt auf meiner Seite

Popklub – Das IndiePopZine

die Stadt auf meiner Seite

Presseportal.de - Blaulicht

die Stadt auf meiner Seite

Mannheim - tactually - Soul Shopping

die Stadt auf meiner Seite

poemcollision

This WordPress.com site is about love - for words.