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Gehring’s Kommode

26 Nov

Für einen Moment streifte der Gedanke, es wäre anmaßend hier über Gehring’s Kommode zu schreiben. Sie, die mit ihren mehr als 40 Jahren schon seit langem eine äußerst ehrwürdige Instanz nicht nur in Neckarau, sondern für ganz Mannheim darstellt. Aber Verschweigen ist ja auch keine Form des Lobs. Und zu loben ist dieser Ort der Gastlichkeit nämlich unbedingt. Im Übrigen scheint mir die Kommode mit der Zeit sogar wertvoller zu werden, denn wir finden hier einen der seltener werdenden Orte der Begegnung, der Kultur, des persönlichen Engagements. Einen Ort, der sich so wohltuend unterscheidet von den immer zahlreicher eröffnenden Systemgastronomien, die, in welchem Gewand auch immer sie daherkommen, mit kühl kalkulierter Effizienz ihre Gäste abkassieren und sie nach erbrachter Leistung den weiteren üblichen Verwertungsprozessen überlassen, ohne ihnen den Ansatz eines Gespräches hierüber zu gewähren.

In Gehring’s Kommode hingegen ist es warm, gemütlich, menschlich und manchmal vielleich auch ein bisschen unkalkulierbar, hier können auch kleine Wunder geschehen. Zum Beispiel auf der Bühne, die sich gerade mal nur eine Stufe vom Publikumsraum abhebt, wenn Kaberettisten über sich hinausgehen, wie gerade Sven Kemmler, der allein durch den Einsatz von Sprache und Mimik sich vor unseren Augen in die verschiedensten Personen aus unterschiedlichsten Kulturen verwandelt, ohne auf Kosten anderer Scherze zu treiben…bravo. Auch Musik spielt von Anbeginn eine große Rolle, ist mit Blues, Folk und Liedermachern eher bei den Wurzeln, doch zum Beispiel mit Jim Kahr oder Timo Gross erstaunlich hochkarätig. Auch für Benny Roos‘ Bloomaulblues sind hier traditionell Termine reserviert. Apropos Mannheimer Musik: Gehring’s Kommmode hatte auch einen nicht unwesentlichen Anteil am Erscheinen des Katalogs Mannem uff Vinyl. Das bereits vergriffene Kultbuch ist die erste umfassende Übersicht Mannheimer Musiker*innen und Bands aus der Vinylzeit und wird und wurde zusammengetragen vom NeKK’99, dem Neckarauer Kunst- und Kulturverein, der eng mit Gehring’s Kommode verbunden ist.
Dass dieser familiäre Betrieb mit einer 1919 in Neckarau eröffneten Konditorei nun sogar 100 jähriges Jubiläum feiern kann, erfahren wir, wie manches andere, auf ihrer Website; vielmehr erfahren wir noch, wenn wir einfach hineingehen.

Gehrings Kommode
Schulstrasse 82
68199 Mannheim – Neckarau
Telefon: +49 621 853669

(371) 11.2019

Die letzte Vorstellung…

9 Nov

Zur letzten Vorstellung des Cinema Quadrats im Collini-Center läuft am 09.11.2019 bei freiem Eintritt allerdings nicht der gleichnamige Film von Peter Bogdanovich, der übrigens im Gründungsjahr des Cinem Quadrats 1971 rauskam, sondern Night on Earth von Jim Jarmusch. Jedenfalls Autorenfilm. Am 30.11.2019 wird das Kino im 3. Stockwerk von K1, 2 feierlich eröffnet. Mal gespannt, wie der Startfilm dann wohl heißt….

 

… währenddessen Nationaltheater, festlicher Opernabend.

(369) 11.2019

Lipsi Rad

11 Jul

Ja, man kann durch das Loch gucken und dann den Wasserturm sehen. Aber es geht auch anders. Wenn ich die Perspektive ein wenig ändere und durch das Gegenlicht einiges ausgeblendet lasse, dann sehen ich ein an die Frühzeit erinnerndes kultisches Objekt, das in der Form etwas sehr Universelles hat. Ein zum Rad gehauener Stein, eigentümlich gewunden, der ganz wundersam mit Kraft und Energie aufgeladen zu sein scheint.

Lipsi Rad
Skulptur von Morice Lipsi 1960
Friedrichsplatz
68165 Mannheim

(360) 07.2019

Jugendstil Fassade

20 Jun

[Mein Leben ist nicht diese steile Stunde,
darin du mich so eilen siehst.
Ich bin ein Baum vor meinem Hintergrunde,
ich bin nur einer meiner vielen Munde
und jener, welcher sich am frühsten schließt]

Rainer Maria Rilke

Jugendstil Fassade
Stresemannstraße
68161 Mannheim

(357) 06.2019

Freie Räume

30 Mai

Lohnt es sich, für seine Rechte auf die Straße zu gehen und sie einzufordern?
Ja, tausende Mannheimer Jugendliche haben das bewiesen, als sie 1972/73 hartnäckig und mit vielen kulturellen Aktionen ein freies und selbstverwaltetes Jugendzentrum erstritten. Dies zeigt der Film „Freie Räume“, der versucht, die Jugendzentrumsbewegung nachzuzeichen und dabei insbesondere das Mannheimer JUZ in den Fokus nimmt, das damals für viele Jugendzentrumsgründungen bundesweit eine Vorbildfunktion einnahm.

Der Dokumentarfilm kommt ganz ohne Kommentar aus dem Off aus und lässt zwischen historischen Aufnahmen die mittlerweile älter gewordenen Akteure, die sich damals der „kapitalistischen Verwertungs-Logik“ widersetzten, zu Wort kommen. Er zeigt, dass die Forderungen an die Politik nicht zu kurz greifen dürfen, um ein Jugendzentrum überlebensfähig zu machen und verfolgt die Entwicklung des selbstverwalteten Mannheimer JUZ Friedrich Dürr aus der zentralen Innenstadtlage hinaus in die Neckarstadt. Auch Probleme werden von den Beteiligten offen ausgesprochen, sowie die Bedeutung, die Jugendzentren in Selbstverwaltung für Mitwirkende wie auch für manche Musikbands haben.

Selbstverwaltete offene Räume, die nicht einem Konsumzwang unterliegen, sind leider die seltene Ausnahme, das wird auch heutzutage bei einem Spaziergang durch die Stadt schnell klar. Gleichzeitig erscheinen sie mir für eine lebendige Demokratie dringend nötig, geschenkt bekommen wir diese aber wohl nicht.
Die Welturaufführung des Films, sowie eine Zusatzvorstellung im Cinema-Quadrat waren ausverkauft. Es folgt noch eine Aufführung am 12. Juni 2019.

Freie Räume
Dokumentarfilm zur Jugendzentrumsbewegung 102 Min.
Tobias Frindt

(355) 05.2019

Barcelona chair

15 Mai

Bauhaus in Mannheim. Zwar hatte Ludwig Mies van der Rohe im Jahr 1953 den Wettbewerb zum Neubau des Nationaltheaters gewonnen, da er sich aber weigerte seinen Entwurf, wie vom Gemeinderat gefordert, zu ändern, wurde dieser nicht verwirklicht. Seine Haltung war verständlich, nach all den Gängelungen durch die Nazis. Mit dem Barcelona Sessel, den er vor 90 Jahren mit Lilly Reich für den deutschen Pavillon der Weltausstellung in Barcelona entwarf, ist Mies van der Rohe dann doch noch ins Foyer des NTM gekommen.
Ich frage mich, was mit den Sesseln zur geplanten Generalsanierung des Theaters geschieht. Hiermit melde ich mich auf jeden Fall schon mal für ein Exemplar an, obwohl ich nicht weiß, ob es sich um die von der Fa. Knoll lizenzierten Originale handelt, denn bei meinem letzten Theaterbesuch scheute ich mich, vor versammeltem Publikum zu Boden zu gehen, um nach der eingravierten Signatur zu schauen.

Barcelona chair
Foyer Nationaltheater Mannheim
Goetheplatz, 68161 Mannheim

(353) 05.2019

Mannheim, Heimat, Mensch, Natur

13 Mai

Politik braucht Popstars. Wir haben einen und zwar unseren Bundestagsabgeordneten! Während seine Parteikolleg*innen von der CDU in diesem Jahr richtig Geld in die Hand nehmen und die Stadt mit Wahlplakaten zukleistern (der Erfolg wird ihnen recht geben), greift Nikolas Löbel eher singulär, dafür mit großer Geste, in das kommunale Wahlkampfgeschehen ein.

Sein aktueller Slogan (fast hätte ich gesagt song) erinnert ein klein wenig an den Top 10 Hit Menschen, Leben, Tanzen, Welt von Jan Böhmermann. Mit Mannheim, Heimat, Mensch, Natur trifft er jedoch punktgenau den Nerv der Zeit. Pop wäre nicht Pop, böte er uns nicht auch betörenden Nektar, an dem wir saugen können. Löbels Botschaft lautet:…Soll bleiben! Das ist doch mal eine gute Idee. Und die hat auch nichts mit Populismus zu tun, das ist einfach grossartiger äh, Deutschpop, bestens auch zum Mitschunkeln geeignet. Also Leute, vergesst Artensterben und Klimanotstand. Entspannt euch, macht euch locker und chillt erst mal. Mannheim ist und bleibt Heimat von Natur. Diese im Kern frohe Botschaft wurde bedauerlicherweise grafisch nur sehr unzulänglich und blass umgesetzt. Doch in der Stadt der Kreativen ist es für Alles Mannheim Ehrensache, hier ganz beherzt und völlig honorarfrei nachzubessern. Aber seht selbst und geht wählen.

Mannheim, Heimat, Mensch, Natur
Collini-Straße, Mannheim

(352) 05.2019

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