Dick in Mannheim

18 Feb

Mannem und Määnz, wie ähns… sagt man im Schwarzwald und das muss ich jetzt erstmal so hinnehmen. Was wohl Martin Büsser dazu gesagt hätte? Der 2010 früh verstorbene Popjournalist, Autor und Mit-Verleger des sehr aktiven Mainzer Ventil-Verlags hatte so seine eigene Meinung von Mannheim, obwohl er von Mainz aus die Welt auch eher vom Rand aus betrachtete. Seine Einschätzung, dass sich Xavier Naidoo nicht weit von der rechte Ecke entfernt befindet, traf er recht weitsichtig schon 2002. Beim Blättern im gerade erst erschienen Sammelband „Für immer in Pop“ entdeckte ich auch, dass Martin Büsser nicht nur reflektierte, nie abgehobene, dafür persönliche Popkritik geübt hatte, sondern auch Texter und Vokalist der Gruppe Pechsaftha war, die den meisten hier wahrscheinlich auch völlig unbekannt ist. Ihr 2007 erschienenes Album Dick in Frisco endet mit einem nahezu epischen Noise-Song namens Mannheim Mitte, den ich den geneigten Lesern des Blogs ALLES MANNHEIM natürlich unmöglich vorenthalten kann. Als Martin Büsser 2009 an der Mannheimer Popakademie einen Vortrag zur neueren Geschichte der Popmusik zwischen PopKomm, Rechtsrock und Deutschquote hielt, war das Lied jedenfalls schon draußen. Das Treiben auf dem Mannheimer Marktplatz morgens um 4 Uhr, Nacht und schon Tag, muss ihn damals sehr beeindruckt haben, was ich nur zu gut verstehe. Mannheim Mitte, Melonenstadt.

 
Dick in Mannheim
Mannheim Mitte
Song von Martin Büsser, Pechsaftha 2007

(302) 02.2018

Schachtdeckel

6 Feb

In den Planken …

… schön verzierter Schachtdeckel ohne erkennbare Logo-Werbung bei Engelhorn als eine Sonderform von Streetart. Hergestellt durch die Firma R. Dannhäuser, die es aber nicht mehr gibt. Einen ALLES MANNHEIM Deckel kann ich mir nun bei Atrium bestellen, für meinen persönlichen Walk Of Fame. Wer hingegen nicht tief in die Tasche greifen, sondern tiefer eintauchen möchte in die Welt der Manholes und Gullys, sogenannte drainspotters haben umfangreiche Sammlungen ins Netz gestellt. Zum Beispiel Gullygerds Reisen oder Manholecovers. Eine subversive und zugleich geschäftstüchtige Variante hat die raubdruckerin für sich entdeckt.

Schachtdeckel
Planken

(301) 02.2018

Binokel

4 Feb

Die massiven Bombenabwürfe im 2. Weltkrieg haben in Mannheim nicht viel Gemütlichkeit übrig gelassen, wenn sie denn überhaupt einst in den bürgerlichen Cafes anzutreffen war und es vielleicht nicht doch nur stocksteif zuging in Gebäuden, die nach dem herrschendem Zeitgeist im Stil des Historismus erbaut waren. Hinsichtlich dieser Historie finden wir in O1 eine Einkehr mit Alleinstellungsmerkmal in der Innenstadt. Belle Époque nennen wir jedenfalls etwas schmeichlerisch die damalige Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts und sogleich stehen uns die 2011 zum Weltkulturerbe erhobenen Wiener Kaffeehäuser vor Augen, aber natürlich auch Pariser Bistros. Also geht’s hinein ins Binokel an den Kapuzinerplanken, das uns tatsächlich mit dieser nostalgisch romantischen Atmosphäre empfängt, als hätte es Kriege nie gegeben und uns Platz nehmen lässt auf dunklen Kaffeehausstühlen, hier große Spiegel, da ein verspieltes Deckenfresko, ein Sandsteintor an hoher Wand und alles mit einer gehörigen Portion Patina, damit wir nicht unnötig fremdeln, sondern uns sogleich heimisch fühlen und eigentlich könnten wir noch den Lärm des Mannheimer Bierkrawalls vernehmen, als 1873 eine deftige Bierpreiserhöhung die Mannheimer Proletarier auf die Straßen trieb gegen die Ungerechtigkeit des Großkapitals , oder uns in Erinnerung rufen, dass auch die Wiener erst durch die Türken zum Kaffee kamen. Doch schon blättere ich in der Karte (im Nachhinein betrachtet müsste ein Croque Monsieur drinstehen), ein Spiegelei bitte, jedenfalls froh, asiatischem street food entkommen zu sein, das ich eigentlich mag wenn´s gut gemacht ist, doch dabei insbesondere den Umstand vermieden, hinter einer großen Glasscheibe zu sitzen, präsent am Platz, als wäre die Stadt ein Großraumbüro und somit zufrieden, hier ein kleines Versteck gefunden zu haben. Aber ich merke schon, ihr müsst weiter und ich schweife aus, ich schweife ab, auch wenn dies sicher ganz im Sinne des Binokels ist, das uns mit seinen grade mal ein paarunddreißig Jahren sehr angenehm irgendeinen Charme der letzten 150 Jahre vorspielt. Abschweifen ist schließlich ein Vorrecht der Freizeit und die ist hier, während ich ausnahmsweise mal zur Mittagszeit frühstücke, doch einigermaßen gut verbracht. Also, wenn ihr gehen wollt, ich bleib noch.

Bistro Binokel
Café – Bistro – Bar
O7, 1
68161 Mannheim
Fon: 0621-23074
Fax: 0621-1289686

(300) 02.2018

Søstrene Grene

13 Jan

Interessantes Shop-Konzept seit Kurzem in der Mall in Q6/7. Søstrene Grene, im ersten Moment ein Mini-Ikea mit kleinem Rundgang. Ikea, weil erkennbar skandinavisch, allerdings hier fast ohne Möbel, sondern Kleinsortiment Nähe Ausgang. Viel Fichte natur, warme Erd- oder monochrome Pastellfarben vermitteln den Eindruck von Bio und Natürlichkeit, unterstützt von hölzernen Streichinstrumenten aus Lautsprecherboxen. Das Ambiente wäre als Vorbild für einen tollen Unverpackt-Laden geeignet und tatsächlich finden wir auch gläserne verschließbare Behälter für die Plastik freie Bevorratung. Der Schwerpunkt des Angebots geht auf Dekoration, Schenken, Utensilien und es gibt Süssigkeiten zu moderaten Preisen. Die Ratschläge der Gründer-Schwestern ziehen sich wie ein roter Faden durchs Geschäft, sehr stark auch der letzte Hinweis auf der Homepage:“Schauen Sie sich um, doch bitte denken Sie daran: Kaufen Sie immer nur das, was Sie wirklich brauchen!“ Ein Mehr an Notwendigem wäre geschäftsfördernd und möglicherweise ist das nachhaltigste Produkt jenes, das nicht produziert wurde. So geht das Konzept trotz allem Anschein viel zu zaghaft in Richtung sozial-ökologischen Wandel, dennoch besticht der Laden durch eine sinnlich angenehme Ausstrahlung.

Søstrene Grene
Q6,1
68165 Mannheim

(298) 01.2018

Mannheim ist klein

3 Jan

… think of London, a small city … (David Byrne)

Mannheim ist klein, ziemlich klein, klein wie ein Kiez, nicht viel größer als das Gelände eines Kleingartenvereins. Was wir urban nennen, hört nach ein paar Ecken auf. Von der Neckarstadt zur Schwetzingerstadt und vom Wohlgelegen zum Lindenhof sind 3 x 3 Kilometer, da ist Kreuzberg noch größer. Nicht jeder kennt jeden, anonym sind wir Großstadt. So laufen wir auch, wie in Großstädten üblich, meist aneinander vorbei, allerdings nicht sehr hastig, Mannheim ist ja klein. Gerne vergleichen wir uns mit großen Städten. Mit Berlin, wie bedeutsam, mit New York, wie gradlinig, mit Stuttgart aber nur, weil man gute Feinde braucht. Das lenkt davon ab, dass wir uns nicht mit FRANKFURT vergleichen. Kein Schwanzvergleich mit Frankfurt! Unser blinder Fleck, wunder Punkt, Schatten unserer Selbstwahrnehmung. Unser Nachbar ist größer. Zwar immer noch klein, aber größer. Hat eine andere Geschichte, eine Geschichte als freie Stadt und wächst und wächst. Und kein Kurfürst hat´s erlaubt. Das ist ja unser Los. Wir sind Stadt, weil jemand gnädig war. Jemand da oben. Und wenn es jemanden da oben gibt, dann gibt es auch wohl auch welche da unten. Und unten ist ja immer kleiner als oben. Und wenn es um oben und unten geht, wird es ja am allerkleinsten. Aber das spüren wir nur, das sehen wir nicht. Wir sehen, dass Schwetzingen kleiner ist, oder Worms oder Speyer. Daher kommen wir auch nicht auf die Idee uns Provinz zu nennen. Dabei wäre mir da viel wohler. Endlich wäre es raus. Kein Streben mehr. Nein, wir machen lieber Metropolregion. Nichts gegen ein Verbundticket nach Wissembourg, prima Sache, übers Land zu fahren. Aber selbst die Metropolregion Rhein-Neckar ist die kleinste in Deutschland. München hingegen hat die Größe, dass man es ungestraft Dorf nennen kann.

Wer kam eigentlich auf die Idee mit der 2 im Stadtlogo? Doch wohl jemand, der genau wusste, dass Mannheim klein ist. Mit der Quadratzahl multiplizieren wir uns ja mit uns selbst! Wenn das nicht stark nach Minderwertigkeitskomplex riecht. Jetzt wird die Wurzel gezogen: Das Mannheimer Schloss ist groß? Versailles ist größer. Der Hafen ist groß? Duisburgs ist größer. In der Liste der größten Städte Europas taucht Mannheim gar nicht auf. Gemessen an der Einwohnerzahl stehen wir auf Platz 22 in Deutschland, gemessen an der Fläche Platz 39 und Deutschland ist ja auch nicht groß. Auch wenn´s erstmal weh tut, Mannheim ist klein. Doch wie bei jeder Wahrheit gibt es einen Trost dazu. Wenn der Schmerz der Erkenntnis vorüber, der Kater des Größenrauschs abgeklungen, stellen wir fest, klein ist auch okay. Mannheim ist überschaubar, passt in jede Westentasche, Neckar und Rhein liegen dicht beisammen. Die Strassen lassen sich gut überqueren, weil sie so klein sind. Man kann auch das Auto stehen lassen und kommt überall hin. Ist das nicht, äh… großartig?

Mannheim ist klein

(297) 01.2018

Klokke

19 Dez

Zu Recht wird diese neu eröffnete Lokalität viel beachtet und gelobt. Als selbst ernanntes Anti-Café reagiert Klokke in neuer Weise auf einen Bedarf, der ganz offensichtlich war: Ein Raum in der Stadt, gemütlich, kommunikativ, ohne Zwang zum Verzehr und Konsum. Hier gibt es zwar Kaffee, aber nicht dieser, sondern die Zeit ist hier zu zahlen, denn von irgendetwas müssen die beiden Betreiberinnen ja leben. Und so leitet sich Klokke wohl ab von Uhr und Glocke.

Bei aller Sympathie weckt dieses Konzept bei mir auch grundsätzliche Fragen: Wenn wir einen Kaffee trinken, betrachten wir das im Allgemeinen als privat, aber klar ist auch, viele Tassen Kaffee werden in der Stadt nur getrunken, um zu sitzen und zu reden. Egal ob bei Tschibo, Grimminger, Cafe Vogelfrei… Wenn es in der Stadt einen solchen Bedarf nach Räumen für Kommunikation und zum Verweilen gibt, ist dies eher ein Interesse von allgemeiner Art. Sollte deren Erfüllung nicht zu den öffentlichen Aufgaben gehören? Ich meine, dass die Stadt solche Räume nicht selbst betreiben müsste, aber Initiativen zu solchem Gemeinwohl sollte sie unterstützen. Denn das Zeitgeld bleibt eine Zugangsbeschränkung und macht das Anti-Cafe trotz all seiner Attraktivität gewollt oder ungewollt zur Vorhut einer Gentrifizierung in der Neckarstadt-West. Dennoch stößt Klokke eine Tür auf, gibt einen Blick frei auf die Stadt meiner süßen Träume: Eine Stadt mit gepflegten Rückzugsräumen, kulturellen Treffpunkten zum Austausch, gemütlich und frei, ohne Eintritt und Konsum.

Klokke
Mittelstraße 19
Ecke Laurentiusstraße
68169 Mannheim
Tel.: 0621 43709136

Öffnungszeiten
Mo – So: 9 – 21 h

(296) 12.2017

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