Von Stephanienufer zum Strandbad

28 Okt

Der Klassiker der Mannheimer Sonntagsspaziergänge.  Wir starten korrekterweise beim Gasthaus am Fluss, den Rheinterrassen. Dann gehen wir  immer am Rheinufer entlang und wenn die Sonne scheint, ist der Weg sonnig und es kommen uns eine Menge Leute entgegen. Dennoch, das Zusammenspiel der unterschiedlichen und gegenläufigen Bewegungstempi von Schifffahrt, Wolken, Hunden, Spaziergängern ist sehr anregend. Dazu der schöne Blick auf den Fluss und die Ludwigshafener Parkinsel.  Nach guten 20 Minuten erreichen wir die Spitze der Reisinsel und den  Bellenkrappen, dort gehen wir weiter geradeaus durch den Waldpark am Altrheinarm entlang bis wir schließlich an den Parkplatz vom alten Mannheimer Strandbad gelangen. Hier wenden wir uns nach rechts wieder zum Rhein hin, kehren im Strandbadrestaurant ein oder besser noch Richtung Campingplatz im unkomplizierten Biergarten  und dann am besten den gleichen Weg wieder zurück. Hin -und zurück beträgt die Wegstrecke ca. 10 km und unterwegs bekam ich doch glatt die Idee für dieses Blog…

(1) 10.2012

Nischen

23 Mrz

Wer will schon gerne im Weg stehen. Lieber sein Ding machen, am besten mit Freunden, niemanden stören und nicht gestört werden, quatschen, abhängen. Nicht nur Fledermäuse haben Bedarf an Nischen. Aus Filmen sind uns Bushaltestellen in ländlichen Regionen als Hort des Müßiggangs bekannt, stadteinwärts wird alles glatter, beschleunigter, zielgerichtet. Gemütliche Aufenthalte gehen mit Verzehrzwang einher, während inmitten des Stroms Sitzbänke meist ungenutz dastehen. Wen wundert´s, bieten sie eben im Gegensatz zu Nischen keinen Rückzugsraum. Doch Menschen sind mit ausreichenden Sinnen ausgestattet, um Nischen auch im funktional organisierten Stadraum aufzuspüren. Folgend einige Beispiele:

Parkhaus Dorint/ Rosengarten, Tullastraße
Neben Überwachungskamera Nische mit Ausblick, warme Luftströme von unten. Abstellmöglichkeit für Getränkeflaschen aller Art.

Mall Q7/Q6
Eigentlich Restaurantbetrieben zugeordnet. Nach Ladenschluss bis 22 Uhr aber zugänglich und gerne von Jugendlichen genutzt. Nebenan bei Rewe Gekauftes kann hier verzehrt werden.

Thalia Buchhandlung P7
Ebenfall durch Einzelhandel privat eingerichte Nische. Hier können auch neueste Bücher gelesen werden, Sitze allerdings eher unbequem.

Hauptbahnhof Eingang Parkhausebene.
Trockener, einigermaßen warmer gelegentlicher Treffpunkt für Alk- und Drogenszene.

Commerzbank, P2
Eigentlich ganz anderes Thema: Obdachlose suchen in Nischen Schutz

Reichskanzler-Müller-Straße, unter Fußgängerbrücke
Ohne Worte

Nischen

(306) 03.2018

Eddie´s Verpackungsfrei Einkaufen

4 Mrz

„Bringt mal jemand den Müll raus!“ – „Welchen Müll?“

Tja, so schnell kann es gehen. Gestern hatten wir noch über die gelbe Tonne gestritten, schon erreicht uns die Zero Waste Bewegung und in Mannheim öffnet Eddie’s Unverpackt Einkaufen. Genauer gesagt in der Schwetzingerstadt. Es ist bereits der 65. Unverpackt-Laden in Deutschland und Mannheims erster. Ein Laden, wie er vor hundert Jahren in seiner Bedeutung noch undenkbar war, als Milch natürlich in die Kanne kam und das Wort Selbstbedienung noch nicht im Duden stand. Ab den Fünfzigern hiess es dann aber, Selbstbedienung spart Zeit. Und wo ist sie hin, die Zeit? Jedenfalls haben wir mehr Waren, mehr Verpackungsmüll und ich von all dem einen ökologischen Fussabdruck bekommen. Plastik ist ja ein Synonym für Müll und es ist bei Lebensmitteln auf jedenfall das, was du nicht mitessen solltest. Der Müllberg wächst und ein Blick in den Kühlschrank sagt mir auch warum. Und nein, es liegt nicht nur an den Kronenkorken anstatt des Bügelverschlusses. Also muss ich mich wieder mal organisieren für das „gute Leben“. Da ist bei Eddie’s der Kauf von fairen Baumwollsäckchen fürs Brot und Gemüse noch der leichteste Anfang und immerhin, doch ein Anfang…
Im Laden stehen Schütten und Waagen, Insignien alter Kaufmannszunft, aber wir wollen das Rad der Zeit nicht zurückdrehen, sondern es nun selbst in die Hand nehmen, wiegen und erwägen zugleich Sinnliches erleben und vor allem vermeiden wir Müll. Setzen Zeichen, denken nach vorne, vorne, wo all die unerkannten, ungenutzten Möglichkeiten liegen, die du natürlich ad absurdum führen kannst, wenn du mit dem SUV vorfährst. Dann nimm lieber das Lastenrad bei Wohnhunger nebenan und bring deinem Nachbarn auch gleich was mit.

Tatsächlich sind in Eritrea Plastiktüten verboten, aber durch eine traditionelle Rollenverteilung sind Frauen auch den ganzen Tag mit Versorgungsaufgaben für die Familie beschäftigt. Gleichzeitig sind dort die Einwohner pro Kopf lediglich für 100 kg CO2 im Jahr verantwortlich, wir hingegen habe eine pro Kopf Last von 9,4 Tonnen!! jährlich zu tragen.

Die Sache ist also komplex und kann wohl nicht von mir und dem Einzelhandel alleine gelöst werden. Das Thema Nachhaltigkeit mündet in Fragen nach Qualität, bei Eddie’s übrigens bio und in die Frage nach sozialer Gerechtigkeit. Dieser schöne Laden ist eine sichtbare Speerspitze für ein besseres, giftfreieres Leben hier und macht uns ein Angebot zur individuellen Ressourcenschonung. Das ist gut. Deshalb möchte ich auch nicht, dass Nazis und Rassisten verpackungsfrei einkaufen. Die sollen erstmal ihren geistigen Dreck entsorgen. Das gehört zwar nicht hierher, aber vielleicht eben doch.

Eddie´s
Verpackungsfrei Einkaufen
Seckenheimer Str. 21
68165 Mannheim

(305) 03.2018

Das erste Auto und der letzte Crash

3 Mrz

Mal wieder jemand mit dem Auto zu schnell um die Kurve am Friedrichplatz Richtung Augusta-Anlage. Im Hintergrund steht das erste Auto der Welt, der von Carl Benz in Mannheim gebaute Patent Motorwagen Nr.1 als schöne Bronzenachbildung auf einem sicheren Sockel.

Augusta-Anlage, Friedrichsplatz

(304) 03.2018

Stadthaus

24 Feb

Lassen wir beiseite, dass da, wo das Stadthaus steht, einmal ein „altes Kaufhaus“ stand mit der berühmten Mannheimer Symmetrie. Das wurde weggebomt und der Wiederaufbau scheiterte im Bürgerentscheid trotz großer Mehrheit denkbar knapp an einer zu geringen Wahlbeteiligung. Solche Stadthausstreitereien gab es auch in anderen Städten. Nein, was mich vollkommen aufschreckte und aus meiner so arglosen wie selbstzufriedenen Internetsurferei herausriss, waren diese grottenschlechte Google-Bewertungen für das Stadthaus, auf die ich, wie gesagt, rein zufällig stieß. Ich fragte mich sofort, ob die in N1 eingebundene Gastronomie verantwortlich wäre, jemand im East vom all you can eat nicht satt wurde, oder in der N1 Lounge kein Platz frei war, oder der Tequila in der Azteca Mexicana zu Gemüte schlug, doch nichts dergleichen. Auch bei Trip Advisor belegt das Stadthaus in der Rubrik Sehenswürdigkeiten einen schockierenden letzten Platz. Wie konnte das geschehen? Mannheim ist eine moderne Stadt, die üblicherweise keinen Vergleich zu scheuen braucht. Jedenfalls erschien mir die Sache so bedeutend, der Anlaß also groß genug, um mich unverzüglich zu einem Ortstermin einzufinden. Schließlich kann ALLES MANNHEIM die öffentliche Diskussion nicht allein Spießern und Kulturbanausen überlassen. So lautet das Ziel der Aktion: Rettet das Stadthaus!

Schon von der rückwärtigen Ansicht aus erscheint mir das Stadthaus als die gelungenere Version des Centre Pompidou. Bei freiem Eintritt wartet es gleich im Erdgeschoß mit einer atemberaubenden Installation auf, die sich mit der jüngsten Geschichte der Stadt auseinandersetzt. Mit der Nachgestaltung der legendären Borelly Grotte, die ja aus Sicherheitsgründen leider nicht mehr besichtigt werden kann, provoziert der Durchgang einerseits Erinnerungen, geht aber über das bloße Betrachten hinaus und erzeugt durch geschicktes Wechselspiel von Raum und Licht beim Besucher eine beschleunigte Dynamik seines Bewegungsapparates und lässt ihn somit auch durch körperliche Erfahrung an unserem kollektiven urbanen Gedächtnis teilhaben.

Neugierig strebe ich über eine schöne Außentreppe, die formprägender Teil der Architktur ist, zum Plenum, wo mich nicht zufällig neben dem Ratssaal die Installation Pferd, Flur, Demokratie erwartet, welche die großen politischen Fragen unserer Zeit thematisiert. Die geschickt im Raum angeordneten Rundsäulen verweisen auf Athen als Ursprungsort einer demokratischen Stadtgesellschaft, mahnen aber durch das bunt aufgestellte Pferd an Trojas Schicksal und den Gefahren des Lobbyismus. Stark! Eine leere, verglaste Wandnische mit dem Titel „Zu vermieten“ des Künstlers D&S sollte hier nicht als Kontrast, sondern als wohltuende Ergänzung verstanden werden.

Durch ein Hinweisschild werde ich schließlich noch auf einen kleinen Nebenraum aufmerksam. Glücklicherweise muss ich sagen und wundere mich, dass sich hier keine Schlangen bilden. Fast humorvoll, jedenfalls mit grosser Könnerschaft wird Bezug genommen auf Mannheims Tradition der neuen Sachlichkeit und deren späteren Transformation von Kunst als visuelle oder gar plastische IDEE. Ein Readymade, das mit scheinbarer Leichtigkeit den Bogen von Marcel Duchamp zu Piet Mondrian schlägt und sich dabei unter Einbindung von Quadraten und den Mannheimer Farben als großes Geschenk an Mannheim und seine Bürger entpuppt. Völlig verständlich, dass dieser Raum ständig bewacht werden muss. Was soll ich sagen? Ich bin begeistert. Einziger Wermutstropfen die Stadtbücherei im oberen Stock, aber die soll ja bald dort ausziehen. Mein Votum: fünf von fünf Sternen und völliges Unverständnis über jegliches negative Ranking. Wer nach Mannheim ins Stadthaus kommt, sollte wissen, dass er weder repräsentativen Kitsch erwarten kann, wie vielleicht in Zürich, noch dass er es sich umrahmt von gefallsüchtigen Bildern auf Bänken bequem machen kann, statt mühevoll die sogenannte Realität zu entschlüsseln.
Nein, Mannheim ist und bleibt die unbequeme Arbeiterstadt. Aber dass wir uns nicht missverstehen, liebe Freunde und Besucher, die Arbeit, die fängt bei uns manchmal im Kopf an.

Stadthaus
N1
68161 Mannheim

(303) 02.2018

Dick in Mannheim

18 Feb

Mannem und Määnz, wie ähns… sagt man im Schwarzwald und das muss ich jetzt erstmal so hinnehmen. Was wohl Martin Büsser dazu gesagt hätte? Der 2010 früh verstorbene Popjournalist, Autor und Mit-Verleger des sehr aktiven Mainzer Ventil-Verlags hatte so seine eigene Meinung von Mannheim, obwohl er von Mainz aus die Welt auch eher vom Rand aus betrachtete. Seine Einschätzung, dass sich Xavier Naidoo nicht weit von der rechte Ecke entfernt befindet, traf er recht weitsichtig schon 2002. Beim Blättern im gerade erst erschienen Sammelband „Für immer in Pop“ entdeckte ich auch, dass Martin Büsser nicht nur sehr reflektierte, nie abgehobene, dafür persönliche Popkritik geübt hatte, sondern auch Texter und Vokalist der Gruppe Pechsaftha war, die den meisten hier wahrscheinlich auch völlig unbekannt ist. Ihr 2007 erschienenes Album Dick in Frisco endet mit einem nahezu epischen Noise-Song namens Mannheim Mitte, den ich den geneigten Lesern des Blogs ALLES MANNHEIM natürlich unmöglich vorenthalten kann. Als Martin Büsser 2009 an der Mannheimer Popakademie einen Vortrag zur neueren Geschichte der Popmusik zwischen PopKomm, Rechtsrock und Deutschquote hielt, war das Lied jedenfalls schon draußen. Das Treiben auf dem Mannheimer Marktplatz morgens um 4 Uhr muss ihn damals sehr beeindruckt haben, was ich nur zu gut verstehe. Gut möglich, dass sie zuvor die Nacht im Blau verbracht hatten. Mannheim Mitte, Melonenstadt.


Dick in Mannheim
Mannheim Mitte
Song von Martin Büsser, Pechsaftha 2007

(302) 02.2018

Schachtdeckel

6 Feb

In den Planken …

… schön verzierter Schachtdeckel ohne erkennbare Logo-Werbung bei Engelhorn als eine Sonderform von Streetart. Hergestellt durch die Firma R. Dannhäuser, die es aber nicht mehr gibt. Einen ALLES MANNHEIM Deckel kann ich mir nun bei Atrium bestellen, für meinen persönlichen Walk Of Fame. Wer hingegen nicht tief in die Tasche greifen, sondern tiefer eintauchen möchte in die Welt der Manholes und Gullys, sogenannte drainspotters haben umfangreiche Sammlungen ins Netz gestellt. Zum Beispiel Gullygerds Reisen oder Manholecovers. Eine subversive und zugleich geschäftstüchtige Variante hat die raubdruckerin für sich entdeckt.

Schachtdeckel
Planken

(301) 02.2018

Binokel

4 Feb

Die massiven Bombenabwürfe im 2. Weltkrieg haben in Mannheim nicht viel Gemütlichkeit übrig gelassen, wenn sie denn überhaupt einst in den bürgerlichen Cafes anzutreffen war und es vielleicht nicht doch nur stocksteif zuging in Gebäuden, die nach dem herrschendem Zeitgeist im Stil des Historismus erbaut waren. Hinsichtlich dieser Historie finden wir in O1 eine Einkehr mit Alleinstellungsmerkmal in der Innenstadt. Belle Époque nennen wir jedenfalls etwas schmeichlerisch die damalige Zeit des beginnenden 20. Jahrhunderts und sogleich stehen uns die 2011 zum Weltkulturerbe erhobenen Wiener Kaffeehäuser vor Augen, aber natürlich auch Pariser Bistros. Also geht’s hinein ins Binokel an den Kapuzinerplanken, das uns tatsächlich mit dieser nostalgisch romantischen Atmosphäre empfängt, als hätte es Kriege nie gegeben und uns Platz nehmen lässt auf dunklen Kaffeehausstühlen, hier große Spiegel, da ein verspieltes Deckenfresko, ein Sandsteintor an hoher Wand und alles mit einer gehörigen Portion Patina, damit wir nicht unnötig fremdeln, sondern uns sogleich heimisch fühlen und eigentlich könnten wir noch den Lärm des Mannheimer Bierkrawalls vernehmen, als 1873 eine deftige Bierpreiserhöhung die Mannheimer Proletarier auf die Straßen trieb gegen die Ungerechtigkeit des Großkapitals , oder uns in Erinnerung rufen, dass auch die Wiener erst durch die Türken zum Kaffee kamen. Doch schon blättere ich in der Karte (im Nachhinein betrachtet müsste ein Croque Monsieur drinstehen), ein Spiegelei bitte, jedenfalls froh, asiatischem street food entkommen zu sein, das ich eigentlich mag wenn´s gut gemacht ist, doch dabei insbesondere den Umstand vermieden, hinter einer großen Glasscheibe zu sitzen, präsent am Platz, als wäre die Stadt ein Großraumbüro und somit zufrieden, hier ein kleines Versteck gefunden zu haben. Aber ich merke schon, ihr müsst weiter und ich schweife aus, ich schweife ab, auch wenn dies sicher ganz im Sinne des Binokels ist, das uns mit seinen grade mal ein paarunddreißig Jahren sehr angenehm irgendeinen Charme der letzten 150 Jahre vorspielt. Abschweifen ist schließlich ein Vorrecht der Freizeit und die ist hier, während ich ausnahmsweise mal zur Mittagszeit frühstücke, doch einigermaßen gut verbracht. Also, wenn ihr gehen wollt, ich bleib noch.

Bistro Binokel
Café – Bistro – Bar
O7, 1
68161 Mannheim
Fon: 0621-23074
Fax: 0621-1289686

(300) 02.2018

STARTUP MANNHEIM

die Stadt auf meiner Seite

MAWAYOFLIFE

Just another WordPress.com site

Kunstblog-Mannheim.de

Ausstellungen in Mannheim und Umgebung

Düsiblog - Matthias Düsi

die Stadt auf meiner Seite

http://urbanhack.tumblr.com/

die Stadt auf meiner Seite

KulturQuer QuerKultur Rhein-Neckar e.V.

die Stadt auf meiner Seite

Marchivum

die Stadt auf meiner Seite

FotoBlog:Mannheim

Daheim ist der Himmel blauer...

Monnemerin

die Stadt auf meiner Seite

Mannheimat

die Stadt auf meiner Seite

POLITKALENDER | MANNHEIM

die Stadt auf meiner Seite

Neckarstadt-Blog

die Stadt auf meiner Seite

Neckarstadtblog

Neues aus unserem Quartier

Mannheim Blog

die Stadt auf meiner Seite

Popklub – Das IndiePopZine

die Stadt auf meiner Seite

Mannheim - tactually - Soul Shopping

die Stadt auf meiner Seite

poemcollision

This WordPress.com site is about love - for words.