Bismarckdenkmal

12 Dez

Vermutlich brauchte man dringend Platz in der Lagerhalle und da stand auch noch jener Granitsockel vom zerstörten Lameydenkmal rum und wahrscheinlich dachte man auch, der unselige Bismarckkult sei ja nun sowieso endgültig vorüber und so stellte man das Denkmal 1980 wieder auf die Straße und OB Ratzel (SPD) lobte bei der Eröffnung brav das durch Bismarck initiierte deutsche Sozialsystem. Er hätte ja auch schlecht Bismarcks Gesetz gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie loben können. Nun ja. Wenn ich mir das Denkmal so anschaue, zeigt es, wie um 1900 üblich, das zweifelhafte Ideal des starken unbeugsamen Mannes, der seine Kleidung wie eine Rüstung trägt, mit Pickelhaube und festem Schuhwerk, allzeit bereit, sich trotz des furchtbaren Wetters in Deutschland auf den nächstbesten matschigen Acker zu begeben, nicht um zu pflügen, sondern um zu führen. Aber Bismarck ist ein weites Feld. Dass er zum Mannheimer Ehrenbürger wurde, ist nichts besonderes, im nationalem Taumel, den er entfachte, ernannten ihn unzählige Städte hierzu. Zu Lebzeiten umstritten, erfuhr der 1. Reichskanzler nach seinem Tod von manchen Teilen der Gesellschaft eine geradezu mythische Verehrung, die sich in der Errichtung von Bismarcktürmen und Denkmälern zeigte. Als freiheitlich demoktratisches Vorbild wird er jedoch niemals gelten können, legte er doch mit seinem Politikstil, bei dem er Macht vor Recht stellte, ein Unheil bringendes Samenkorn. Wen wundert es, dass heutzutage AFD und Identitäre den autoritären Bismarck als Projektionsfläche für ihr eigenes Machtstreben nutzen. Für eine zeitgemässe Betrachtung gehört das Bismarckdenkmal meiner Meinung nach nicht unbedingt auf einen erhöhenden Sockel. Dass das System der Nationalstaaten nicht der Weisheit letzter Schluß ist, dürfte klar sein, bei den Begriffen Volk, Nation, Nationalität gibt es, wir erleben es gerade, noch erheblichen Klärungsbedarf. Den Kopf nach vorne gerichtet, hätte Bismarck aber heute wahrscheinlich die Einheit Europas fest im Blick.

Bismarckdenkmal
Bismarckplatz
68165 Mannheim

(372) 12.2019

Gehring’s Kommode

26 Nov

Für einen Moment streifte der Gedanke, es wäre anmaßend hier über Gehring’s Kommode zu schreiben. Sie, die mit ihren mehr als 40 Jahren schon seit langem eine äußerst ehrwürdige Instanz nicht nur in Neckarau, sondern für ganz Mannheim darstellt. Aber Verschweigen ist ja auch keine Form des Lobs. Und zu loben ist dieser Ort der Gastlichkeit nämlich unbedingt. Im Übrigen scheint mir die Kommode mit der Zeit sogar wertvoller zu werden, denn wir finden hier einen der seltener werdenden Orte der Begegnung, der Kultur, des persönlichen Engagements. Einen Ort, der sich so wohltuend unterscheidet von den immer zahlreicher eröffnenden Systemgastronomien, die, in welchem Gewand auch immer sie daherkommen, mit kühl kalkulierter Effizienz ihre Gäste abkassieren und sie nach erbrachter Leistung den weiteren üblichen Verwertungsprozessen überlassen, ohne ihnen den Ansatz eines Gespräches hierüber zu gewähren.

In Gehring’s Kommode hingegen ist es warm, gemütlich, menschlich und manchmal vielleich auch ein bisschen unkalkulierbar, hier können auch kleine Wunder geschehen. Zum Beispiel auf der Bühne, die sich gerade mal nur eine Stufe vom Publikumsraum abhebt, wenn Kaberettisten über sich hinausgehen, wie gerade Sven Kemmler, der allein durch den Einsatz von Sprache und Mimik sich vor unseren Augen in die verschiedensten Personen aus unterschiedlichsten Kulturen verwandelt, ohne auf Kosten anderer Scherze zu treiben…bravo. Auch Musik spielt von Anbeginn eine große Rolle, ist mit Blues, Folk und Liedermachern eher bei den Wurzeln, doch zum Beispiel mit Jim Kahr oder Timo Gross erstaunlich hochkarätig. Auch für Benny Roos‘ Bloomaulblues sind hier traditionell Termine reserviert. Apropos Mannheimer Musik: Gehring’s Kommmode hatte auch einen nicht unwesentlichen Anteil am Erscheinen des Katalogs Mannem uff Vinyl. Das bereits vergriffene Kultbuch ist die erste umfassende Übersicht Mannheimer Musiker*innen und Bands aus der Vinylzeit und wird und wurde zusammengetragen vom NeKK’99, dem Neckarauer Kunst- und Kulturverein, der eng mit Gehring’s Kommode verbunden ist.
Dass dieser familiäre Betrieb mit einer 1919 in Neckarau eröffneten Konditorei nun sogar 100 jähriges Jubiläum feiern kann, erfahren wir, wie manches andere, auf ihrer Website; vielmehr erfahren wir noch, wenn wir einfach hineingehen.

Gehrings Kommode
Schulstrasse 82
68199 Mannheim – Neckarau
Telefon: +49 621 853669

(371) 11.2019

Novemberspaziergang am Neckardamm

14 Nov

Flußlandschaften, und solche finden wir in Mannheim, zeigen gerade auch an nebligen Novembertagen ihre Reize, wenngleich auf unserem Spaziergang kein Sumpfgelände, sondern der hochgelegene Neckardamm die Perspektive bestimmt.

Unser Spaziergang führt von der Friedrich-Ebert-Brücke Richtung Schleuse Feudenheim. Zu manchen Zeiten lässt sich hier noch ferner Trommellärm und eine an- und abschwellende Erregung aus dem Fussballstadion vernehmen.

Aber eigentlich ist die Simmung eher ruhig und versunken, zieht dir vielleicht ein grünes Loden an und stellt dir einen treuen Jagdhund an die Seite.
Blick nach Osten: Der Odenwald ist verschwunden.

Beim Überqueren der Riedbahnbrücke-Ost schaut ein grüner Geist herauf.

An der Schleuse finden derzeit erhebliche Baumaßnahmen zur Vergrößerung der Kammer statt. Von Hektik aber keine Spur.

Kormorane…

… und seltsame Spiegelungen am Neckarkanal.

Den Anbau verhüllt ein Gerüstnetz, das Collini-Center verhüllen Wolken.

Novemberspaziergang am Neckardamm

(370) 11.2019

Die letzte Vorstellung…

9 Nov

Zur letzten Vorstellung des Cinema Quadrats im Collini-Center läuft am 09.11.2019 bei freiem Eintritt allerdings nicht der gleichnamige Film von Peter Bogdanovich, der übrigens im Gründungsjahr des Cinem Quadrats 1971 rauskam, sondern Night on Earth von Jim Jarmusch. Jedenfalls Autorenfilm. Am 30.11.2019 wird das Kino im 3. Stockwerk von K1, 2 feierlich eröffnet. Mal gespannt, wie der Startfilm dann wohl heißt….

 

… währenddessen Nationaltheater, festlicher Opernabend.

(369) 11.2019

Zum siebten Blog-Geburtstag, nachträglich.

30 Okt

Geburtstagsbeiträge waren bei ALLES MANNHEIM immer eine willkommene Gelegenheit zur Reflexion über Veränderungen, so auch beim siebten, den wir hier nachträglich feiern. Gab es 2012 zu Beginn des Blogs für den Autor einen Impuls, dem damals bestehenden Status Mannheims als öde hässliche Arbeiterstadt zu widersprechen, Begegnungen und Orte aufzunehmen und zu beschreiben, welche der Autor als anregend und belebend empfand, so ist heute dieser Impuls fast in sein Gegenteil verkehrt. Nicht weil keine Entdeckungen und Beobachtungen mehr zu machen wären, sofern es die Muse erlaubt, sondern weil sich die Erzählungen über Mannheim binnen dieser relativ kurzen Zeitspanne völlig gewandelt haben. Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet unser Stadtmarketing, dem ein unerschöpflich scheinender Vorrat an Superlativen zur Verfügung steht. Während früher ein einfaches „Mannem vorn“ genügte, um der hiesigen Mentalität Ausdruck zu verleihen, ist es heute nahezu unmöglich vollständig aufzuzählen, in welchen Bereichen Mannheim nicht auch die erste, einzige und besonders ausgezeichnete Stadt der Welt ist. Die alte ernüchternde Stadtreklame jedenfalls ist einem berauschenden Cocktail gewichen.

Gleich zwei Reiseführer zu Mannheim sind vor kurzem neu erschienen, das Buch „111 Orte, die Sie in Mannheim unbedingt gesehen haben müssen“ schon nach drei Jahren völlig neu herausgegeben, macht 222 Orte, und ja, ich gebe es zu, auch dieses Blog mit seinen über 365 Beiträgen ließe sich mittlerweile als Abreißkalender fürs ganze Jahr einsetzen und obendrein ist gerade auch noch ein Buch über Glücksorte (!!!) in Mannheim herausgegeben worden. Um es mit Chako Habekost Worten zu sagen: „Frieher hots des net gewwe…“ Ich finde also gegenüber den Anfängen des Blogs eine völlig veränderte Gemengelage vor und durch meine Neigung zum Widerspruch richtet sich meine Aufmerksamkeit nun zwangsläufig vermehrt auf das, was sich zwischen Wunsch und Wirklichkeit befindet. Da wäre festzustellen, dass die Reichweite bei Facebook durch neue Algorithmen auch nicht mehr die ist, die sie mal war und basisdemokratischer ist Facebook schon mal gar nicht geworden. Der Mannheimer Morgen hat mit seinem ILMA Blog nun eine Führungsrolle zur Stadbeschreibung im Netz eingenommen, zieht diese auch einigermaßen professionell durch, begibt sich allerdings nicht in das Risiko kritischer Fragestellung. Hier wird der Neckarstadtblog zunehmend mutiger. Der Rheinneckarblog hingegen hat sich selbst ins Bein geschossen. Jede professionelle Herangehensweise unterscheidet sich ohnehin von ALLES MANNHEIM, dessen Autor in zunehmend absichtsloserer Manier dem Zufall begegnen will und sorry, an ein regelmäßiges Erscheinen ist gar nicht mehr zu denken. ILMAs regelmäßige Beiträge folgen hingegen einer Verwertungslogik, die Leser*innen sind Zielgruppe, die Beiträge behandeln das, was jung, neu und attraktiv erscheint. Nun könnte man einwenden, wenn ALLES MANNHEIM nichts Verwertbares herausbringt, macht es keinen Sinn, und ja, es mag mitunter auch nutzlos sein.
Jedoch erfüllt das Bloggen insofern seinen Sinn, als dass der Autor immerhin sein Freiheitsrecht in Anspruch nimmt und dies umsomehr, wie es eben keinem anderen Zwecke dient als eben diesem. Die Aneignung des Stadtraums durch seine Bewohner zum Zweck der Freiheit unterscheidet sich natürlich gravierend von der Aneignung durch Marketing. Wenn die Stadt selbst wie ein Unternehmen Marketingstrategien entwickelt, werden wir Objekt, gezählt und ausgewertet, die Kommunikation richtet sich absichtsvoll an eine Welt da draussen, um attraktiver Standort für internationale Investments oder Förderprogramme zu werden. Der Dialog, der sich nach innen wendet, ist kaum vernehmbar oder allenfalls den „Akteuren“ am Markt verständlich.

Der innere Dialog, der sich in diesem Blog öffentlich macht, ist hoffentlich ausreichend verständlich und anregend. ALLES MANNHEIM zu schreiben und zu publizieren bedeutet dem Autor eine Form der Teilhabe außerhalb ökonomischen Marktgeschehens, wenngleich dieses verinnerlicht ist und seinen Ausdruck mitbestimmt. So ist mir dieses Blog Zerstreuung und Herausforderung im Denken zugleich, so notwendig wie überflüssig, also eigentlich fast schon ein wenig Luxus im armen Mannheim. Und bevor jetzt einer reinruft babbel net so long, rufe ich Euch zu: Lang lebe ALLES MANNHEIM! Schön, dass Ihr do seid.
Zum Wohl.

Zum siebten Blog-Geburtstag, nachträglich.

(368) 10.2017

Wilder Wein am Wasserturm

20 Okt

Farbrausch in Mannheim titelte Ende September die Rheinpfalz und meinte damit aber die große Henri Matisse Ausstellung in der Kunsthalle, deren Fassade im Hintergrund unseres Bildes noch zu sehen ist. Die selbstkletternde oder auch gewöhnliche Jungfernrebe an den Pergolen am Wasserturm zeigt sich hingegen jedes Jahr im Herbst keineswegs als gewöhnlich. Ohne der Kunst die Schau stehlen zu wollen, möchte man sagen, der Herbst malt doch die schönsten Farben.

Wilder Wein am Wasserturm
Pergolen Friedrichsplatz

(367) 10.2019

Mannheimer Hütte, Eichelbergturm

17 Okt

Ich würde jetzt nicht unbedingt behaupten, der Eichelberg sei der Hausberg von Mannheim, aber immerhin erreichen wir seinen Fuß an der Ursenbacher Höhe in weniger als 30 Autominuten und wir finden an seiner Spitze auf 524,9 m ü. NN einen Turm, gebaut aus dem umliegenden Granitgestein, den man schon seit 1911 Mannheimer Hütte nennt, denn der Odenwaldklub Mannheim erwarb damals das offiziell zu Weinheim Oberflockenbach gehörende Gelände zum Zweck des Baus und der Bewirtschaftung einer Wanderhütte. Die ebenso fantastisch schöne wie sagenumwobene Landschaft des Odenwalds, heute zum Teil UNESCO Geo-Naturpark, ist an Sonntagen neben der linksrheinischen Haardt und dem Pfälzerwald das rituell wiederkehrende Ausflugsziel für die in der Mitte wohnenden Städter und seit Jahrhunderten fest mit unserem kurpfälzischen Selbstverständnis verbunden. Wir entscheiden uns für den Rundweg Nummer 6.

Am Turm ist eine in Stein gemeißelte Gedenktafel angebracht, die uns mahnt, nicht die Helden zu vergessen, die in den beiden Weltkriegen für unser Vaterland starben. Heute erkennen wir leicht den vergangenen Mainstream und die Sprache der zur damaligen Zeit herrschenden „political correctness“, die trotz allen Leids die deutschen Angriffskriege als einen Akt der Selbstverteidigung heroisierte, wie es ja übrigens auch gerade in der Türkei geschieht. Und so gilt es nun insbesondere auch all jenen Menschen zu gedenken, die sich damals widersetzten oder die zum Kriegsdienst einfach nur gezwungen wurden und darin umkamen.

Die wahren Heldinnen und Helden befinden sich heute am improvisierten Ausschank des Turms, wo sie ehrenamtlich den durstigen Wanderern grosse Apfelsaftschorlen für sensationelle zwei Euro und obendrein zur Stärkung Wurst, Suppe und selbstgebackenen Kuchen anbieten. Diese Form treuer Diensterfüllung lassen wir uns gerne und dankbar gefallen. Die Zeiten der Bewirtschaftung sind auf der unten verlinkten Webseite aufgeführt.

Mannheimer Hütte, Eichelbergturm
Weinheim/ Oberflockenbach

(366) 10.2019

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